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09.02.2017

Kirchgasser bestreitet in St. Moritz ihre letzte WM

Mit Michaela Kirchgasser bestreitet eine der verdienstreichsten Rennläuferinnen des ÖSV in St. Moritz ihre letzte Weltmeisterschaft. Ob die im März 32 Jahre alt werdende Salzburgerin nach dem WM-Winter auch ihre Karriere beendet, ist aber noch offen. "Es ist keine Frage der Motivation, sondern der Gesundheit", sagte Kirchgasser in der Schweiz.

Die Siegerin von drei Weltcuprennen laboriert schon seit langem an gravierenden Knieproblemen. Es sind vor allem Impressions-Knorpelschäden an beiden Knien, die fast jedes Jahr operativ repariert werden mussten. Zuletzt musste sie im Jänner länger pausieren, eine "richtige" OP geht sich wohl erst nach der aktiven Karriere aus.

"Es ist ein großer Schaden am Knie. Aber am Start gebe ich immer hundert Prozent", sagte die seit dem Vorjahr verheiratete Filzmooserin vor der WM-Kombination, in der sie am Freitag zu den Mitfavoritinnen zählt. "Ich habe die Knieprobleme im Griff, gute Therapieeinheiten daheim sowie das breite Angebot des ÖSV, das ich täglich nutze. Ich kann mich also ganz aufs Skifahren konzentrieren."

Kirchgasser wird im jungen Damenteam längst als "Mutter der Kompanie" bezeichnet, die Kombi in St. Moritz ist für sie so etwas wie das "Rennen des Jahres". Dass die Kombi eher stiefmütterlich behandelt wird, bedauert die Salzburgerin.

"Das ist aber nur medial so. Die Athletinnen selbst wissen, dass es genauso schwierig ist zu gewinnen wie in einem Einzelrennen", sagte Kirchgasser. Aber mit nur zwei, drei Rennen im Winter hat sie halt ebenso keine Wertigkeit wie ein City Event. Schade also." Für sie selbst hätte eine Kombi-Medaille enormen Wert. "Sie wäre sicher höher einzustufen als meine erste Einzelmedaille", versicherte Kirchgasser.

Vor der WM hatte eine Tageszeitung eine Aussage von Peter Schröcksnadel so interpretiert, als ob der ÖSV-Chef Kirchgasser zum Rücktritt geraten habe. "Das hat mich nicht belastet. Was man mir nicht ins Gesicht sagt, zählt nicht", sagte Kirchgasser, die sich auch von der Betreuung ihres Facebook-Accounts verabschiedet hat. Das mache jetzt ihr Mann. "Mein Stressfaktor ist dadurch um einiges gesunken."

Kirchgasser hat einen differenzierten Zugang zu Sozialen Medien. "Es ist gut, wenn es neue Plattformen gibt. Aber es nehmen sich dort viele auch das Recht, was zu sagen, was man sich sonst nie trauen würde. Das ist einfach nur feig." Menschen, die den ganzen Tag in Facebook verbrächten, bedauert Kirchgasser ohnehin. "Die müssen ein ganz schön fades Leben haben. Es gibt so eine schöne Natur, man kann Wandern, Sporteln, ein Buch lesen. Aber offenbar ist es interessanter, dem Gras beim Wachsen zuzuschauen."

Sie würde in ihrer Karriere trotz einiger verpasster Chancen nichts bereuen, versicherte Kirchgasser. "Was wäre, wenn ich mehr gewonnen hätte? Würde ich mich nicht mehr aus dem Haus trauen? Wäre ich noch die offene, lustige Kirchi? Ich würde alles wieder so machen. Ich bin der Mensch, der ich bin und habe aus meinen Niederlagen viel fürs normale Leben gelernt", betonte die dreifache Team-Weltmeisterin. "Nichts ist selbstverständlich, alles ist harte Arbeit. Ich kann mich mehr freuen als andere, die schon viel mehr gewonnen haben."

Ihr Motivation, bis Olympia 2018 in Südkorea weiter zu fahren, sei "absolut" da, betonte Kirchgasser. Ob sie dann vermehrt auch auf Speedbewerbe gehen würde, sei möglich. "Ich liebe die Abfahrt und die Überwindung. Schnelle Disziplinen machen extrem viel Spaß. Außerdem wird es ja mit dem Alter immer schwieriger, sich schnell zu bewegen", fügte sie schmunzelnd an.

Dass das Damenteam diesen Winter extrem geprüft wird, weiß auch Kirchgasser. "Es gibt nichts Negatives, wo nicht auch was Positives ist. Das alles jetzt ist für den Werdegang der Jungen wichtig, man muss lernen, damit umzugehen." Selbst wenn es ganz dick komme. "Im Laufe der Karriere passiert normalerweise so etwas nicht sobald noch ein einmal. Das ist ein Lernprozess."