Romy
25.04.2014

Text-Reich für die ROMY-Moderationskönigin

Sie liefern Barbara Schöneberger den Text: Die Drehbuchautoren der ROMY-Gala über Humor, Kleider und Pannen.

Gerald Fleischhacker, Rudi Roubinek, Klaus Oppitz und Mike Bernard bilden das Autoren-Kollektiv "Die Tafelrunde" – sie schreiben den Text der ROMY-Gala (21.15 Uhr, ORF 2) ebenso wie die Moderationen für "Wir sind Kaiser".
KURIER:Was sind die Schwierigkeiten, was die lohnenden Aspekte, wenn man das Buch zu einer Preisgala schreibt?

Gerald Fleischhacker: Schwierig ist, dass so viele Dinge sich dauernd ändern. Einer kriegt Husten und kann nicht kommen ... Wenn am Ende niemand total beleidigt ist, war’s gut.

Klaus Oppitz:
Für mich ist jede Live-Sendung eine Abfolge von Adrenalin-Kicks. Das hat geklappt, okay ... was kommt als Nächstes? Wird das Publikum über den Gag lachen?

Mike Bernard:
Gelungen ist die Arbeit, wenn wir unsere Wertschätzung den Preisträgern gegenüber vermitteln können, (fast) niemanden langweilen und wieder als ernst zu nehmende Kasperln engagiert werden.

Wie lustig darf der Text sein, wie ernsthaft muss er sein?

Oppitz: Ernst ist so ein ernstes Wort. Der Text muss lustig sein, muss aber auch den Inhalt transportieren. Ein Blick auf YouTube beweist: Die Eröffnungs-Monologe oder -Zuspielungen sind die beliebtesten Ausschnitte der Oscars, Globes oder Tony-Awards.

Fleischhacker: Lustig genug, um noch immer ernst genommen zu werden. Ich find’, dass bei einer derartigen Gala aber auch jeder sein Fett abbekommen soll und keiner großartig beleidigt sein darf. Ich erinnere nur an Ricky Gervais, der bei den Golden Globes wirklich böse war und alle haben gelächelt.

Rudi Roubinek: Sagen wir so, das Verhältnis "Zufriedener Auftraggeber – zufriedene Autoren" sollte leicht in unsere Richtung zeigen.

Bernard: Da gibt’s interessanterweise zwei Redewendungen zum Thema ... unterschiedlicher Vor-, selber Ausgang: Sich zu Tode Lachen ist uns wesentlich sympathischer als sich zu Tode langweilen.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Barbara Schöneberger?

Fleischhacker: Wenn die Gala ein Erfolg war, super, wenn nicht: total schwierig.

Oppitz: Wir haben ja bereits eine ROMY-Gala mit ihr absolviert und vor Kurzem eine Zuspielung mit ihr gedreht. Die Frau macht jeden Blödsinn mit, kommt vollständig ohne Allüren aus, und insgeheim haben wir alle bereits einen Barbara-Schöneberger-Fanclub gegründet. Sie ist ein Star, begreift sich als Teil der Show und möchte, dass alles funktioniert. Das halte ich für eine besondere Qualität.

Ändert sie die Texte?

Fleischhacker: Sie macht sie sich mundgerecht, bringt noch selber Sachen ein. Super!

Bernard: Eine Live-Sendung ist kein Gedichtaufsagen. Wir versuchen, einer Moderationskönigin ein Text-Reich zu geben, und je souveräner sie sich darin bewegt, desto majestätischer wird die Performance.

Dass ihr selber Moderationserfahrung habt – hilft das beim Schreiben?

Fleischhacker: Mir ja. Ich denk’ mir immer, wie würd’ ich da oben stehen und es sagen? Würd’ mir ihr Kleid passen, könnt’ ich mit so hohen Schuhen gehen?

Oppitz: Alleine aufgrund dieser Vorstellung bin ich froh, dass es Schöneberger macht.

Roubinek: Für mich war das Schreiben für wen anderen manchmal ein Problem – und DER Antrieb, selbst auf die Bühne zu wechseln. Mit dem Ergebnis, dass ich dann mit mir selber auch nicht immer zufrieden war.

Was ist das Verrückteste, das ihr in der Vorbereitung für eine Gala schon erlebt habt?

Fleischhacker: Ich wurde einmal als Moderator einer Reisegala gebucht. Als ich dann dort war, wollten die keinen Moderator, sondern einen Alleinunterhalter mit Ziehharmonika.

Oppitz: Eine englische Dankesrede, die ich mir für einen amerikanischen Star entsteißt habe. Pointiert, geschliffen, ich war echt stolz drauf ... bis mir Mike verraten hat, dass die Dame zweisprachig ist und die Laudatio auf Deutsch halten möchte. Ich habe dann meine eigene Rede übersetzt.

