Thomas Gottschalk steht seit mehr als zwei Jahrzehnten für beste Fernseh-Unterhaltung. Das Publikum dankt es ihm (häufig) mit schönen Quoten und (stets) mit viel Sympathie.

© Reuters/ARND WIEGMANN

ROMY 2014
04/20/2014

Gottschalk: "Spiele noch mit größtem Vergnügen"

Platin-Preisträger Thomas Gottschalk im Interview.

von Rudolf John

Er ist einer der beliebtesten Show-Moderatoren des deutschsprachigen Raumes: Thomas Gottschalk (64) unterhält sein Publikum seit über zwei Jahrzehnten mit großer Spontanität, viel Humor und einer Prise Sarkasmus. Mit "Wetten, dass..?" machte er sich zur TV-Institution. Mit "Die 2 – Gottschalk & Jauch gegen alle" (RTL) zeigt er, dass er noch nicht vor hat, von der Showbühne abzutreten. Der Platin-ROMY-Preisträger im Interview.

KURIER: Du hast in letzter Zeit etliche Preise abgelehnt, die man dir noch verleihen wollte. Aber die ROMY nimmst du – wie du sagst – gerne. Was sind die Gründe?

Thomas Gottschalk: Bei den Preisen, die man mir jetzt anbietet, ist selten der für die "Neuentdeckung des Jahres" dabei. Ich habe keine Lust, bei diesen Verleihungen in der ersten Reihe zu sitzen, um mir meinen eigenen Nachruf anzuhören. Das ist zwar meistens nett gemeint, aber dafür ist es noch ein bisschen früh. Im Vergleich zum späten Johannes Heesters, der sich die Preise für sein Lebenswerk mit 100 abgeholt hat, bin ich ja noch ein Kind.

Zu Österreich und den Österreichern hattest du immer schon eine besondere Beziehung. Wie würdest du diese charakterisieren?

Ich liege mit meinem Gesamtwerk ungefähr zwischen Thomas Bernhard und Peter Alexander, damit bin ich den Österreichern wahrscheinlich näher als meinen eigenen Landsleuten. Es gibt zwar keine deutsche Übersetzung für Schmäh, aber ich habe jede Menge davon verzapft und war damit immer auch ein bisschen der österreichische Botschafter in der deutschen Fernsehunterhaltung. Und wenn ich mich recht erinnere, war meine Quote in Österreich im Vergleich meistens noch etwas höher als die deutsche.

Thomas Gottschalk: Von der Supernase zum Fernseh-Goldbär

GOTTSCHALK GIBT ENTSCHEIDUNG BEKANNT

Letzte "Wetten, dass..?"-Show mit Thomas Gottschal

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"Wetten, dass..?" - Thomas Gottschalk tritt ab

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gottschalk

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Rueckblick Thomas Gottschalk bei "Wetten, dass..?"

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Rueckblick Thomas Gottschalk bei "Wetten, dass..?"

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Rueckblick Thomas Gottschalk bei "Wetten, dass..?"

Letzte "Wetten, dass..?"-Show mit Thomas Gottschal

So weit ich weiß, lebst du in Kalifornien, weil du und deine Familie dort nicht in einen medialen Overkill wie in Deutschland verwickelt werdet. Was empfindest du – vom Wetter abgesehen – in Los Angeles noch alles anders bzw. angenehmer als in Europa?

Ich weiß, dass ich auch glücklich sein kann, wenn mich auf der Straße nicht jeder erkennt, und ich genieße dort das Leben, auch ohne im Rampenlicht zu stehen. Man unterstellt unsereinem ja oft, man könne ohne öffentliche Aufmerksamkeit und Bühnenapplaus gar nicht existieren. In meinem Fall weiß ich, dass das nicht stimmt, denn ich habe es ausprobiert.

Du hast Fernsehgeschichte gemacht und unter anderem "Wetten dass..?" und dich selbst zur Institution. Du führst seit Langem ein privilegiertes Leben. Würdest du dennoch nachträglich an deinem Leben etwas geändert haben wollen bzw. dich einmal entscheidend anders verhalten haben?

Diese Frage ist mir zu privat.

Was ist für dich das Geheimnis guten Entertainments und guter Unterhaltung?

Die Fernsehunterhaltung, für die ich stehe, wurde schon des Öfteren für tot erklärt, aber ich spiele immer noch mit und das mit größtem Vergnügen. Derzeit in der Rolle des alten Häuptlings in "Little Big Man". Der sagt: "Heute ist ein guter Tag zum Sterben." Dann geht er auf den Berg und wartet auf den Tod. Aber der kommt nicht. Also geht er wieder runter und lebt weiter. So mach ich das auch.

Worin besteht deiner Meinung nach die Zukunft des Fernsehens und welche Rolle würdest du darin spielen wollen?

Diese Frage werde ich in meinem Buch (das im Fischer Verlag erscheinen soll, Anm. d. Red.) ausführlich beantworten, das geht nicht in ein paar Sätzen.

