Simon Schwarz: „In Österreich bin ich sehr festgelegt“

Die Eifelpraxis - Eine Dosis Leben
Foto: ORF/Degeto/Hardy Spitz Simon Schwarz wünscht größere Bandbreite bei Rollen-Angeboten

ROMY-Nominee Simon Schwarz (46) über Rollen und Typen, seinen „Nebenjob“ als Produzent und die „Eifelpraxis“ (20.15, ORF2).

Schauspieler Simon Schwarz ist in Film und Fernsehen sehr präsent. Wie er seine Rollen auswählt oder die ihn finden, wie er zu Rudi Birkenberger steht und wie esum sein Produzenten-Debüt, „Zerschlag mein Herz“, steht, erzählt er im KURIER-Interview.

Sie hatten im Vorjahr eine große Bandbreite bei Ihren Rollen, die Ihnen eine ROMY-Nominierung eingebracht hat. Das reicht von „Schweinskopf al dente“ nach Rita Falk bis hin zu „Der Traum von Olympia“ über den Kommandanten des Olympischen Dorfes in Berlin 1936.

Mir ist diese Bandbreite ganz wichtig, auch wenn sie nicht einfach zustande zu bringen ist. Ich finde nichts schlimmer, als die immer gleichen Rollen und immer gleichen Typen spielen zu müssen, was ich oft muss. Speziell in Österreich bin ich sehr festgelegt auf die kleine, nette Nebenfigur, dem Freund vom Hauptdarsteller, die ganz lustig ist, im besten Fall skurril. Woran das liegt, kann ich nicht beurteilen. Würde ich nur in Österreich spielen, hätte ich diesen Beruf bereits aufgegeben. Das auch aus finanziellen Gründen. Von den zehn Tagen im Jahr, die ich hier drehe, könnte ich nicht leben. Ich versuche trotzdem, auch wenn es nicht zuletzt finanziell schmerzt, manches abzulehnen.

In Deutschland ist das offenbar etwas anders.

Dort ist der Markt ist viel größer. Dadurch gibt es auch ein Mehr an Vielfalt und ich bin nicht so fixiert auf einen Typ. Das mag auch daran liegen, dass ich nicht so bekannt bin. Dadurch kommt es dann zu Produktionen wie „Der Traum von Olympia“ oder, jüngst in Südafrika gedreht, „Der Weg zum Kilimandscharo“. Darin spiele ich einen alternden Lehrer, der die Beziehung zu seiner Tochter zu kitten versucht. Ich denke nicht, dass man mich in Österreich so besetzen würde – leider.

Auch in der „Eifelpraxis“, die nach der ARD am Mittwoch im ORF startet, handelt es sich um keine typische Schwarz-Rolle.

Im ersten Moment geht man von einer „Bergdoktor“-Variation aus. Das ist es nicht. Die Figuren sind nicht so geradlinig, wie man erwarten würde. Es ist natürlich Unterhaltung. Aber es ist keine Serie, sondern eine Reihe mit 90-Minuten-Filmen. Da versucht die ARD, einen anderen Weg zu gehen. Es ist gewollt, dass Leid oder Zorn thematisiert werden.

Die Eifelpraxis - Eine Dosis Leben Foto: ORF/Degeto/Hardy Spitz Sie spielen Chris Wegner, ein im Rollstuhl sitzender Arzt, der auch austeilen kann.

Es wird nichts beschönigt, sondern es werden die Figuren möglichst ehrlich dargestellt. Wegner hatte einmal ein ganz anderes Leben. Er ist immer noch Arzt aus Leidenschaft, aber lieber wäre er ein Arzt, der nicht im Rollstuhl sitzt. Er hat überhaupt keine Lust darauf, in der Eifel zu leben, er wechselt in jeder Folge seine Frauen, ist also beziehungsunfähig. Aber er weiß auch, dass das Leben kein Wunschkonzert ist und so agiert er – auch Patienten gegenüber. Dieser Mensch trägt viele spannende Konflikte in sich aus. Die Hauptfigur ist Versorgungsassistentin Vera Mundt, die Rebecca Immanuel spielt. Sie ist eine überkorrekte Gute und macht aus dem heraus Dinge, die sie besser lassen würde. Auch sie ist also keine geradlinige Figur, wie man sie sonst in Arzt-Serien hat, und das macht es spannend.

