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Schule
09/10/2019

So überstehen Sie Elternabende

Bei Elternabenden fühlen sich Erwachsene in ihre Schulzeit zurückversetzt. Wie funktioniert die Kommunikation mit Lehrern?

von Daniela Davidovits

Manche Eltern brauchen klare Ansagen, dachte sich ein Schuldirektor in den USA und hängte diese Tafel ans Schultor: "Wenn Sie gerade Ihrem Sohn vergessene Schuhe, Jausenboxen, Bücher, Hausübungen herbringen: Drehen Sie sich um und verlassen Sie das Gebäude. In Ihrer Abwesenheit wird er lernen, Probleme selbst zu lösen."

Die Eigenheiten von Eltern kennt die deutsche Vierfach-Mutter und Lehrerin Angela Römelt aus zwanzig Jahren Elternabend-Erfahrung. In ihrem Buch "How to survive Elternabend" bringt sie die Eigenarten der Lehrer-Eltern-Treffen auf den Punkt und liefert Tipps. Sie und ihr Mann haben etwa ein Elternabend-Buch: Darin schreiben sie die gesammelten Informationen aller Lehrer auf – mit den witzigen Kommentaren des anwesenden Elternteils.

Römelt unterscheidet die Elternabende je nach Alter des Kindes. Im Kindergarten drehen sich die Gespräche dauernd um Ernährung, teilt sie die Erfahrung vieler Eltern: "Es geht nicht darum, was die Kinder essen. Es geht darum, Einflussbereiche abzustecken. Um einen Überblick darüber zu bekommen, wer Ihrem Kind jetzt etwas vormacht, müssen Sie drei Stunden über das Frühstück reden." Der Verlust an Einfluss über das Kind werde den Müttern noch zu schaffen machen, betont sie.

Erstklässler-Eltern tun sich oft schwer damit, ihre Kinder beim Schultor zu verabschieden und auf den täglichen Kontakt mit den Betreuern und die Teilnahme am Alltag zu verzichten. Der Elternabend zu Schulbeginn ist daher auch ein wichtiger Faktor, um die anderen Eltern kennen zu lernen. Römelts Tipp: Kontaktdaten austauschen oder abstimmen, dass sie verteilt werden dürfen. Die Schule darf sonst aus Datenschutzgründen keine Namenslisten hergeben, was Eltern den Kontakt erschwert. Die Versammlung gibt den Eltern auch die Möglichkeit, für Zusatzangebote wie Theater-Programme (Gruppen-)Druck zu machen.

Beim Elternabend müssen auch Entscheidungen getroffen werden, so muss etwa eine Benotung in Worten statt in Zahlen von einer Mehrheit der Eltern befürwortet werden. Auch für Sonderausgaben wie gesunde Jause oder Klassen-Magazine brauchen Lehrer die Zustimmung der Eltern. Außerdem werden Elternvertreter gewählt. Sie sind das Sprachrohr, wenn es in der Klasse kriselt.

Im Gespräch bleiben

Je älter das Kind wird, desto seltener werden die Elternabende, meint Römelt: "Irgendwann werden Sie nur noch über die Zettel-die-unterschrieben-und-wieder-abgegeben-werden-müssen mit der Schule im Kontakt sein." Die wenige direkte Information gibt es beim Elternsprechtag, bei dem man sich im Fünf-Minuten-Rhythmus bei der Lehrerin abwechselt. Da soll es nicht um Bio-Obst gehen, sondern vor allem um die Frage: "Wie kann ich mein Kind gut unterstützen? Was brauchen Sie von mir?"

Das ist ausreichend, solange zu Hause und in der Schule alles gut läuft. Sobald es jedoch Probleme gibt, ist ein ausführliches Gespräch in der Sprechstunde des Lehrers nötig. Man sollte dafür nicht bis zur Vorladung warten. Engagierte Pädagogen betonen, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule ist. Oft ist es sinnvoll, den Lehrer aktiv über eine private Veränderung, etwa eine Trennung, zu informieren. Er merkt sonst vielleicht den Leistungsabfall und weiß nicht, dass Rücksicht nötig wäre.

Eltern-Lehrer-Schüler

Daher setzen immer mehr Schulen auf einen neuen Kommunikationsstil. Vor allem Volksschulen lösen die klassischen Sprechtage auf und laden Eltern jedes Semester zum Entwicklungsgespräch ein. Manchmal werden sogar die Schüler miteinbezogen. Für das "Eltern-Lehrer-Schüler-Gespräch" gibt es inzwischen Vorbilder und Leitfäden. Vor allem Jugendliche sollen im Gespräch mit dem Lehrer Feedback erhalten. Da reden alle gemeinsam über die starken und schwachen Fächer und vereinbaren wie bei einem Mitarbeitergespräch Ziele für das ganze Jahr.

Spätestens wenn ein Fünfer droht, müssen die Lehrer sich ohnehin mit den Eltern zur "Frühwarnung" zusammensetzen: Damit alle gemeinsam Krisenfeuerwehr spielen.