Patricia Aulitzky will nicht nur „Lena Lorenz“ sein

Patricia Aulitzky
Foto: KURIER/Jeff Mangione Patricia Aulitzky sind neben "Lena Lorenz" auch Festival-Filme wichtig

Sie spielt, singt und lacht gern: ROMY-Nominee Patricia Aulitzky im Interview.

Sie spielt die patente Berghebamme „Lena Lorenz“ genauso wie die abgründige Edith in „Pregau“. Dass Patricia Aulitzky auch noch singt und schreibt, ist weniger bekannt. Die 37-Jährige über Rollen, Klischees und ihre Pläne.

Sie sind mit der Serien-Figur Lena Lorenz in den Wohnzimmern in Österreich und Deutschland sehr präsent. Hat das Ihr Leben verändert?

Nein, im Grunde gar nicht. In Österreich kannte man mich bereits für „Falco“ und jetzt eben auch durch „Lena Lorenz“. Es ist aber nicht so, dass mich die Menschen auf der Straße ansprechen würden. Im Dorf in Tirol, aus dem ich komme, die kennen mich so so. Dort findet man es super, dass ich etwas mit Natur und Bauernhof mache. Aber das alles ist vor allem Fiktion, denn ich bin Schauspielerin.

Wieviel von Ihnen steckt aber in Lena Lorenz?

Jemand hat sie mir gegenüber jüngst als „die Gschnappige“ charakterisiert. Dieser Zug an ihr, der gefällt mir. Denn ich versuche in „Lena Lorenz“ auch in gewisser Weise gegen Klischees anzuspielen. Was ich mit der Figur gemeinsam habe ist, dass ich gern in der Natur bin und deshalb drehe ich auch lieber in den Bergen als in einem Studio. Lenas Konflikt mit Stadt und Land, den habe ich nicht, denn ich weiß, ich mag und brauche beides. Es gibt aber einiges, was uns unterscheidet - ich kann nicht melken, auch keine Kälber auf die Welt bringen und Kinder entbinde ich auch nicht. Und auch wenn mein Vater Gynäkologe ist, habe ich trotzdem nicht den Wunsch, Ärztin oder Hebamme zu werden, obwohl ich diese Berufe sehr respektiere. Ich bin nämlich sehr glücklich als Schauspielerin.

Es ist für Zuseher, die nichts mit diesem Geschäft zu tun haben, nicht ganz einfach, Mensch und Rolle zu unterscheiden.

Wenn mich jemand in Berchtesgaden mit ,Hallo Lena‘ grüßt, dann nehme ich das als Kompliment. Das zeigt, dass ich mit der Rolle identifiziert werde, also glaubhaft spiele. Da gibt es manchmal besondere Momente: Ich wurde einmal nach den „Spuren des Bösen“ in der Familie angeredet, weil ich als Ermittlerin so arg gewesen sei, so negativ. Da habe ich im ersten Moment natürlich geschluckt. In dieser Rolle haben wir auf Hochdruck ein Kind gesucht, das wahrscheinlich tot ist, da springt man nicht bestens gelaunt über die Wiese. Aber es gehört dazu und ist ja auch gewollt, dass man als Schauspielerin für den Zuseher Projektionsfläche ist.

Patricia Aulitzky Foto: KURIER/Jeff Mangione „Lena Lorenz“ ist vor allem Unterhaltung. Es wird aber einiges angesprochen, was man in einer solchen Hauptabend-Serie nicht unbedingt erwarten würde: Spekulation, Homosexualität, Teenager-Schwangerschaft…

Ich kann absolut zu dieser Serie stehen. Lena Lorenz kratzt universelle Probleme an - ein Sozialdrama würde natürlich erst viel tiefer anfangen. Aber es werden wichtige Dinge angesprochen: Schwangerschaft älterer Frauen oder, mir besonders wichtig, die Flüchtlingsfrage und Illegalität. Lena hat in dem Zusammenhang den Satz gesagt, dass es keine Leistung ist, in Deutschland geboren worden zu sein. Dazu kann ich absolut stehen. Ob das beim TV-Publikum etwas bewirkt, tiefer geht, das weiß ich nicht. Aber in dieser Figur habe ich einiges zu spielen und nicht bloß Fragen zu stellen wie: Wo waren Sie am Samstag um 18 Uhr? Dass man nach vier Monaten Drehzeit dann Neues sucht, liegt auf der Hand. Aber ich kann nicht behaupten, dass „Lena Lorenz“ langweilig und nicht herausfordernd wäre.

Mit dieser Serie sind Sie der breiten Masse bekannt geworden. Hat das auch Folgen, was die Rollen betrifft? Gibt es die Gefahr tatsächlich, damit festgelegt zu werden.

Diese Serie hat sicher eine Tür geöffnet, weil das breite Publikum mich damit natürlich stärker wahrnimmt, als mit einem Auftritt in Festival-Filmen, die mir auch sehr wichtig sind. Ich hoffe, dass Produzenten und TV-Redaktionen diese beiden Seiten an mir als Schauspielerin sehen und mich nicht nur in dem einen Genre verorten. Ja, ich bin die Lena am Berg so wie ich auch die Edith in „Pregau“ bin oder die Alma im Landkrimi „Drachenjungfrau“.  Und ich arbeite auch sehr hart daran, dass die Leute wie auch die Branche mitbekommen, dass man als Schauspielerin höchst Unterschiedliches anzubieten hat. Diese Bedenken des Festgelegtwerdens gibt es, dagegen muss ich ankämpfen. Am besten mit guten Rollen.

Geht es mit „Lena Lorenz“ weiter und wenn ja, wann?

Wir drehen ab Mai eine nächste Staffel mit nochmals vier Folgen.