Eine typische Simon-Schwarz-Figur ist dann im Sommer wieder dran. Detektiv Birkenberger ist ab August wieder im Kino im Einsatz.

Im Sommer kommt die „Griesnockerl-Affäre“. Birkenberger hat etwas Lustige und Bescheuertes gleichermaßen an sich, aber er hat den Instinkt, das Richtige zu tun. Deshalb trägt auch sehr dazu bei, dass die Fälle wirklich gelöst werden. Mir ist diese Rolle sehr ans Herz gewachsen. Wir machen das ja jedes Jahr und für uns Schauspieler hat das was von Sommerfestspielen. Im Herbst werden wir den fünften Film drehen.

Worauf sich die Leute wirklich freuen.

Es gibt kaum etwas im bayerischen Raum, das dort in den Kinos einen solchen Erfolg hatte, wie diese Reihe der Rita-Falk-Filme und auch in Österreich laufen die gut. Das merkt man bei der Kino-Tour, im Rahmen der wir bis zu vier Premieren an einem Tag mit den Zusehern begehen. Da sind in Bayern schon um 30.000 Kino-Besucher dabei. Rita Falk ist dort Kult. Wenn man Teil von so etwas ist, das so vielen Menschen Freude bereitet, ist das etwas Besonderes. Klar ist es vom Anspruch her etwas anderes, als wenn ich einen Film produziere oder einen SS-Mann spiele, aber das muss beides nebeneinander möglich sein - ich mag den Rudi Birkenberger.

Sie haben im Vorjahr Ihren ersten Film, das Roma-Drama Zerschlag mein Herz, in Wien und in der Slowakei produziert. Wie steht es darum?

Wir sind fast fertig damit und mir geht es ähnlich. Es hat natürlich alles länger gedauert, als ich gedacht habe. Aber jetzt hoffen wird, dass wir noch bei Festivals eine Chance haben. Das wird nicht ganz einfach, da wir eine andere Art der Finanzierung gewählt haben, die uns von den sonst in solchen Fällen üblichen Wegen ausschließt. Aber das wussten wir zuvor schon.

honorarfrei… Foto: /) Georg Weiss/Alternative Productions Wie sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

„Zerschlag mein Herz“ ist sehr speziell geworden, wirklich gelungen und spannend und hat auf alle Fälle die Qualität, um auf Festivals bestehen zu können. Er ist ein für eine österreichische Produktion völlig untypischer Film. Er hat eine völlig andere Visualisierung, ist bunt, er hat durch das Roma-Milieu bedingt, in dem er handelt, eine andere Sprache und die Darsteller sind wirklich toll.

Ist die Produktion so gelaufen, wie sie es erwartet haben?

An so einem Projekt lernt man zum Beispiel, dass es allein schwieriger ist, als wenn man Teil eines großen Gefüges ist. Ich habe sicher auch viele Fehler gemacht. Aber ich will mich gar nicht beschweren. Jetzt liegt die Priorität darin, den Film fertigzustellen. Finanziell ist alles geklärt und die Lust am Produzieren ist mir geblieben. Ich gebe zu, das alles hat in den vergangenen Monaten schon sehr an mir genagt. Aber ich bin stolz auf das Ergebnis. Und wenn man so etwas unter diesen Umständen schafft, dann schafft man alles weitere in diesem Metier vergleichsweise locker.

Es wird also den Produzenten Simon Schwarz weitergeben?

Vom Aufgeben kann keine Rede sein. Aber jetzt muss ich erst einmal meine Schulden abarbeiten und in den nächsten Monaten wieder den Schauspieler geben (lacht).

Danke für das Gespräch.

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(kurier) Erstellt am
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