Romy 04.03.2018

Ulrike Folkerts: "Bei mir herrscht Aufbruchsstimmung"

Ulrike Folkerts ist seit beinahe 30 Jahren beim "Tatort" im Einsatz. © Bild: KURIER/Jeff Mangione

Die erstmals ROMY-nominierte Ulrike Folkerts ermittelt am "Tatort" (Heute, Sonntag, ORF2/20.15).

"Babbeldasch" spaltete 2017 die Fernsehzuseher in (mindestens) zwei Lager. Die einen fanden den Fall aus Ludwigshafen, in dem Pfälzisch gesprochen und hemdsärmelig improvisiert wurde, eine gelungene Abwechslung im "Tatort"-Einerlei, andere sprachen von einem Tiefpunkt in der Geschichte der renommierten TV-Krimireihe. Ganz so schlimm sieht es Ulrike Folkerts, die seit 1989 als Hauptkommissarin Lena Odenthal im Dienst ist, natürlich nicht. Dennoch äußert sie Kritik:

"Das Problem bei diesem experimentellen Fall war, dass man vonseiten des Senders, dem Südwestrundfunk, das nicht dementsprechend kommuniziert hat. Die , Tatort‘-Zuseher hätte man auf so eine spezielle Geschichte besser vorbereiten müssen", sagte die 1961 in Kassel geborene Schauspielerin abseits der Pressekonferenz zur ROMY 2018, für die sie zum ersten Mal in ihrer Karriere nominiert ist.

Heute, Sonntag, steht der zweite Improvisations-Tatort von Regisseur Axel Ranisch am Programm. Aber keine Angst, in "Waldlust" spielen keine Laiendarsteller mit und auch der Dialekt spielt kaum noch eine Rolle – abgesehen von Frau Keller (Annalena Schmidt), die "gute Seele" des Ermittlerteams aus Ludwigshafen, die herrlich "pfälzelt".

Neu positionieren

"Waldlust" ist aber nicht nur der zweite Improvisations-Krimi aus Ludwigshafen, sondern auch der erste Fall nach dem Abgang von Andreas Hoppe alias Mario Kopper, der nach 56 Fällen an der Seite von Lena Odenthal gehen musste. "Der Abschied von Andreas Hoppe ist für uns alle ein großer Einschnitt, eine große Veränderung, die aber nicht von heute auf morgen passiert ist. Denn der Abgang hat sich im Laufe der vergangenen Jahre abgezeichnet", sagt Ulrike Folkerts. Gegangen ist er aber nicht freiwillig. Die Entscheidung war eine, die Sendungsverantwortliche getroffen haben. "Andreas hätte gerne weitergemacht."

Romy 2018 Pressekonferenz
Ulrike Folkerts 26.02.2018, Wien, Grand Hotel, Romy 2018 Pressekonferenz © Bild: KURIER/Rainer Eckharter

Nach beinahe 30 Jahren am "Tatort" hat Ulrike Folkerts die Lust an der Figur Lena Odenthal noch nicht verloren. Klar habe es Phasen gegeben, in denen sie das Gefühl hatte, dass die Sache beliebig wird. Fast so, als würde den Drehbuchautoren nichts mehr einfallen.

Das soll sich nun ändern. Denn "ich konnte wieder einen Redakteur ins Team holen, der bereits die ersten zehn "Tatort"-Jahre mit uns zusammengearbeitet hat. Uli Hermann ist total motiviert und bringt wieder neuen Schwung rein. Daher herrscht bei mir gerade so etwas wie Aufbruchsstimmung", sagt Folkerts, die sich mit dem Ludwigshafener Team neu positionieren möchte. "Es wird eine Rückkehr zur alten Lena Odenthal geben, die ruppiger war, mit Vorgesetzten Konflikte offen austrägt, Stärke zeigt, Mist baut, Fehler macht und auch wieder körperlicher an die Sache geht.

Noch etwas sei ihr wichtig: Der Kontrast zwischen Lena Odenthal und Johanna Stern (Lisa Bitter) muss verstärkt werden. "Wir sollten nicht ähnlich ticken. Denn hier prallen zwei unterschiedliche Generationen aufeinander. Man sollte auch immer wieder neue Flächen schaffen, an den man sich reiben kann", sagt Folkerts.

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter)
Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna (Lisa Bitter). © Bild: ORF/Martin Furch

„Waldlust“ - ein „Tatort“, der viel riskiert Nach 22 Jahren an der Seite von Mario Kopper alias Andreas Hoppe geht Ulrike Folkerts als Lena Odenthal im neuesten „Tatort“ mit dem Titel „Waldlust“ (Heute, Sonntag, 20.15/ORF2) wieder ihren eigenen Weg. Mit ihrem Team fährt sie auf ein Motivationsseminar. Untergebracht sind sie im „Lorenzhof“, der seine besten Zeiten längst hinter sich hat. Neben Patina an den Wänden werden Odenthal und Co. mit mysteriöseren Momenten konfrontiert. Der von Axel Ranisch mit Improvisations-Elementen umgesetzte Fall setzt auf Horror und eine symphonieartige Filmmusik von Martina Eisenreich.

( kurier.at ) Erstellt am 04.03.2018