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Schule
09/09/2016

AHS, HTL oder doch Lehre?

Schulwahl.Bereits in der Unterstufe sollten sich Schüler und Eltern überlegen, wo ein Kind Talente hat.

Es gibt wohl kein Land auf der Welt, das ein so differenziertes Schulsystem hat wie Österreich. Besonders in der Oberstufe scheint das Angebot unendlich: Neben dem Gymnasium gibt es berufsbildende höhere Schulen wie die HTL, die HAK, Tourismusschulen oder die BAKIP, in der Kindergärtner ausgebildet werden. Der Vorteil dieser Schulen: Hier hat man am Ende sowohl das Maturazeugnis in der Tasche als auch eine Berufsausbildung. Daneben gibt es Angebote, die zu speziellen und mittlerweile eher seltenen Berufen ausbilden – so die Ofenbauschule im burgenländischen Stoob oder die Uhrmacherschule im nö. Karlstein. Das sind meist drei- oder vierjährige Ausbildungen, die nicht zur Matura führen. Da es hier österreichweit nur einen oder zwei Fachschulen gibt, sind meist Internate angeschlossen.

Auch die duale Berufsausbildung, also Lehre, ist nach wie vor attraktiv: eine Ausbildungsform, die es vor allem in den deutschsprachigen Ländern gibt und lange Zeit zu Unrecht einen weniger guten Ruf hatte, weil sie eben nicht mit der Reifeprüfung abschließt.

Die Entscheidung, wie es nach der NMS (Neuen Mittelschule) oder nach der Unterstufe des Gymnasiums weitergeht, ist für viele Jugendliche und auch ihre Eltern eine der wichtigsten in der gesamten Schullaufbahn. Gerhard Patzner, Pädagoge und selbstständiger Berater (schule-gesucht.at), begleitet Familien in solchen Entscheidungsprozessen und rät: "Eine berufsbildende höhere Schule empfehle ich nur dann, wenn das Kind sich mit dem Schwerpunkt identifizieren kann und so auch eine inhaltliche Motivation hat. Diese Schulen sind nicht leichter als andere Schultypen. Man hat sogar mehr Unterrichtsstunden pro Woche, und die Oberstufe dauert fünf somit nur vier Jahre. Auch das sollte man bedenken."

Berufsorientierung

Neben den berufsbildenden Schulen bieten auch die Gymnasien mittlerweile unterschiedliche Schwerpunkte an. "Die Frage, die sich Eltern und Schüler dabei immer stellen sollen, lautet: Wo findet sich der Jugendliche am besten wieder?" Besonders Schüler, die aus der AHS-Unterstufe kommen, wissen oft nicht, wo ihre Stärken liegen und entscheiden sich dann meist für ein Gymnasium oder Oberstufengymnasium (BORG).

"In den NMS gibt es in viel mehr Berufsorientierung, wo Kinder entdecken, was zu ihnen passen könnte, indem sie zum Beispiel auch in einem Lehrbetrieb schnuppern. Sie merken schnell, wenn ein Beruf zu ihnen passt", sagt Patzner.

Manche entscheiden sich für eine HTL oder HAK , weil sie das "Poly" vermeiden wollen. Der Pädagoge hat eine bessere Alternative parat: "Für Schüler mit Defiziten bieten viele BORG und BHS Übergangsklassen an, wo man Stoff in den Fächern Deutsch, Mathe und Englisch aufholen kann. "