Moderiert Gerald Fleischhacker immer noch die Gala des Kleingartenvereins Wien?

Fleischhacker: Heuer leider nicht. Schade eigentlich, weil das war so der Oscar der Kleingärtner.

Was sind die nächsten Projekte der Tafelrunde?

Fleischhacker: Die "Mutter Erde Gala" im Juni.

Roubinek: "Wir sind Kaiser"-Aufzeichnung ist am 16. Mai, Ausstrahlung am 23. Mai. Und "Auswandertag" – der Roman von Klaus Oppitz. Liegt ab Herbst in allen Buchhandlungen.

Oppitz (grinst): Eine Satire über Asylanten und rechte Recken ... und ja, so was geht.

Bernard: Ich fänd’s spannend, wenn wir unser Know-how wieder mehr in der sogenannten Wirtschaft einsetzen können.

Was macht die ROMY – immerhin heuer 25 – so besonders?

Roubinek: Sie ist nun mal der große österreichische Fernsehpreis. Ich durfte sie zwei Mal in Empfang nehmen und kann nur sagen, die Mutti war hin und weg!

Oppitz: Sie ist zwischen Wirtschaftskrisengejammer und Sparmaßnahmen ein deutliches, schimmerndes Lebenszeichen der Branche.

Bernard: Ich war zwar nicht bei der ersten, aber schon bei der zweiten ROMY dabei. Damals habe ich Rudi Carrell überredet, nach Wien zu kommen. Denn ich war der ORF-Redakteur von Carrells Show.

Zu den Personen: Die Tafelrunde

Gerald Fleischhacker
Geboren 1971. Moderierte auf Ö3 und für Radio Wien und gehört zum Rateteam von „Was gibt es Neues?“. Derzeit ist er mit seinem zweiten Kabarettprogramm „Feinkost“ unterwegs.

Rudi Roubinek
Kam 1969 zur Welt. Stolperte durch Zufall ins Fernsehen, lernte das Geschäft sowohl als Gestalter und Autor wie als Darsteller. Als „Seyffenstein“ einer der Hauptdarsteller der Comedy-Show „Wir sind Kaiser“. Spielte im Rabenhof erfolgreich Theater und ist zweifacher ROMY-Preisträger. Derzeit mit dem kabarettistischen Diavortrag „Die ganze Geschichte in 90 Minuten“ zu sehen.

Klaus Oppitz
Geboren 1971. War in seinem Leben bereits Werbetexter, Kameramann, Cutter, Regisseur, Produzent und Gag-Autor. Zu seinen Werken zählen neben Büchern für große Fernsehshows auch Theaterstücke und Filmdrehbücher. Im Herbst dieses Jahres erscheint sein erster Roman, die Migrationssatire „Auswandertag“.

Mike Bernard
Geboren 1961. Verfügt über 30 Jahre Fernseh-Know-how. Sein Œuvre reicht von der Kultur-Doku bis zu Kinder- und Jugendsendungen. Er war an Showproduktionen mit Millionenpublikum beteiligt, unter anderem mit Show-Titan Rudi Carrell vor der Kamera.

Die Nominierten

So läuft die 25. KURIER ROMY

Als eifernde Nazis, ironische Juroren, eigenbrötlerische Kommissare oder Informationsquellen ersten Ranges sind sie ihrem Publikum ans Herz gewachsen. Heute Abend aber, bei der großen KURIER-Jubiläums-ROMY (21.15, ORF 2), warten diese Stars des heimischen und deutschen Fernsehens und Kinos als Nominierte auf die Entscheidung ihres Publikums. Für die sieben namhaftest besetzten Kategorien wurden fast 100.000 Stimmen aus dem In- und Ausland abgegeben.

Die Namen der Siegerinnen und Sieger dieser 25. ROMY werden noch von einem Notar unter Verschluss gehalten, die Kuverts erst bei der Sendung geöffnet. Doch allein die Nominierung, von einer vielköpfigen Jury aus Fachjournalisten vorgenommen, ist bereits eine Auszeichnung für sich. Ein Gewinner des festlichen Abends in der Wiener Hofburg steht bereits fest: Die Platin-Romy geht an Showmaster und Moderator Thomas Gottschalk. Ausgezeichnet werden an dem Abend zudem die Akademie-Preisträger in den Kategorien Bester TV-Film, Bester Kinofilm sowie die Kino-Kategorien Produzent, Regie und Kamera. Weiters werden ein Jury-Preis und die Jubiläums-ROMY für den "Tatort" vergeben. ORF 2 überträgt ab 21.15 Uhr.Live und zum Nachsehen gibt es die 25. ROMY-Gala heuer auch in der ORFtvthek Auch ein Nachsehen einzelner Kategorien wird möglich sein.

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