Sport 02.04.2012

470-er-Seglerinnen Vadlau/Schimak auf Olympia-Kurs

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Vor genau einem Jahr hat 470er-Steuerfrau Lara Vadlau vor Palma de Mallorca mit Rang 33 ihr Debüt im Segel-Weltcup gegeben.

Genau zwölf Monate später hat die jetzt 18-jährige Kärntnerin zusammen mit ihrer burgenländischen Vorschoterin Eva Maria Schimak ein konkretes Ziel vor Augen, das elitärer nicht sein könnte: die Teilnahme an den Olympischen Spielen im Sommer in London.

Im Eilzugstempo fegte Vadlau durch die diversen Klassen, heimste Erfolge im Optimist (Vize-Weltmeisterin 2007), Byte (Jugend-Olympiasiegerin 2010) und 420er (Jugend-Weltmeisterin) ein, ehe sie vor einem Jahr in den olympischen 470er umstieg. London 2012 war damals nur ein Traum, das Fernziel hieß Rio 2016. Doch dank enormem Trainingseinsatz und einer gehörigen Portion Konsequenz hievten sich Vadlau/Schimak in die Position, bei der WM Mitte Mai vor Barcelona ernsthaft um einen der noch zu vergebenen Olympia-Startplätze mitmischen zu können.

Für die Regatta vor Palma in dieser Woche holten sich die vom spanischen Gold-Trainer Toni Ripoll und OeSV-Sportdirektor Georg Fundak betreuten Damen am Sonntagnachmittag Selbstvertrauen, in der gemeinsam mit den Männern abgehaltenen Testwettfahrt überquerten sie als Erste die Ziellinie. Freilich erwähnten sie, dass nur die Hälfte der Teilnehmer dabei gewesen sei und manche bereits nach der Luv-Boje abgedreht haben. Wertvoll war es aber allemal und ein guter Test für die Bootsgeschwindigkeit. Die stimmt, genauso wie die seglerische Leistung bei Leichtwind. "Wenn viel Wind ist, fehlt noch die Konstanz", erzählte Vadlau, die deshalb auch verstärkt in Starkwindrevieren trainieren will.

Mit Vadlau und der sieben Jahre älteren Schimak, die erst als Zehnjährige über die Sporthauptschule in Neusiedl zum Segelsport gekommen ist, haben sich zwei gefunden, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sich aber optimal ergänzen. "Wenn Lara was will, geht sie strikt ihren Weg und ist sehr fokussiert. Ich schaue halt nach links und rechts und nicht nur mit dem Tunnelblick", sagte Schimak, die als Geografie-Studentin gerade an ihrer Bachelor-Arbeit über Muren und Naturkatastrophen arbeitet.

"Sie ist voll das Gegenteil von mir. Ich bin sehr schlampig, sie ist sehr organisiert. Wenn sie etwas hinterfragt, denke ich aber noch einmal darüber nach und ändere meine Meinung auch. Wenn es sein muss", meinte Vadlau, die ihre Matura am Sportgymnasium in Klagenfurt im Herbst machen wird, weil der Frühjahrs-Termin zeitgleich mit der Barcelona-WM ist. Vadlau wird in der Szene als "junger Hagara" bezeichnet, mit Talent ist der frühere Schützling von Surf-Olympiasieger Christoph Sieber reichlich gesegnet, aber auch an der richtigen Einstellung mangelt es dem Teenager nicht. Das Credo: "Was ich anfange und was ich mache, will ich auch gut machen."

Schimak bastelt nicht nur liebend gerne am Boot rum, sie kümmert sich auch um Flugbuchungen und Allfälliges. Vadlau ist dankbar, dass ihr die Vorschoterin diese Arbeiten abnimmt. "Wenn ich das machen müsste, könnte ich meinen Kopf nicht mehr so aufs Segeln richten", gestand die wie ihre Bootskollegin angehende Heerensportlerin. Es heißt, dass es sechs bis acht Jahre dauert, bis man in einer Klasse in der Weltspitze mitmischen kann. Vadlau/Schimak sind erst seit 2011 ein Gespann, sie haben es in einem Jahr geschafft, die Konkurrenz manches Mal schon gehörig zu ärgern. Und das, obwohl bei der Arbeit am Boot vom blinden Verständnis noch keine Rede sein kann, sondern noch viel auf Zuruf passiert.

"Ich habe einen Weg gefunden, mit Eva über alles reden zu können. Das ist sehr wichtig für mich. Ich sage ihr einfach, was mein Gefühl ist, und sie probiert es umzusetzen", erzählte die Steuerfrau, die bereits mit sieben Jahren alleine im Boot saß und als Neunjährige ihre ersten Regatten segelte. "Ich spüre es schon auch, aber sie hat einfach das bessere Gefühl. Sie sitzt am Boot, hat das Ruder in der Hand, ich muss das ausgleichen, ich stehe im Trapez draußen. Und es ist klar, dass wir jetzt noch viel miteinander reden müssen. Das kommt mit den Jahren, dass man sich blind versteht", bemerkte Vorschoterin Schimak, wie wichtig die Erfahrung ist.

Bis Olympia vor Weymouth ist es noch ein langer Weg. Regatta vor Mallorca, Training in Frankreich, Regatta vor Hyeres und WM vor Barcelona heißen die nächsten Stationen. "Olympia. Das hört sich gut an", gesteht Vadlau. Und auch für Schimak ist es ein echtes Ziel geworden: "Wir wussten, dass das Niveau im 470er sehr hoch ist und vor Olympia gibt jeder das Allerbeste. Am Anfang habe ich ehrlich nicht gedacht, dass wir Olympia 2012 erreichen können. Doch dann sind wird das volle Weltcup-Programm gefahren und haben alle Trainingslager mit den Burschen mitgemacht und gesehen, dass wir gute Einzelergebnisse fahren können. Und wir haben bemerkt, wenn wir wirklich gut trainieren, dann ist es möglich."

Erstellt am 02.04.2012