Eine weniger bekannte Seite Ihre Liebe zur Musik. Sie hatten früher sogar eine Band, sind zuletzt bei Wachau in Echtzeit und jüngst in der Reihe „Mosaique“ in Wien im Brick5 aufgetreten…

…Ich sing sogar als Lena Lorenz in ein paar Folgen. Musik ist mir wichtig. Das geht bei mir von Klassik über Jazz bis Pop und Rock. Es ist das ebenfalls eine Art die Geschichten-Erzählens, die mich intuitiv sehr berühren kann. Ich habe ja in meiner Ausbildung auch vier Jahre Gesangsausbildung.

Patricia Aulitzky Foto: KURIER/Jeff Mangione Da ist es schwer, sich zu entscheiden, was man machen möchte.

Die Reaktionen kennt man ja, wenn eine Schauspielerin singt oder umgekehrt. Das ist international ganz anders. Dort kann man sagen: Ja, ich habe gemodelt, ja, singen kann ich auch usw. – wir sind Künstler. Hier, beim herrschenden Schubladendenken, war das anders und ich habe mich ganz klar zunächst  für das Schauspiel entschieden und alles andere klein gehalten. In der Zwischenzeit habe ich aber meine Meinung geändert. Es gibt ja Beispiele großartiger Kollegen: Edita Malovčić singt und spielt fantastisch, Manuel Rubey ist ebenfalls ein wunderbarer Musiker und Schauspieler.

Wie geht es also mit dem Singen weiter?

Ich weiß noch nicht genau – ich habe schon lange keine Band gehabt. Das Programm „Ein Leben lang im Nebelland“, das wir bei Wachau in Echtzeit präsentiert haben, war das erste seit langem, das ich selbst auf die Beine gestellt habe. Das hat sehr großen Spaß gemacht. Ich habe aus Bachmann-Texten gelesen, zum Teil gesanglich interpretiert und auch aus der Situation heraus sind wir in Cover-Songs gewechselt. Nun möchte ich wieder selbst die Texte schreiben, ich möchte gemeinsam mit einem Freund auch komponieren, um dieses Gefühl zu haben, etwas Eigenes zu schaffen.

Sie waren zuletzt in wirklich vielen Produktionen dabei, zum Teil auch nur in kleinen Gastrollen. Geht Ihnen Inhalt vor Präsenz?

Wäre es umgekehrt, hielte ich es für schädlich. Wenn man ständig irgendwo dabei ist, um Präsenz zu haben, so bringt das gar nichts. Man muss schon darauf schauen, was man als Schauspieler wann warum macht. Andererseits habe ich auch den großen Vorteil, dass ich keine Familie ernähren muss und nur für mich verantwortlich bin. Das ist als Faktor nicht zu unterschätzen.

Denken Sie vielleicht deshalb darüber nach, auch selbst Drehbücher zu schreiben?

Ich hatte einige Ideen, nur leider ist mir der Laptop samt externer Festplatten gestohlen worden und ist nie wieder aufgetaucht. Mich interessieren Autobiographien sehr, und das müssen nicht die großen sein. Es gibt viele kleine, die spannend sind und das oft schon im engeren Umfeld. Also Regie und Schreiben würde ich spannend finden, denn wenn ich etwas schreibe, habe ich gleichzeitig recht genau im Kopf, wie das aussehen soll. Ich bin da generell ein recht visueller Mensch. Dialoge zu schreiben, das finde ich wiederum schon brutal schwer. Aber das sind Gedankenspiele, nichts konkretes.

Patricia Aulitzky Foto: KURIER/Jeff Mangione Wenn  man so gestrickt ist, wie tut man sich mit Regie-Anweisungen und Buch-Vorgaben?

Als Schauspieler muss man offen bleiben, da geht es nicht nur um die eigenen Bilder im Kopf. Denn der Drehbuch-Autor hat seine Vorstellung und der Regisseur wiederum eigene. Bei der Entstehung eines Films greifen viele Zahnräder ineinander - wenn eines nicht richtig funktioniert, geht das Ganze schief. Das bedeutet, dass jeder für sich offen bleiben muss für die Ideen des anderen. Beispielsweise habe ich bei „Pregau“ öfter Szenen relativ anders gelesen als Regisseur Nils Willbrandt es wollte. Es war dann toll, was da im Miteinander entstanden ist. Dass „Pregau“ polarisiert hat, ist völlig in Ordnung. Vom Spielen her war es für mich genial und dass manche den Mehrteiler nicht mochten, ist mir lieber, als wenn er „nett“ gewesen wäre. Bei „Falco“ waren die Reaktionen damals ähnlich.

Sie waren jüngst bei der Berlinale in Adrian Goiginger „Die Beste aller Welten“ zu sehen, der dort auch ausgezeichnet wurde.

Eine kleine Rolle, aber dieser Film schafft, was nur wenige schaffen: Trotz der Rauschgift-Thematik ist es kein Film, der den Zuseher hinunter zieht. Goiginger bringt immer wieder Leichtigkeit hinein und auch die Schönheit einer Kindheit und die Liebe zu dieser Mutter trotz der miesen Lebensumstände. Diesem Film gelingt die Gradwanderung bei einem Thema, das echt hart ist und trotzdem gibt es Humor, Liebe und Magie, das finde ich fantastisch.  Deswegen habe ich sofort zugesagt.

Sie sind nun für die ROMY nominiert.

Ich war schon einmal nominiert mit Falco für Rudolf Johns Undine-Award und deshalb freue ich mich jetzt umso mehr für die ROMY nominiert worden zu sein. Ich bin aufgeregt und freue mich auf die Gala.

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(kurier.at) Erstellt am
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