Sport
05.12.2011

American Dream im heimischen Baseball

Baseball ist in den USA die beliebteste Breitensportart. In Österreich fristet das Spiel noch ein Dornröschen-Dasein.

Altweibersommer im Wiener Prater: Frisbees fliegen, in der Ferne beschallen Evergreens die Besucher im Wurschtlprater, Gewusl an der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 1. Inmitten der Idylle: einer der größten Baseballplätze Österreichs.

Bereits seit 25 Jahren gibt es die Austrian Baseball League (ABL). Die Saison 2011 in der höchsten Spielklasse geht nun in die finale Phase. Noch bis Mitte Oktober wird um den Staatsmeistertitel gespielt. An der Spitze kämpfen der Tabellenführer, die Attnang Puchheim Athletics und der Tabellenzweite, die Vienna Wanderers, um den Titel.

In den USA ist das Spiel mit Ball, Schläger und dem riesigen Fanghandschuh mit 30 Vereinen in der höchsten Spielklasse ein Zuschauermagnet. Hierzulande ist Baseball mit acht Vereinen in der ABL eine Randerscheinung. Noch. Zu einem Spiel der Vienna Wanderers auf der Wiener Spenadlwiese hat sich ein Dutzend Zuschauer eingefunden. Über dem großen Teich jubeln beim Spiel zwischen den St. Louis Cardinals und den L.A. Dodgers 46.000 Zuschauer.

"Österreich und Amerika kann man nicht miteinander vergleichen, hier gibt es eine viel langsamere Entwicklung", sagt Clemens Cichocki, Pitcher der Vienna Wanderers. "Aber wir haben sehr großen Zulauf im Nachwuchs, und wenn mehr Leute spielen, wird auch das öffentliche Interesse stärker."

Cichocki hat mit seinen 26 Jahren viel im Baseball erreicht. Für europäische Verhältnisse sogar immenses: Er hat als einer der ersten Österreicher den Sprung in den amerikanischen College-Baseball geschafft. Mit 17 Jahren kam er als Pitcher an die Eastern Oregon University. Nach drei Jahren an der US-Westküste kehrte Cichocki mit neuem Selbstbewusstsein zu den Wanderers heim.

Meisterklasse

In die amerikanische Major League, die internationale Königsklasse im Baseball, hat es bis jetzt nur ein Österreicher geschafft. Kurt Krieger aus dem niederösterreichischen Traisen stand von 1949 bis 1952 als Pitcher für die St. Louis Cardinals auf dem Feld.

Die Chancen für den internationalen Durchbruch stehen aber auch 2011 nicht schlecht, denn die Austrian Baseball League ist international vernetzt. "Wir sind in der Liga gut durchmischt. Wir haben in der ABL viele Spieler aus dem karibischen Raum, aus Japan und aus Kanada. Für die Spieler ergeben sich somit gute Kontakte nach Übersee", bestätigt Rainer Husty, der Präsident des Österreichischen Baseball-Verbandes.

Kleine Welt

Der Sprung ins Ausland bedeutet für die Spieler neben der sportlichen, auch eine finanzielle Verbesserung. Denn in Österreich finanziert sich die Liga vieles selbst und Profis können längst nicht von ihrem Salär leben. Die Welt des österreichischen Baseball ist also noch eine kleine. Doch der Ansturm im Nachwuchs deutet auf einen Aufwärtstrend hin. Clemens Cichocki spricht nach zehn Jahren im Baseball immer noch mit Leidenschaft davon: "Ich liebe es, einen Ball zu werfen. Ich weiß, es klingt wie ein Klischee, aber ich freue mich jeden Tag, wenn ich auf den Baseballplatz komme, der grüne Rasen leuchtet und ich den Platz sehe."

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