Blaues Wunder: Das Zentrum der Aspire Zone bildet der Dome, dahinter ragt das Hotel "The Torch" 300 Meter hoch in den Himmel Katars.

© Honorarfrei/Aspire Academy

Aspire Zone
01/20/2015

Zu Gast in der Wunderwelt des Sports

In der weltgrößten Multifunktionssporthalle bereitet Katar seinen Angriff auf den Spitzensport vor.

von Philipp Albrechtsberger

Ich habe mehr als 9000 Würfe verworfen. Ich habe fast 300 Spiele verloren. 26 Mal hat man mir den entscheidenden Wurf überlassen – und ich habe versagt. Ich bin immer und immer wieder gescheitert. Und deshalb bin ich erfolgreich gewesen." Michael Jordan

In riesigen Buchstaben steht der Spruch der amerikanischen Basketball-Ikone an der Wand der Sporthalle im Aspire Dome von Doha. Es gibt hier viele solcher Weisheiten und Fotos von Legenden des Weltsports: von Björn Borg (Tennis), Alex Ferguson (Fußball) oder Frank Williams (Formel 1). Sie alle sind schon hier gewesen seit der Eröffnung im Jahr 2004 – in der größten Multifunktionssporthalle der Welt.

13 Sportarten können hier stattfinden: gleichzeitig und unter einem Dach. Das Indoor-Stadion der Leichtathleten fasst 4500 Sitzplätze, jenes der Fußballer 5800. Dort kann auch trainiert werden, wenn im Sommer die Wüstensonne alles verbrennt. Geht sie unter, stehen draußen 13 weitere Fußballfelder, alle mit FIFA-Maßen, bereit. Dazu noch das Khalifa-Stadion (50.000 Plätze), ein Schwimmzentrum, ein Spital, zwei Hotels.

Das Ganze nennt sich Aspire Zone und erstreckt sich auf einer Gesamtfläche, die nur unwesentlich kleiner ist als der erste Bezirk in Wien. Ausgebreitet haben sich dort derzeit die Fußballer aus St. Petersburg. Die Bayern und Schalke sind schon wieder weg, Red Bull Salzburg kommt noch diese Woche.

"Jemanden von der Strahlkraft des FC Bayern hier zu haben, hat auch mir PR zu tun. Wir können einer größeren Öffentlichkeit zeigen, dass wir bereits jetzt in einigen Bereichen führend sind", sagt Markus Egger. Der 43-jährige Österreicher ist einer der Direktoren der Aspire Academy, zuständig für strategische Planung. Darum geht es hier eigentlich am Stadtrand von Doha: um die Akademie, um Katar, nicht um den FC Bayern.

Ein Sportler, 8 Betreuer

"Champions für Katar entwickeln" formuliert Egger das erstrangige Ziel. Seit zweieinhalb Jahren ist der langjährige Red-Bull-Angestellte nun schon in Doha. Für dieses Ziel wird kräftig investiert und abgeworben. Der Generaldirektor kam von Real Madrid, den Bereich "Leistung und Wissenschaft" verantwortet ein Experte, der zuvor bei Lazio Rom und Manchester United beschäftigt war. Auf jeden Nachwuchssportler in der Akademie kommen acht (!) Betreuer.

Und langsam stellen sich die ersten Erfolge ein in dem Land, das nur rund 300.000 Staatsbürger zählt. So stellt Katar den aktuellen Hammerwurf-Weltrekordler bei den Jugendlichen oder mit Mutaz Essa Barshim den Hallenweltmeister sowie Olympia-Dritten im Hochsprung.

Und im Fußball, der einzigen Teamsportart, die in der Aspire Academy gefördert wird, ist das U-19-Team Katars amtierender Asienmeister. Im Kader standen nur Spieler der Aspire Academy. Unterschied zur Handball-Auswahl: Eingebürgert wurde niemand. So soll es bleiben bis zur Heim-WM 2022. "Aspire soll bei der Endrunde die Akademie sein, die die meisten WM-Spieler ausgebildet hat, und nicht Real oder Barcelona", sagt Egger.

Um das Ziel zu erfüllen, gibt es im Senegal eine Zweigstelle, die Fußballer für Afrika ausbildet. Egger: "Das ist hauptsächlich ein humanitäres Projekt." Ein unerwarteter Satz in Katar. Auf eine Wand im Aspire Dome hat er es nicht geschafft.

Ich bin nach wie vor Demokrat

KURIER: Können Sie die Kritik am Größenwahn Katars im Sport nachvollziehen?
Es hat nichts mit Größenwahn zu tun, wenn die Aspire Academy bis 2020 als weltbeste Nachwuchsakademie anerkannt werden will. Wir werden nie so viele Medaillengewinner entwickeln können wie China und so viele Top-Fußballer wie Spanien oder Deutschland. Daher müssen wir uns um jedes einzelne Talent intensiv kümmern. Wir können es uns nicht leisten, auch nur eines davon zu verlieren. Es stehen nicht 200 ähnlich Begabte auf der Warteliste wie bei Real Madrid.

Die finanziellen Möglichkeiten müssen hier paradiesisch sein ...
Unser Eigentümer ist der Staat. Wir müssen ein Budget vorschlagen, das manchmal gekürzt, über das aber immer diskutiert wird. Ich darf keine Zahlen sagen, jedoch kann ich versichern: Es ist nicht so, dass Geld überhaupt keine Rolle spielt, da es aus dem Boden kommt. Klar ist, dass wir viele Aktivitäten setzen, die sehr teuer sind.

Wie begegnen Sie der allgemeinen Kritik an Katar?
Was die Organisation der Fußball-WM betrifft, ist die Akademie nicht befugt, Ratschläge zu geben. Persönlich bin ich davon überzeugt, dass durch die gesteigerte Aufmerksamkeit einiges verbessert werden wird, was verbessert werden sollte.

Wie lange haben Sie überlegt, mit ihrer Familie in ein Land zu gehen, in dem es keine Demokratie gibt?
Es gibt eine Staatsvision, die "Qatar National Vision 2030". Natürlich kann man die leichter verfolgen, wenn nicht alle vier, fünf Jahre Parlamentswahlen sind. Ich bin nach wie vor überzeugter Demokrat. Die Frage, die man sich stellen muss, wenn man in ein fremdes Land geht, ist: Wie viel finde ich richtig, wie viel falsch? Dürfte ich ein Idealszenario von einem Land zeichnen, würde es freilich etwas anders aussehen. Das trifft auch auf Österreich zu.

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