Raimund Wallisch: Auf der "Höhenstraße" zur ROMY-Gala

Raimund Wallisch
Foto: Kurier/Juerg Christandl Raimund Wallisch: ein Bühnen-Schauspieler bei Film und Fernsehen

Schauspieler Raimund Wallisch im Gespräch über "Nacktschnecken", Theater und die Arbeit mit David Schalko.

Für Raimund Wallisch war Michael Glawoggers "Nacktschnecken" (0.15, ORFeins) der Eintritt in die bis dahin fremde heimische Filmwelt: Mao (Pia Hierzegger), Max (Michael Ostrowski) und Johann (Raimund Wallisch) meistern eher ambitionslos ihr poststudentisches Leben in Graz. Das Angebot, ein selbst gestricktes Sexvideo zu drehen, klingt für die drei Freunde nach Geld, Sex und Spaß. Sie ahnen nicht, worauf sie sich da einlassen ...

2004 war’s und Wallisch noch sehr von den Bühnenjahren davor geprägt. "Im Theater muss man den Raum beherrschen. Das erfordert eine ganz andere Körperlichkeit. Film ist im Vergleich dazu Millimeter-Arbeit. Glawogger hat beim Dreh immer wieder gerufen: ,Weniger, weniger!‘ und ich meinte, dass ich schon gar nichts mehr tue", erzählt Wallisch.

Zum Gewöhnen an die neuen Anforderungen hatte der in Attendorf bei Graz als Binder vulgo Wallisch Aufgewachsene bald jede Möglichkeit. Ab 2004 gehörte er zum Fixcast von "Vier Frauen und ein Todesfall". "Manche Kollegen empfanden das als ein Wegwerfen ans Fernsehen. Aber das war mir egal. Denn Fernsehen kann sehr viel, zum Beispiel Serie. Da hat man als Schauspieler die Möglichkeit, eine Figur über längere Zeit zu entwickeln. Und welchen Hype eine Serie auslösen kann, hat meine Generation schon bei ,Twin Peaks‘ gesehen." Dazu kommen rationale Gründe. "Mit ein paar Drehtagen im Jahr überlebt es sich leichter." Sonst sei auch bei ihm "Kieselsteine-Lutschen" angesagt.

Raimund Wallisch Foto: Kurier/Juerg Christandl Sein Leben vor der Kamera geprägt hat die Arbeit mit Regisseur David Schalko: "Aufschneider", "Braunschlag", der Kinofilm "Wie man leben soll", "Altes Geld" und zuletzt der Wiener Landkrimi "Höhenstraße", der Wallisch die erste ROMY-Nominierung eingebracht hat. "Ich war immer dabei, aber ich weiß nicht warum. Klar ist, dass es eine große gegenseitige Wertschätzung gibt."

Flüchtiger Ruhm

Mit Glawogger habe er sich öfter ausgetauscht, aber außer noch in ,Contact High‘ sei er nicht besetzt worden. "Bei Schalko ist es genau umgekehrt. Von ihm höre und sehe ich lange nichts, bis sein Anruf und die Frage kommt, ob ich mitspiele." "Höhenstraße" wurde jüngst beim Krimifestival in Wiesbaden ausgezeichnet. Dafür gab es 1000 Liter Wein für die Produktion. "Da hat man zwar was davon, aber es ist ein flüchtiger Ruhm. Eine ROMY, die wird vielleicht staubig, aber bleibt."

Wallisch sieht sich an einer Weggabelung. Denn vom Selbstverständnis her war er immer Bühnen-Schauspieler – seit der ersten Krippenspiel-Erfahrung. Ausgebildet an der Accademia Teatro Dimitri im Tessin, ist der 48-Jährige von der Brecht-Schule geprägt. Nach Österreich zurück ist er nur, weil ein Kollege ein Projekt platzen ließ. In Graz traf er Einar Schleef, der für den Steirischen Herbst eine Inszenierung vorbereitete – die nie zustande kam. Stattdessen schwemmte es ihn zu Schleef ans Burgtheater, "bis unter Bachler alle, die kürzer als fünf Jahre dort waren, gehen mussten."

Selbstmachen

1999 gründete Wallisch die freie muunkompanie, war dort Autor, Regisseur Schauspieler, Produzent und stellte bekannte Stoffe als neue Stücke auf die Kleinbühnen des Landes – vom "Kaufmann von Venedig" bis "Casanova".

Raimund Wallisch Foto: Kurier/Juerg Christandl Und dieses Selbstmachen hat Wallisch jetzt wieder. Vielleicht ein neues Theater-Projekt, ein nächster Drehbuch-Versuch, ein eigener Film – die Überlegungen sind noch nicht abgeschlossen. "Außerdem: Macht man das eine, fehlt einem das andere." Aber Wallisch weiß noch anderes: "Ich renoviere die Wohnung. Ich habe mir da etwas eingebildet und das mache ich jetzt ohne Rücksicht auf Verluste."

(kurier) Erstellt am
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