Sport
17.11.2017

Thiem: "Fühle mich sehr bescheiden auf dem Platz"

Der Österreicher unterliegt dem Belgier David Goffin klar in zwei Sätzen - 4:6 und 1:6.

Riesenenttäuschung im Lager von Dominic Thiem: Der 24-jährige Weltranglisten-Vierte ist am Freitag nach schwacher Leistung bei den mit 8 Mio. Dollar dotierten ATP Finals in London ausgeschieden. Thiem hätte der erste Österreicher überhaupt im Masters-Einzel-Halbfinale werden können, doch er verlor das entscheidende Gruppenspiel gegen den Belgier David Goffin nach nur 1:11 Stunden mit 4:6,1:6.

Thiem war nach gutem Start nur noch ein Schatten seiner selbst. Er verpasste damit auch die Gelegenheit, sich am Samstag im Halbfinale des Saison-Abschlussturniers mit Superstar Roger Federer zu messen. Das zweite Halbfinale bestreiten der Bulgare Grigor Dimitrow und der US-Amerikaner Jack Sock.

Dabei hatte Thiem gut begonnen und lag nach neun Minuten schon mit 3:0 in Führung. Doch die seit Wochen sehr wankelmütige Form des Niederösterreichers zeigte sich schon in den nächsten fünf Games: Thiem machte nur drei Punkte (!), gab u.a. seinen Aufschlag zu Null zum 3:2 und zu 15 zum 3:4 ab. Er schaffte dann noch ein Game zum 4:5, doch Goffin nutzte seinen ersten Satzball zum 6:4 nach 31 Minuten.

Mentales Problem

Dass es aktuell ein mentales Problem auf dem Platz gibt, das nicht unmittelbar mit seinem Tennis zu tun hat, bestätigt auch Thiem selbst. "Es gibt sicher einige Gründe dafür. Einer davon ist - die ganzen engen Matches, die ich verloren habe, haben sicher ein bisschen einen Knacks hinterlassen", erklärte Thiem am Freitagabend bei der Pressekonferenz in der O2-Arena. "Das ist sehr bitter, aber verlernt habe ich es sicher nicht." Das zeigte auch das Training, in dem er wesentlich stärker spielte. "Warum auch immer das so ist, ich muss und werde es rausfinden."

Seine Gefühlswelt ist nach seiner Saison, in der er als einziger Spieler neben Rafael Nadal bei allen vier Grand Slams in die zweite Turnierwoche gekommen ist, von Enttäuschung geprägt. "Ich fühle mich wirklich sehr bescheiden auf dem Platz. Es gehen einfach manche Dinge nicht, die ganz normal sein sollten. Es passieren Fehler, die unter jeder Kritik sind für einen Spieler wie mich. Das ist sehr, sehr frustrierend sogar." Zudem wisse er selbst am besten, wie gut er spielen könne. "Und wie es sich anfühlt, wenn ich gut spiele. Da bin ich zur Zeit sehr weit entfernt davon."

Auf die Frage, ob es nur die engen Niederlagen sind, die ihn beunruhigen, meinte Thiem: "Mich beunruhigt alles zur Zeit, weil alles schlecht ist. Andererseits beunruhigt es mich wieder nicht, weil ich sehe, wie gut es eigentlich im Training geht."

"Top gefühlt"

Ausgelaugt nach insgesamt 27 Turniereinsätzen fühlt sich Thiem im Gegensatz zum Vorjahr ("da war ich wirklich kaputt") nicht. "Ich habe mich vor den ganzen Turnieren top gefühlt - auch hier. Deshalb ist es doppelt enttäuschend, dass dann teilweise solche Leistungen zustandekommen, weil es keinen offensichtlichen Grund dafür gibt."

Thiem rechnet damit, dass er auf Platz 5 überwintern wird. "Ich glaube nicht, dass Sock oder Goffin das Turnier hier gewinnen werden. Das steht dann schwarz-auf-weiß da und ist schön. Das wird mir niemand mehr nehmen können, deshalb bin ich sehr froh drüber."

