Sport 05.12.2011

Bammers 1. Aufschlag im zweiten Leben

Die 31-jährige Sybille Bammer sagte beim Turnier in Bad Gastein leise Servus. Große Töne waren nie ihr Metier.

Es wirkte immer so, als wäre es ihr unangenehm, wenn sie von neugierigen Medienvertretern heimgesucht wurde. Nicht, weil sie dachte: "Was wollen die schon wieder von mir, man hat gar keine Ruhe."

Nein, Sybille Bammer wollte mit ihren Blicken vielmehr sagen: "Ach geh, ich bin doch gar nicht so wichtig." Bescheidenheit und keine Gier, sie wollte nie etwas Besseres sein, einfach nur Tennis spielen.

Am Donnerstag, im Viertelfinale von Bad Gastein tat sie es zum letzten Mal auf internationaler Bühne. Der österreichische Tennissport verlor ein Aushängeschild. Die 31-jährige Sybille Bammer nimmt Abschied.

Mama Bammer

Große Töne waren nicht ihr Metier. Große Taten auf den Tennisplätzen schon. Und die Zeitungen widmeten ihr große Geschichten. Nicht nur, weil sie gutes Tennis zeigte, sondern auch, weil sie jahrelang die einzige Tennismutter im Profi-Zirkus war. Bei den US Open 2008 stand sie nicht nur wegen ihres Viertelfinaleinzugs im Rampenlicht.

War Bammer im Bild, war auch Tina nicht weit. War Bammer abseits des Platzes zu sehen, stand die kleine Tochter neben ihr. "Durch sie habe ich richtig abschalten können", sagt Bammer, die die lebhafte Tina zumindest bei Grand-Slam-Turnieren meist mit dabei hatte.

Tina wird demnächst zehn Jahre alt und besucht ab September das Gymnasium. Auch ein Grund, warum Sybille Bammer dem Tennissport, der ihr neben dem Erfolg in New York auch zwei Achtelfinaleinzüge bei Grand-Slam-Turnieren (French Open, US Open) und zwei Turniersiege (Pattaya, Prag) bescherte, den Rücken zukehrt. "Die langen Reisen sind einfach nichts mehr, ich möchte mehr bei der Familie verbringen", sagt die Ottensheimerin.

Dabei hätte es die Weltklassespielerin Sybille Bammer fast gar nicht gegeben. Wegen Tina: Nach ihrer Geburt sollte die Karriere schon zu Ende sein. Tinas Vater und Sybilles Lebensgefährte Christoph Gschwendtner überredete Bammer zum Weiterspielen. Und als Jürgen Waber 2005 das Coaching übernahm, ging es so richtig aufwärts. Bis auf Platz 19 der Weltrangliste. Jetzt hat sie nur noch einen Aufstieg im Sinn: Der Kilimandscharo soll bezwungen werden, ehe sie dann doch irgendwo in Oberösterreich als Trainerin einsteigt. Jetzt ist einmal die Familie an der Reihe. Nicht in New York, Paris oder Melbourne, sondern daheim. Im kleinen Ottensheim bei Linz.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011