ski-wm-news 10.02.2017

Nach 14 Jahren Wartezeit sind Österreichs Abfahrer gefordert

16 Mal hat Österreich bereits den WM-Titel in der Herren-Abfahrt geholt. So lange auf Gold gewartet wie jetzt hat man aber zuletzt 1996, als Patrick Ortlieb in der Sierra Nevada 14 Jahre nach Harti Weirather 1982 in Schladming zuschlug. Die großen Favoriten kommen aus der Schweiz, Italien, Norwegen und Kanada, das ÖSV-Quartett sieht sich am Samstag in St. Moritz selbst in der Außenseiterrolle.

Michael Walchhofer war 2003 in St. Moritz der letzte Triumphator aus Österreich. Vincent Kriechmayr, Hannes Reichelt, Max Franz und Matthias Mayer wollen ebendort den Kreis nun schließen - und die erste Abfahrtsmedaille seit Bormio 2005 (Bronze durch Michael Walchhofer) überhaupt holen. Und sich gleichzeitig für das Debakel 2015 rehabilitieren, als Mayer als 12. und Reichelt als 13. die ÖSV-Besten waren und es insgesamt das schlechteste Abfahrts-WM-Ergebnis für Rot-Weiß-Rot überhaupt gab.

Im Verlauf der ersten WM-Woche zeigte sich, dass der Anwärterkreis auf Medaillen größer geworden ist. "Die Abfahrt hat gewisse Sachen drinnen, die viele Leute gut können. Man hat keinen Highspeed-Teil, aus diesem Grund ist der Medaillenanwärterkreis ein bisschen größer", sagte ÖSV-Rennsportleiter Andreas Puelacher.

Mit einer 100-Prozent-Fahrt und überlegener Trainingsbestzeit sowie der klaren Qualifikation für das WM-Team hat sich der Super-G-Fünfte Kriechmayr ins Rampenlicht gefahren. "Die Startnummer zwei im Training war sehr gut, denn die Piste ist danach ruppiger geworden. Ich hoffe, dass ich noch einmal so eine Nummernfett'n habe. Ich kann auf keinen Fall versprechen, so eine Fahrt nochmals hinzubekommen. Ich werde versuchen, das Maximum rauszuholen", sagte der Oberösterreicher.

Für ihn bleiben aber die Schweizer die Favoriten auf die Nachfolge des Schweizer Überraschungssiegers von vor zwei Jahren, Patrick Küng. Allen voran hat Kriechmayr den "Kugelblitz" Beat Feuz auf der Rechnung. "Er ist die letzten zwei Tore wie ein Tourist gefahren, der hat bewusst geblufft. Normal zündet der herunten noch den Turbo", sagte Kriechmayr nach dem Training, in dem er dem zweitplatzierten Feuz 1,30 Sekunden abgenommen hatte.

Vielleicht ist es ein gutes Omen, dass sich Küng 2015 auch erst in der Qualifikation in Beaver Creek seinen Startplatz erkämpft hatte. Andererseits erreichte in den vergangenen zwanzig Jahren bei Großereignissen nur einmal ein österreichischer Abfahrtsqualifikant eine Medaille, es war dies bei Olympia 1998 in Nagano Hannes Trinkl mit Bronze.

In den bisher fünf Saisonabfahrten hat es mit dem Norweger Kjetil Jansrud (Val d'Isere), Franz (Gröden), dem Südtiroler Dominik Paris (Kitzbühel), dem US-Amerikaner Travis Ganong und Reichelt (beide Garmisch) fünf verschiedene Sieger gegeben. Zu den Medaillenanwärtern zählen weiters Peter Fill (ITA) und eben Feuz, sowie der kanadische Super-G-Weltmeister Erik Guay und dessen drittplatzierter Landsmann Manuel Osborne-Paradis (CAN).

Garmisch-Sieger Reichelt sieht sich als "Außenseiter". Wenn er allerdings die blöden Fehler vom Training nicht mache, sei einiges möglich. "Aber die Zeit, die der Vinz runtergelegt hat, das weiß ich nicht, ob ich die geschafft hätte", gestand er ein. "Das gibt es einfach, dass sich ein paar in die Favoritenrolle spielen. Die mit dem Schnee, mit dem Kurs gut zurechtkommen, die tun sich auf der Strecke leichter. Dem Vinz liegt das hier. Wenn ich nach Kitzbühel, Garmisch, Wengen komme, dann habe ich es im Endeffekt auch leichter. Und solche Abfahrten gibt es für andere auch." Die Linie müsse passen, weiß der 36-jährige Salzburger, worauf des ankommt.

Kitzbühel-Super-G-Sieger Mayer kämpft nach seinem Sturz und den Wirbelbrüchen im Dezember 2015 in Gröden noch immer etwas damit, das hundertprozentige Vertrauen auf der Abfahrt wiederzufinden. Die Strecke findet er "voll lässig", ein bisserl eisiger und härter wäre ihm aber noch lieber. "Vom Gelände her kann man das Rennen mit keinem anderen, das wir in dieser Saison fahren, vergleichen. Es sind sehr viele Sprünge und technische Passagen drinnen."

Auf keinen Fall, meinte der Sotschi-Olympiasieger, sei er ein Topfavorit. "Das habe ich heuer noch nicht gezeigt in der Abfahrt, im Weltcup war ich zweimal Achter, viel besser war ich nicht. Wenn ich eine Medaille machen sollte, bin ich sicherlich ein bisserl als Außenseiter dazu gekommen. Seit Wengen bin ich aber voll zufrieden, ich merke, dass es immer besser wird." Nach dem Super-G-Ausfall habe er den ganzen Nachmittag gehadert, er hofft nun auf den nächsten Schritt.

Franz beschreibt die Corviglia-Strecke als eine Abfahrt, wo von oben bis unten genau wissen müsse, wo man umgehe. Anhaltspunkte fehlen wegen der Baumlosigkeit. Zum Grübeln gäbe es nichts, sagte der Kärntner, der nach seinem Sieg in Gröden in Kitzbühel ausschied (Ski verloren) und in Garmisch-Partenkirchen 23. und 18. wurde. "Bei den Trainings in Wengen und Kitzbühel hat alles ganz gut funktioniert, Garmisch ist aus der Reihe getanzt. Das Skifahren passt, ich mache mir keine Sorgen. Die Linie bei zwei, drei Toren muss passen, dann passt es schon."

( Agenturen , fls ) Erstellt am 10.02.2017