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14.02.2017

Belgier "VDB" dank Tunnelblick zum Sieg über Hirscher

Mit "VDB" hatte Dries van den Broecke schon einen Spitznamen, bevor er sich einen Namen machte. Der 21-Jährige Belgier besiegte am Dienstag bei der Alpinski-WM in St. Moritz im Teambewerb Österreichs Superstar Marcel Hirscher und postete wenig später auf seiner Facebook-Seite. "Hello World."

Ob er deswegen jetzt ein Held sei, wisse er nicht, meinte Van den Broecke, der einer der gefragtesten Interviewpartner des Tages war. "Ich bin wirklich schnell gefahren und habe endlich gezeigt, was ich kann. Nun muss ich weiterarbeiten, weil ich es kann. Ich muss aufhören, an mir zu zweifeln, ich muss Schritt für Schritt besser und schneller werden. Und dann schlage ich Marcel jedes einzelne Mal", sagte der hochgewachsene Bursche lachend.

Zu seiner Chance war er gekommen, weil nach Absagen Belgien unter die Top 16 der startberechtigten Nationen rutschte. Am Start sei er einfach nur auf seine Sache fokussiert gewesen. "Dass ich schnell fahre. Auf die Dinge, die ich tun muss. Ich hatte einen Tunnelblick. Im Ziel habe ich mir gesagt: ich habe meinen Job erledigt", sagte der Athlet aus dem "Skiteam Brüssel". Das musste auch Hirscher anerkennen. "Der Belgier ist einfach saugut Ski gefahren."

Ebendieser Belgier übersiedelte als Zwölfjähriger ins Skigymnasium Stams nach Österreich. Seine älteren Brüder Robin und Nils hätten für ihn den Weg frei gemacht, erzählte er. "Ich bin einfach gefolgt. Sie hatten ein bisschen Pech, weil es damals noch keine richtigen Strukturen im Verband gab, sie haben mittlerweile mit Skifahren aufgehört und studieren jetzt. Wenn man hart arbeitet und es eine Struktur gibt, ist nichts unmöglich. Ich bin sehr dankbar."

Gleich verwies er auf seinen Kollegen Armand Marchant, der beim Weltcup-Slalom in Val d'Isere als 18. gepunktet hatte. "Das Team funktioniert, wir haben Resultate, wir werden schneller und schneller und schneller", sagte Van den Broecke, der in St. Moritz auch auf ein Antreten im Riesentorlauf und Slalom hofft. "Aber zuerst muss ich die Qualifikation schaffen. Die FIS-Punkte reichen nicht, ich scheide viel zu oft aus. Die Stabilität ist noch nicht da, das Selbstvertrauen fehlt auch ein bisschen."

Im Parallel-Bewerb einen direkten Gegner gehabt zu haben, habe ihn beflügelt. "1:1 gibt Motivation, das macht dich frei, das fehlt mir noch ab und zu, wenn ich alleine runterfahre."

Einen Wohnsitz hat der junge Belgier auch im Pitztal, das "Race Center Benni Raich" kennt er ebenso, wie sich auf Belgisch, Französisch, Englisch und Deutsch verständigen zu können. Kleine Erfolge hat er auch bereits in seinem Palmares zu bieten, bei den Olympischen Jugend-Winterspielen 2012 in Innsbruck holte er die Silbermedaille im Slalom.

Im Weltcup trat er zweimal im Riesentorlauf und dreimal im Slalom an, schaffte es aber noch nicht in den zweiten Durchgang. Dries van den Broecke bezeichnet sich selbst als Allrounder, will in Zukunft auch in den Speed-Disziplinen stärker werden.

Sollte er zu einem weiteren Rennen in St. Moritz kommen, wird sein Vater unter den Zuschauern sein. Den Eltern verdankt er die Leidenschaft zum Wintersport. "Wir haben immer Urlaub in den Bergen Österreichs gemacht."