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11.02.2017

Erst nach Sektdusche war "Kirchis" Angst vor Platz 4 vorbei

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Die Freitagnacht wurde nach dem Kombi-Doppelsieg der Schweizerinnen und Bronze für Michaela Kirchgasser zum Fest in Rot-Weiß. Die Österreicherin absolvierte nach der Siegerehrung die übliche Medaillentour und ließ es dabei im Ski House Austria ordentlich "krachen", ehe sie sich im TirolBerg zusammen mit Ehemann Sebastian bis Mitternacht entspannte.

Nach dem Abendessen mit Teamkolleginnen und Trainern in der "Casa" dauerte es nicht lange, bis die von Super-G-Weltmeisterin Nicole Schmidhofer "motivierte" Kirchgasser zu einer Magnum-Sprudelflasche griff. Im Zentrum der Angriffe stand letztlich ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. Am Ende war niemand im ganzen Lokal trocken geblieben und Schröcksnadel musste sein Gewand gegen einen weißen Bademantel tauschen.

Der so zum "Udo" (Jürgens) gemachte Schröcksnadel durfte an diesem Abend über die bereits zweite Damen-Medaille in St. Moritz jubeln. Geholt hatte sie mit Kirchgasser ausgerechnet jene Athletin, der er im Jänner noch zum Rücktritt geraten haben soll. Schröcksnadel bestritt das zwar auch in St. Moritz, Kirchgasser nahm es aber ohnehin gelassen.

"Schwamm drüber", sagte sie nach der feuchtfröhlichen Sause an der Seite ihres Chefs. "Ich habe wirklich ein sehr gutes Verhältnis zu Peter. Heute hat man gesehen, dass das keine gekünstelte Freundschaft ist", machte Kirchgasser an ihrem Jubeltag einen Schlussstrich unter die Angelegenheit. "Ich bin schon manchmal dünnhäutig. Aber das ist mir echt hinten vorbei gegangen", versicherte sie.

Die Feier half ihr auch, die letzten Restängste des Tages zu besiegen. Aber erst im Obergeschoß des TirolBergs, wo sie von den "Weltmeistern" Michael Walchhofer und Günther Mader sowie begeisterten Fans empfangen wurde, kam die Salzburgerin erstmals nach ihrem Medaillengewinn halbwegs zur Ruhe.

Die Salzburgerin reflektierte dabei den Tag und ihre Angst vor Platz vier. Diese hatte sie während und nach dem Rennen so intensiv verfolgt, dass sie bei der Pressekonferenz auf Englisch zunächst meinte, sie sei "sehr happy über meinen vierten Platz".

Am Abend konnte sie darüber nur noch lachen. "Die Angst vor dem vierten Platz war ja wirklich riesengroß", gestand sie. Sie habe sich förmlich hinter ihren Skiern versteckt, dann aber eine meterhohen Luftsprung gemacht, als Ilka Stuhec und Sofia Goggia ausgefallen waren.

"Ich habe gewusst, wenn nur eine der beiden runterkommt, bin ich Vierte. Das hätte mir an diesem Tag ganz schiach getan", gestand sie. "Ich bin normalerweise immer fair, ärgere mich zunächst stets für die Ausgeschiedene und freue mich erst dann für mich. Aber diesmal war ich Egoist, war mir alles wurscht. Diese Medaille hat richtig gut getan, sie entschädigt für so vieles."

"Beginne deinen Tag stets mit einem Lächeln", steht auf Kirchgassers Website. Die 31-jährige Filzmooserin sprach mit der "Entschädigung" die vielen Rückschläge ihrer 16-jährigen Weltcup-Karriere ebenso an wie die aktuellen Knieprobleme, die sie womöglich früher als gewollt zum Abtritt zwingen könnten.

Noch ist es aber nicht so weit. Ob sie schon alles erreicht habe? "Die Frage hat sich bis jetzt nicht gestellt. Ich hatte in 16 Jahren viele schöne Momente aber auch Niederlagen, bin aus allen gestärkt herausgegangen", erwiderte sie. Auch den Umgang mit Sozialen Medien hat sie mittlerweile kanalisiert, ist selbst nur noch auf Instagram aktiv.

Und natürlich habe sie einen Lebensplan, der auch eine Familie vorsehe. "Deshalb ist es ja die letzte WM. Es gibt ein maximales Ziel. Die Frage ist, ob es bis zu diesem Ziel funktioniert oder nicht. Beschlossen ist aber noch gar nichts", betonte sie. "Der Wille ist da, die Entscheidung wird in ein paar Wochen gefällt.

Bis dahin stehen noch einige WM-Rennen und danach vor allem die beiden Weltcup-Kombis in Crans Montana auf dem Plan. Wenn es gesundheitlich geht, will sie auch die anschließende Übersee-Tour mit dem Finale in Aspen bestreiten.

Fix ist hingegen, dass in den nächsten Wochen der Hausbau in Filzmoos beginnt. Geplanter Einzugstermin ist Herbst, 210 Quadratmeter werden zu bewohnen sein. "Da gehen sich einige Kinderzimmer aus", meinte die Rennläuferin schmunzelnd.

Irgendwann sei aber sicher aus sportlicher Sicht der Schlussstrich zu ziehen. "Wenn es mir nicht mehr wert wäre, würde ich aber nicht da sein und fahren." Eines sei aber klar: "Alles was jetzt kommt, ist Draufgabe."