Sport
18.06.2017

Andreas Haider-Maurer: Über Todi nach Wimbledon

Der Leidensweg ist vorbei: Mit kleinen Schritten kehrt der Waldviertler zurück, in Italien gibts erstmals wieder ATP-Punkte.

Todi. Irgendwo in der italienischen Region Umbrien. Muss man nicht kennen.

Während sich Dominic Thiem auf den großen Tennisbühnen gegen die Djokovics oder Nadals präsentiert, musste im besagten Todi Sonntag gegen 13 Uhr Andreas Haider-Maurer gegen einen Franzosen namens Laurent Lokoli bestehen. Muss man auch nicht kennen.

Für Österreichs langjährige Nummer zwei war das Spiel der 3. Qualifikationsrunde dennoch nicht ganz unbedeutend. Der 30-Jährige gewann und darf sich damit über die Rückkehr in die Weltrangliste freuen, nachdem er zuvor bei zwei Challengern die Quali nicht bestanden hatte. „Ein sehr wertvoller Sieg“, sagt er. Drei Punkte brachte ihm die erfolgreiche Qualifikation für den am Montag startenden Hauptbewerb. Und 450 Euro.

Leid & Aufwärtstrend

Peanuts. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Haider-Maurer ist einfach froh, wieder bewerbsmäßig auf dem Platz stehen zu können. Eine langwierige Fersenverletzung zwang ihn zu einer fast 20-monatigen Pause. „Die Fußverletzung ist sehr gut ausgeheilt, und körperlich wird es immer besser“, spricht der Groß Gerungser.
Im Oktober 2015 war sein Schützling bis zum Comeback Anfang Juni zuletzt auf den Brettern, die die Tenniswelt bedeuten, gestanden, nach den Erste Bank Open in Wien ging’s los mit der Misere. „Mein Lebenstraum wurde durch einen schmerzhaften Schritt unterbrochen“, erinnert sich Haider-Maurer, Fans auch als AHM bekannt. Eine Faszienverletzung an der rechten Fußsohle konnte lange nicht operiert werden, erst im Juli des Vorjahres kam er unters Messer, das Comeback verschob sich danach auch lange. „Jeder Kreuzbandriss wäre besser gewesen, weil Du weißt, wie lange Du ungefähr pausieren musst“, erinnert sich Manager-Freund Bernd Haberleitner. „Ich bin grundsätzlich nicht einer, der ans Aufgeben denkt. Aber es gab harte Phasen.“ Sein Umfeld, insbesondere Gattin Iris, die Trainer Christian Kohl, Daniel Huber, Haberleitner und auch sein Bruder Mario (spielt selbst) hätten ihm Kraft gegeben.

Rückkehr & Teamplayer

Haider-Maurer weiß, dass er nicht nach Todi gehört. Just nach seiner besten Saison folgte die Verletzung, 2015 war er lange sogar Top-50-Mann. In Rio stand er im Semifinale beispielsweise, in Monte Carlo im Achtelfinale, kurze Zeit war er da sogar Österreichs Nummer eins.
Mit einem geschützten Ranking (vor seiner Verletzung lag er um Platz 60), darf er nun bei ausgewählten Turnieren antreten. Zum Beispiel in Wimbledon, wo er in zwei Wochen ein Grand-Slam-Comeback gibt. Schon am 27. Juni wird er zur Vorbereitung nach London reisen.

Im Daviscup hat Haider-Maurer eine positive Einzel-Bilanz (6:5). Im September könnte er in Wels gegen Rumänien auch hier an der Seite von Thiem ein Comeback feiern. „Wenn er fit ist ist, ist er auf jeden Fall ein Thema“, sagt Kapitän Stefan Koubek.

Harald Ottawa