So machen Sie Ihr Kind fit fürs neue Schuljahr

© Jeff Mangione, KURIER-Montage: Christine Karner

Diakonie
08/25/2014

Schulstart belastet das Familienbudget

Weil der Schulbeginn teuer ist, fordern Sozialexperten eine Reform der Schülerhilfe.

Schulgeld wurde in Österreich zwar schon lange abgeschafft. Teuer ist die Schule für Eltern aber dennoch: Schultaschen, Federpennal und Turnschule können ganz schön ins Geld gehen. Für viele Familien kaum leistbar, wie Martin Schenk, Sozialexperte bei der Diakonie weiß: „Ein guter Start am Schulanfang wird sich für viele Kinder heuer nicht ausgehen“, warnt er. 127.000 Kinder und Jugendliche gelten als manifest arm. Je früher, je schutzloser und je länger Kinder der Armutssituation ausgesetzt sind, desto stärker die Auswirkungen, weist Schenk auf schlechte Startbedingungen für viele Kinder am Schulanfang hin.

„Zunehmend klagen Eltern über die oft nicht mehr leistbaren Beiträge, die ihnen zu Schulbeginn abverlangt werden. Ein einfaches Startpaket für einen Schulanfänger bestehend aus Schultasche, Sportbeutel, Heften, verschiedenen Stiften, Handarbeitskoffer, Malfarben kostet 100 bis 300 Euro“, beschreibt Claudia Röthy, Geschäftsführerin der Stadtdiakonie Wien, die schwierige Situation. Dazu kommen noch je nach Schulstufe und Schultyp Beiträge wie Kopierkosten, Milchgeld, Abos für Jugendliteratur, Projekt- und Wandertage, Elternvereinsbeiträge und vieles mehr. "Besonders teuer wird es meist in der Oberstufe. Wenn Schüler in eine berufsbildende Schule wechseln, brauchen Sie meist einen Laptop, teure Werkzeuge oder besonderes Material."

Mehr Ressourcen für benachteiligte Schulstandorte

„Damit Zukunft nicht von der Herkunft abhängt, braucht es Hilfestellungen am Schulstart genauso wie einen Bildungsweg, der nicht sozial selektiert, sondern individuell fördert,“ betont Sozialexperte Schenk. „Wichtig wäre auch, Schulen in sozial benachteiligten Bezirken besonders gut auszustatten, damit sie keine Schüler zurücklassen und für alle Einkommensschichten attraktiv bleiben“, schlägt Schenk ein Modell „kompensatorischer Ressourcenzuteilung“ vor. Mit dieser schulpolitischen Intervention kann zwar die Spaltung in "gute" und "schlechte" Wohngegenden nicht aufgehoben werden - die liegt ja in der Einkommens- und Wohnpolitik - aber es kann in den Schulen einiges verbessert werden. Die Niederlande, Zürich, Hamburg und auch Kanada haben mit einer kompensatorischen Mittelzuteilung gute Erfahrungen gemacht.“ Mit einem solchen Sozialindex, der unter anderem Bildungsstand, Beruf und Einkommen der Eltern umfasst, würde eine Schule um einen bestimmten Prozentsatz x mehr an Ressourcen bekommen. Mehr Geld bedeutet aber nicht unbedingt, dass sie qualitativ besser werden, gibt Schenk zu bedenken. „Deswegen muss jeder Standort ein Konzept entwickeln, wie er die Ressourcen am sinnvollsten einsetzt. Und nach einer Zeit wird überprüft ob die Maßnahmen helfen. Die Vorteile sind: Schulische Autonomie und Demokratie wird gefördert und Anreize für engagierte Pädagogen gesetzt. Das zahlt sich aus: Bessere Leistungen, mehr Chancen und attraktivere Schulen.“

Reform des Schulstartgelds

„Dringend reformbedürftig sind die Geldleistungen, die Schüler aus einkommensschwachen Elternhäusern unterstützen sollen," so die Diakonie. "Da ist einmal das Schulstartgeld. Das ist in jedem Bundesland anders geregelt, in drei Bundesländern gibt es gar keines: nicht in der Steiermark, in Niederösterreich und nicht in Vorarlberg. Der Betrag liegt zwischen 29 und 158 Euro, es gibt unterschiedlichste Anspruchsvoraussetzungen (Einkommen, Schulstufe, Status), unterschiedlichste Antragstellen und unterschiedlichste Antragsfristen. Für all den Wirrwarr gibt es keine sachlichen Gründe. Was fehlt, ist ein einheitliches Schulstartgeld für armutsbetroffene Kinder bundesweit, klare Antragstellungen und klare Anspruchsvoraussetzungen.

Auch die Schülerbeihilfe ist dringend reformbedürftig. Die Auszahlung sollte auch die 9.Schulstufe erfassen, gerade hier gibt es hohe Kosten im Ausbildungsjahr – und die Ausbildungsentscheidung steht an. Die Inanspruchnahme ist ein weiteres Problem.

Ähnliche Probleme gibt es bei den Finanzierungshilfen für Schulveranstaltungen: Kein Rechtsanspruch, in der Regel überaus niedrige Einkommensgrenzen, Hohe Non-take-up Rate (Nichtinanspruchnahme), Sicherstellung der Information an potentiell anspruchsberechtigte Eltern.

Die Forderungen der Diakonie daher: Der Zugang zu den Geldleistungen müsse verbessert werden, Zudem brauche es bundeseinheitliche Regelungen und mehr Geld für die Schulstarthilfe.

Zur Akuthilfe für Kinder, deren Eltern sich den Schulstart nicht leisten können, hat die Stadtdiakonie Wien ein Spendenkonto eingerichtet. „ Alle Schülerinnen und Schüler sollen gleiche Chancen und Möglichkeiten haben“, so Claudia Röthy abschließend.

Spendenkonto: Stadtdiakonie Wien. Kt.Nr: 207477417, Raiffeisen BLZ 32 000

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