Für Thiem steht nun ein rund zehntägiger Urlaub an, ehe es am 30. November zur Saisonvorbereitung nach Teneriffa geht. Die Saison geht für ihn in Doha los, ehe er bei den Australian Open, danach den eingeplanten Davis-Cup-Heimländerkampf gegen Weißrussland und dann die Südamerika-Turniere in Buenos Aires, Acapulco und Rio spielt.

Thiem-Coach Günter Bresnik war selbstverständlich enttäuscht nach dem letzten Auftritt seines Schützlings - und auch etwas ratlos. "Erklären kann ich es gar nicht. Bis 3:0 läuft alles bestens... ", sagte der 56-jährige Niederösterreicher und beklagt einmal mehr, dass Thiem zu sehr nach Stand spielt. "Was mich stört, dass jemand nicht imstande ist, das Tennis zu spielen, dass er spielen soll und gut kann. Weil er Ergebnis verwalten möchte. Ein Tennisspieler ist kein Beamter, der etwas zu verwalten hat, sondern der muss ständig angreifen."

Dominic Thiem - David Goffin 4:6 und 1:6

2. Satz (1. Aufschlag Thiem):

  • 1:6 - Matchball für Goffin! Gespielt sind 1:09 Stunden. Thiem kann ihn abwehren. Den zweiten nutzt der Belgier und gewinnt klar!
  • 1:5 - Zwei Breakgelegenheiten bieten sich dem Österreicher, beide lässt er liegen. Vier mal kommt es zum Einstand. Dann hat Thiem die nächste Chance auf 2:4 zu verkürzen. Wieder nicht genützt! Nach dem Auslassen einer weiteren Breakchance und zehn Minuten endet das Game. Goffin steht vor dem Matchgewinn.
  • 1:4 - Thiem leistet sich den nächsten Doppelfehler, liegt in Folge 15:30 hinten. Mit einem Ass wendet der Niederösterreicher einen Breakball ab. Dann lässt er einen neuen zu - der Belgier lässt sich nicht noch einmal bitten und holt sich das zweite Break in diesem Satz.
  • 1:3 - Thiem greift sich erstmals am Knie, sein Gegner lässt ihm einen Breakball zu. Diesen kann Thiem nicht nutzen und liegt nun 1:3 hinten.
  • 1:2 - Thiem tut sich schwer, schon wieder hat er zwei Breakbälle gegen sich. Gleich den ersten nützt der Belgier.
  • 1:1 - Goffin macht es seinem Gegenüber nach und gewinnt sein Aufschlagspiel zu Null.
  • 1:0 - Thiem eröffnet den zweiten Satz mit einem zu Null gewonnenen Aufschlagspiel. Von einer Verletzung ist (noch) nichts zu spüren.

Thiem lässt sich derzeit behandeln. Das Knie scheint lädiert zu sein. Nach fünfminütiger Pause geht es weiter.

1. Satz (1. Aufschlag Thiem):

  • 4:6 - Es ist ein knappes Aufschlagspiel von Goffin, Thiem nützt seine Chancen nicht und damit ist der erste Satz pfutsch. Leider...
  • 4:5 - Thiem meldet sich zurück mit einem zu Null gewonnenen Aufschlagspiel.
  • 3:5 - Thiem hat völlig den Faden verloren, auch in diesem Game lässt sein Gegenüber nichts anbrennen.
  • 3:4 - Goffin hat das Match komplett gedreht. Erst nach 13 gewonnenen Punkten in Folge unterbricht Thiem seine Serie, eher dieser den zweiten von drei Breakbällen verwertet.
  • 3:3 - Zu Null gewinnt Goffin das 6. Spiel in diesem ersten Satz. Nun hat er leicht die Nase vorne.
  • 3:2 - Nun hat auch Goffin drei Breakbälle und auch er nützt gleich die erste. Das Match kann wieder von vorne anfangen.
  • 3:1 - Nun hat der Belgier auch seinen ersten Spielgewinn.
  • 3:0 - Goffin ist noch nicht richtig in diesem Match drinnen, das nützt der Österreicher eiskalt aus.
  • 2:0 - Thiem hat drei Breakbälle, nützt gleich den ersten! So kann es ruhig weitergehen.
  • 1:0 - Thiem gewinnt sein erstes Aufschlagspiel. Glanzvoll war der Auftakt aber nicht, nach 40:0 lässt er den Gegner noch herankommen.