ski-wm-news 07.02.2017

"Klein aber oho" - Erster Schmidhofer-Sieg war Gold wert

Nicole Schmidhofer hat in ihrer Ski-Karriere schon viel erlebt. 2012 hatte sie nach einer Verletzung sogar die Kaderzugehörigkeit verloren und musste sich auf Eigenkosten zurückkämpfen. Nur ein Jahr nach einem Kreuzbandriss hat sich die 1,57 m "kleine" Steirerin aus Schönberg-Lachtal nun zur Größten gemacht. Gleich ihr erster Sieg war WM-Gold wert.

"Klein aber oho", hatte die Schweizer Zeitung "Blick" vor der WM über die Österreicherin getitelt. Es trifft die Sache ziemlich gut. Nun steht Schmidhofer in einer Reihe prominenter rot-weiß-roter Super-G-Weltmeisterinnen und setzte damit die sensationelle Serie der ÖSV-Damen in dieser Disziplin bei Olympia und Weltmeisterschaften fort.

Ein Gefühl, dass die Schlagzeugerin des Musikvereins Schönberg-Lachtal selbst als "unglaublich" bezeichnete. Die zweifache Junioren-Weltmeisterin (2007) galt von je her als Talent. Am Ende musste sie aber 27 Jahre alt werden, um fast exakt zehn Jahre nach Doppelgold bei der Junioren-WM - im Super-G übrigens wie in St. Moritz vor Tina Weirather - ihren ersten Sieg in der Elite überhaupt zu holen. "Es ist eine Ehre, hinter ihr Zweite zu sein", sagte Weirather in St. Moritz.

Im Weltcup ist Schmidhofer bis zum 7. Februar 2017 aber über zwei Podestplätze in Cortina d'Ampezzo nicht hinaus gekommen. "Ich bin im Training immer stark, bringe es aber oft im Rennen nicht", hatte die kleinste Weltcup-Läuferin - auf ihrem Zielsack für das Überzieh-Gewand steht "Schmidzwerg" - einmal die vermeintlichen Gründe dafür genannt.

Es waren immer die Jänner-Wochen - vor allem jene in Cortina - die meist ihre Saison retteten. Auch 2015 raste sie dort noch zur WM, wo sie dann in der Abfahrt Vierte wurde. Im Vorjahr schlug das Pendel allerdings in die Gegenrichtung aus. Nach einem Sprung im Abfahrtstraining blieb sie mit einem Riss des vorderen Kreuzbandes und einem Einriss des Innen- sowie Außenmeniskus im Schnee liegen und musste in Innsbruck operiert werden.

Spätestens nach dieser Verletzung habe sie erkannt, dass es so nicht mehr gehe. "Am Anfang ist bei mir ja vieles selbstverständlich gelaufen. Irgendwann war mir aber klar, dass man hart arbeiten und sich auch mit den Ski und der Abstimmung auseinandersetzen muss." Heute sei ihr klar: "Ich habe mir nach der Verletzung viel Zeit genommen. Alles was mir passiert ist, war aber wichtig, dass ich heute als Weltmeisterin da stehe."

Schmidhofer kommt aus Schönberg-Lachtal in der Obersteiermark. Dass sie am 15. März 1989 im kärntnerischen Friesach auf die Welt kam, liegt daran, dass dort das nächste Krankenhaus steht.

Schmidhofer bezeichnet sich selbst scherzhaft als "Gasthauskind", das "Cafe Hannes" führt heute ihre Schwester. Auch ihrer Musik-Leidenschaft geht sie weiterhin bei jeder Gelegenheit nach, vor der WM begleitete sie etwa ein Begräbnis musikalisch.

Ihre Eltern Barbara und Hannes (Johann) waren beim WM-Triumph vor Ort, ihr Vater ist Bürgermeister der Stadtgemeinde Oberwölz. Onkel Karl Schmidhofer war früher am Skigebiet Kreischberg beteiligt und engagiert sich mittlerweile im Skigebiet Grebenzen bei St. Lambrecht.

( Agenturen , jw ) Erstellt am 07.02.2017