ski-wm-news 10.02.2017

Ohne Druck in die Abfahrt - Kriechmayr gibt sich bescheiden

Vincent Kriechmayr sieht die Dinge gelassen und übt sich gern in Understatement. Auch nachdem der Landwirt-Sohn sich mit einer überragenden Trainingsbestzeit in den Kreis der Medaillenanwärter für die WM-Abfahrt in St. Moritz gefahren hatte, blieb er bescheiden. "Ich will mir keinen Druck machen. Wenn ich im Stall daheim bin, haben die Kühe deswegen auch nicht mehr Respekt", sagte der 25-Jährige.

Die Familie züchtet Charolais, das ist eine französische Rinderrasse. Kriechmayr hilft daheim mit, wenn es die Zeit erlaubt und bezeichnet sich selbst als "Knecht". Er hat vollstes Verständnis dafür, wenn die Familie nicht zu seinen Rennen anreisen kann. Am Mittwoch waren Vater Heinrich, Schwester Jacoba und drei weitere Verwandte zum Super-G gekommen und prompt wurde es ein fünfter Rang für den Speedpiloten, der bisher ein zähe Saison hatte.

"Sie haben eine super Stimmung gemacht. Ich würde mich freuen, wenn sie Samstag kommen, aber ich nehme es ihnen nicht übel, wenn nicht." Mutter Gertrudis und Zwillingsbruder Rafael drückten zu Hause auf dem alten Hof in der hügeligen Koglerau nahe dem Pöstlingberg die Daumen.

Vincent ist nach Van Gogh benannt. Die Mutter, eine gebürtige Belgierin, ist Kunstgeschichte-Lehrerin. Sie reiste einst von Flandern in den Skiurlaub nach Österreich, lernte dort ihren zukünftigen Mann kennen und ließ sich wie er zum Skilehrer ausbilden.

Vincent Kriechmayr beendete die vergangene Weltcupsaison als Super-G-Gesamtvierter, er erhoffte sich für die aktuelle auch Verbesserungen in Abfahrt und Riesentorlauf. Doch es lief ganz und gar nicht wunschgemäß, Erklärungen dafür fand der Athlet nicht. Denn im Sommertraining hatte er am Gesamtpaket gearbeitet, körperlich, skitechnisch und intensiv auch am Materialsektor.

"Ich möchte mehr Podiums holen, mehr Topplatzierungen. Ein Sieg muss auch einmal kommen - hoffentlich", hatte er sich vorgenommen. Doch zu Buche stehen nun Mitte Februar mit Platz zehn im Super-G von Santa Caterina und sieben in der Abfahrt von Garmisch-Partenkirchen nur zwei Top-Ten-Ergebnisse. "Meine Saison war nicht berauschend", weiß er selbst.

"Ich werde nicht überpoweren am Samstag, aber ich werde nochmals richtig angreifen. Man braucht auf dieser Strecke hier ein paar Gleitfähigkeiten, herunten mit den Sprüngen und schwierigen Kurven muss man technisch Skifahren. Von der Linie her darf man nichts herschenken. Der kürzeste Weg ist meistens der schnellste", sagte Kriechmayr vor der Abfahrt. "Ich habe Video geschaut. Man muss die feine Klinge auspacken, wie die Norweger. Aber die Favoriten sind andere."

Auch ÖSV-Rennsportleiter Andreas Puelacher glaubt an seinen erfolgreich durch die Qualifikation gegangenen Athleten: "Vinz hat im Training gezeigt, was er zur Zeit drauf hat: nämlich wirklich gut Ski zu fahren."

( Agenturen , fls ) Erstellt am 10.02.2017