Sport 25.01.2015

Die große Chance auf die NBA

Jakob Pöltl durfte zumindest den nächsten Sieg mit den Raptors feiern. © Bild: AP/Rick Bowmer

Der 19-jährige Jakob Pöltl könnte es als erster Österreicher in die US-Profiliga schaffen.

Leicht ist Jakob Pöltl nicht aus der Ruhe zu bringen. Auch nicht vom plötzlichen Trubel um seine Person. Schon wieder läutet das Handy zum Interview, diesmal auf dem Weg zum Flughafen. Der 19-jährige Wiener antwortet höflich, nimmt sich Zeit – auch wenn er eigentlich keine mehr hat, auch wenn sich die Fragen wiederholen. Vor allem jene nach seinem großen Traum: der NBA, der besten Basketball-Liga der Welt.

Einen wichtigen Schritt hat der 2,13 Meter große Flügelspieler schon gemacht: 17 Spiele absolvierte er für die Utah Utes in der NCAA, der amerikanischen College-Liga, die als Vorstufe zur schillernden Profiliga gilt. Nachdem ihn bei der U-18-EM ein Coach beobachtet hatte, war Pöltl mit einem Stipendium ausgestattet worden und von Traiskirchen nach Utah gewechselt. Auch in den USA überzeugt er: 23,6 Minuten Spielzeit, 9,1 Punkte und 7,9 Rebounds im Schnitt – Experten trauen ihm die große Karriere zu.

KURIER: Von Traiskirchen nach Utah. Und jetzt sogar ein möglicher Kandidat für die NBA – haben Sie die vergangenen Monate bereits realisiert?

Jakob Pöltl: Das ist schon irgendwie surreal. Ich habe nicht einmal damit gerechnet, dass ich am College so gut spiele, geschweige denn irgendwie an die NBA gedacht nach einem Jahr. Das ist absolut nicht so, wie ich’s mir erwartet habe, aber das ist nichts, worüber ich mich beschweren würde (lacht).

Was haben Sie sich denn vor der Reise nach Utah erwartet?

Ich habe kaum Erwartungen gehabt. Ich habe so wenig Vorstellung vom College-Basketball gehabt, dass ich einfach nicht wusste, auf welchem Level ich bin. Deshalb habe ich es einfach auf mich zukommen lassen. Aber ich habe nicht damit gerechnet, dass es so gut laufen würde.

Sie könnten der erste Österreicher sein, der es in die NBA schafft. Wie fühlt sich das an?

Das ist schon eine sehr coole Geschichte, aber ich versuche, es so weit wie möglich auszublenden. Ich versuche, mich auf die jetzige Situation, auf die Saison in Utah, zu konzentrieren – und nicht darauf, was möglicherweise nächstes Jahr passieren könnte.

In Österreich spielt ein Basketballer vor wenigen hundert Zuschauern, in der US-College-Liga können es Zigtausende sein. Macht Sie das nervös?

Die ersten Spiele waren schon einigermaßen schwierig, vor allem die ersten paar Minuten. Danach vergisst man das, und dann ist es eh nur noch Basketball. Aber als ich das zum ersten Mal erlebt habe, war ich schon beeindruckt, wie groß College-Basketball ist.

Zwischen den USA und Österreich liegen im Basketball Welten. Warum ist das so?

Es liegt daran, dass es in Österreich prinzipiell zu wenig Sportinteresse gibt. Basketball ist noch dazu eine Randsportart, da bleibt nicht viel übrig an Medienpräsenz oder Geld. Aber auch wenn sich da noch einiges verbessern muss, sind wir auf keinem schlechten Weg derzeit im Vergleich zu vor fünf bis zehn Jahren. Vor allem im Nationalteam erkennt man, dass mehr und mehr eine Struktur entsteht.

Was sind für Sie die größten spielerischen Unterschiede zwischen Österreich und den USA?

Der allergrößte Unterschied ist, dass das Niveau grundsätzlich höher ist in den USA. Auch die Motivation ist höher – vor allem am College. Da gibt es sehr viele junge Spieler, die versuchen, mit Basketball etwas zu erreichen und daraus eine Karriere zu machen. Vom Spielerischen her ist es viel athletischer und sehr viel mehr auf Kraft aufgebaut, als ich es gewohnt war.

Sie hatten mehrere Colleges in den USA zur Auswahl. Warum haben Sie sich für Utah entschieden?

Ich habe keine Ahnung gehabt, was ich machen soll. In Österreich hat man ja auch kaum Zugang zu College-Basketball. Ich habe mir vieles angeschaut, Berichte gelesen, mit meinen Eltern und den Coaches geredet. Im Endeffekt habe ich mich für ein College entschieden, weil ich auch eine Ausbildung neben dem Basketball wollte (Anm.: am College belegt er Business-Vorlesungen). Die Situation in Utah hat für mich einfach insgesamt gepasst. Aber primär ging es mir schon um den Basketball. Ich habe mich nicht wegen der Landschaft für Utah entschieden.

Bis 26. April steht eine andere wichtige Entscheidung bevor: Dann endet die Bewerbungsfrist für die NBA. Warum überlegen Sie, sich überhaupt zu bewerben?

Es ist für mich absolut nicht sicher, ob ich nächstes Jahr in die NBA gehe. Das ist schon noch einmal ein großer Schritt vom College, und ich weiß nicht, ob ich mich in ein paar Monaten schon dafür bereit fühle. Wenn das nicht der Fall ist, dann kann ich mir sehr gut vorstellen, hier in Utah noch ein Jahr dranzuhängen. Ich will schauen, wie die Saison weiterläuft und so lange wie möglich warten, bis ich meine Entscheidung treffe. Aber natürlich ist das große Ziel die NBA.

Erstellt am 25.01.2015