ski-wm-news 08.02.2017

Nach Gold hatte Weltmeisterin Schmidhofer eine kurze Nacht

Eine kurze Nacht hat Nicole Schmidhofer nach ihrem überraschenden WM-Titel im Super-G gehabt. Bis deutlich nach 22.30 Uhr dauerte ihr Triumph- und Medienmarsch durch St. Moritz, am Ende stand sie im TirolBerg bei der Seefeld-Nacht auch noch Rede und Antwort. Das sagte Schmidhofer nach ihrem Gold-Triumph über:

Ob sie immer schon eine Sprücheklopferin war und wie es damit nach ihrem Sieg ging: "Ich bin ein Gasthauskind, das ist also so angeboren. Aber so sprachlos wie in St. Moritz war ich noch nie. Zwar ist der Präsi (Präsident Schröcksnadel) zu mir gekommen und hat geglaubt, er kann jetzt blöd reden, aber es ist von mir nix zurück gekommen."

Ob sie sich an die Bezeichnung Weltmeisterin schon gewöhnt hat: "Es klingt immer noch ein bissl komisch. Es sollte aber kein Problem sein, sich daran zu gewöhnen für die nächsten zwei Jahre."

Wie es ist, plötzlich so im Mittelpunkt zu stehen: "Das ist mir vorher noch nie passiert, ich habe ja nichts gewonnen. Ich genieße das aber umso mehr. Es ist sicherlich anstrengend, aber in dieser Situation ist das in Ordnung, ich beantworte die gleiche Frage gerne auch zehn Mal."

Dass sie tags darauf als Weltmeisterin schon um 9.30 wieder am Start stehen musste: "Das war mir egal. Ich wollte was probieren, das mich auch im Flachen schnell macht. In Garmisch war ich im Flachen langsam, das kann ich in St. Moritz nicht gebrauchen, weil es hier nirgends mehr steil wird. Deshalb wollte ich gleich das erste Training nutzen, um schlauer zu werden."

Warum es so lange bis zum Durchbruch gedauert hat: "Ich bin eher eine Spätstarterin, ich war ja nie im Landeskader. Schnell ging nur der Schritt vom Nachwuchs in den A-Kader, womit ich mit den Besten der Welt trainieren konnte. Das ist vielleicht einen Schritt zu schnell gekommen. Es war alles tralala und es ist alles von selber gegangen. Aber von selbst geht es im Weltcup nur maximal bis zu den Top 20. Und ich habe nicht gecheckt, was es für ein Privileg ist, mit einer Renate Götschl oder einer Alexandra Meissnitzer zu fahren. Vielleicht habe ich geglaubt, dass ich die G'scheitheit mit dem Löffel gefressen habe. Im Nachhinein würde ich einiges anders machen. Aber besser spät als nie."

Was für die Änderung ausschlaggebend war: "Dass ich ein Jahr nicht im ÖSV war, daran bin ich gewachsen. Das war einer der wichtigsten Sommer, als ich selber schauen musste, was zu tun ist. Ohne das wäre ich heute nicht da. Ich habe so viele lässige Leute kennengelernt damals. Es ist im Leben nichts für nichts. Alles bringt was mit sich, was dich weiterbringt."

Zu ihrer Freundschaft mit Andrea Fischbacher: "Auch sie hatte nichts gewonnen und wurde dann Olympiasiegerin. Sie ist eine meiner besten Freundinnen und wir sind immer noch im guten Kontakt. Sie hat sich für mich sicher so gefreut, wie ich damals in Vancouver für sie. Bei mir kam es noch unerwarteter als bei ihr."

Zu ihrem Aberglauben: "Ich bin ohne meine Glücks-Unterhose und - Leiberl da gestanden, da habe ich gleich gedacht, es kann nur das Beste daraus werden. Ich habe aber zwei Talismane. Von der Mama ein Bärli, von der Cousine ein Einhorn, weil Einhornstaub im Ziel nie schaden kann. Die zwei haben diesen Winter ihre Arbeit sehr gut gemacht."

Über die mediale Kritik am ÖSV-Damenteam vor der WM wegen ausgebliebener Erfolge: "Wir haben in Val d'Isere irrsinnig drüber gelacht, weil jedes Mal die gleich dumme Frage gekommen ist. Dann hat Conny (Hütter) die perfekte Antwort gegeben. Mich persönlich hat es nicht so betroffen, für mich ist es ja immer noch eine Comeback-Saison. Das wichtigste Training war zwischen 20. Dezember und 5. Jänner. Mich hat es nicht gestört, länger darauf warten zu müssen."

Zu den vielen Textnachrichten am Mobiltelefon: "Ich konnte zunächst nur einige beantworten, 60 sind noch offen. Ich war aber erstaunt, wie viele meine Handynummer haben und wahrscheinlich das erste Mal geschrieben haben. Es tut mir leid, aber die muss ich löschen. Das hat keine Wertigkeit in dem Moment, weil die letzten vier, fünf Jahre waren sie auch nicht da."

Wann sie das letzte Mal geweint hat: "In Lake Louise. Ich war viereinhalb Sekunden hinten und wollte gar nicht starten, weil ich mich so schäme, wenn ich so einen Scheiß fahre."

Zum Teamgeist: "Ich bin eher der Einzelsportlertyp. Aber wir sind auch eine coole und zusammengeschweißte Truppe. Wir sind in den Trainings knapp zusammen, jede von uns kann Medaillen machen."

Über ihre Startnummer 8: "Conny (Hütter) hat mir erzählt, dass das immer die Nummer von Hermann Maier war. Da habe ich gedacht, er war der Super-G-Gott, das wird schon passen."

Über ihre forsche und direkte Ausdrucksweise: "Ich bin um keinen Spruch verlegen. Ich will damit aber niemand verletzen. Wenn es doch passiert, entschuldige ich mich dafür. Es ist nie gut, wenn das auf Kosten von jemand anderen geht. Dann kommt das auch nicht mehr vor. Aber ich bin auch ein sensibler Typ. Zur Zeit habe ich ein Team um mich, das weiß, was ich brauche und was ich gar nicht haben kann."

Über den Ausdruck Schmidzwerg: "Das ist zusammen mit einigen Betreuern entstanden. Warum nicht, ich finde es geil und deshalb habe ich es auf meinen Zielsack geschrieben. Als ich das erstes Mal auf dem Podest war, war das die Schlagzeile."

Was ihr bei der Siegerehrung durch den Kopf gegangen war: "Nicht viel. Ich habe nachgedacht, wie die Strophe für die Hymne geht, damit man die Töchter und die Söhne unterbringt."

( Agenturen , ral ) Erstellt am 08.02.2017