Wir waren beide einmal Ministranten. Was hast du dir aus dieser Zeit bewahrt – oder auch nicht?

Meine Vorliebe für Weihrauch und die Gewohnheit, mich in meinen Klamotten vom Rest der Gemeinde angenehm zu unterscheiden.

Dein größter Triumph, deine empfindlichste Niederlage?

Von Triumphen kann man in meinem Geschäft kaum sprechen, ich habe mir den Beifall nie alleine verdient, denn ich hab’ ja immer etwas präsentiert: Verrückte Wetten, abgefahrenen Kandidaten, Hollywoodgrößen, Showstars. Aber das Publikum hat mir das abgenommen und dafür bin ich dankbar. Ich habe mich auch gerne dafür beklatschen lassen. Meine größte Niederlage habe ich in dem Moment erlebt, in dem einer meiner Kandidaten auf dem Boden lag und nie mehr aufstehen konnte.

Was würdest du gerne noch erreichen wollen?

Jetzt, wo ich die Platin-ROMY habe, gibt es kaum noch Möglichkeiten, mich zu steigern. Ich muss auch niemandem mehr etwas beweisen und stelle zudem fest, dass sich mein Geschäft und das Publikums-Verständnis von Unterhaltung stark gewandelt hat. Ich bin nur bis zu einem gewissen Punkt flexibel. Wenn dieser Punkt erreicht ist, werde ich ohne zu klagen ins Abendrot reiten und mich mit meinem Privatleben beschäftigen. Mit dem Warten auf Enkel und Urenkel zum Beispiel.

Verrätst du uns das Rezept deiner beeindruckenden persönlichen physischen und geistigen Fitness?

Ich bin täglich auf meinem Crosstrainer unterwegs und lese dabei theologische Abhandlungen von Hans Küng. Versuche also, Leib und Seele gleichzeitig auf einem gewissen Niveau zu halten.

INFO: Lesen Sie mehr zu den Nominierten der Jubiläums-ROMY und zu Platin- Preisträger Thomas Gottschalk in der KURIER-Beilage "Mein Sonntag".

Akademie-Ehrung

Am Donnerstag, zwei Tage vor der Jubiläumsgala, werden, ebenfalls in der Hofburg, die Stars hinter der Kamera ausgezeichnet. Davon zeigt ORF III eine Aufzeichnung am Freitag, 25. April, 21.50 Uhr: "ORF III – Spezial: ROMY Akademiepreise". In den "Seitenblicken" (20.05) zeigt ORF 2 einen Beitrag dazu.

Jubiläums-Gala

Am Samstag, 26. April (21.15), zeigt ORF 2: "Live aus der Wiener Hofburg: ROMY 2014. Der Österreichische Film- und Fernsehpreis".

Tags darauf widmen sich die "Seitenblicke" der 25. ROMY-Gala. Am Montag berichtet ORF III in "Kultur Heute" (ab 20 Uhr).

Er muss den Schalk im Nacken haben und Gott auf seiner Seite

Thomas Gottschalk darf bereits zwei ROMYs sein Eigen nennen. Gleich bei der ersten Verleihung, 1990, war er Preisträger. 1996 durfte er ein weitere Statuette übernehmen. Damals wurde die ROMY noch nicht live gesendet. Lesen Sie die damalige Laudatio Rainhard Fendrichs und die Antwort Gottschalks (gekürzte Fassung).

Rainhard Fendrich:Man hat gesagt, wenn ich schon hier bin, darf ich auch die ROMY überreichen. Ich möchte ganz offen sein: "’s is eh ned live". Obwohl mein Beliebtheitsgrad weit über das Finanzamt Wien hinausreicht und die Quoten dagegen sprechen – ich kann nur immer wieder betonen: "Ich bin kein Showmaster", auch wenn die Kathi Zechner(damals Programmintendantin, Anm.)mich jetzt a bisserl befremdet anschaut. Sie weiß, dass das keine Koketterie ist. Ein Showmaster muss anders ausschauen. Er muss groß sein, viel größer als ich. Lange, lockige Haare haben. Er darf nicht so einen Smoking in Schwarz tragen. Er muss mutiges, schottisches Hochlandkaro tragen. Er muss sich das unwiderstehliche Charisma eines Kindes bewahrt haben. Er muss seinen Beruf ernst nehmen, aber nicht das Fernsehen. Er muss den Schalk im Nacken haben und Gott auf seiner Seite. Ich freue mich, die ROMY ’96 an Thomas Gottschalk überreichen zu dürfen.

Thomas Gottschalk: Herzlichen Dank. Ich habe mich wirklich gefreut, als ich gehört habe, dass es eine ROMY gibt. Erst bin ich erschrocken und dachte, um Himmels Willen, LEBENSWERK! Aber so weit ist es noch nicht.

Selbstverständlich ist ein Preis aus Österreich für mich etwas ganz Besonderes und es gibt einer deutschen Karriere so den internationalen Touch! Und ich muss sagen, ich freue mich auch wirklich, denn dieser Preis bestätigt, dass mich die Österreicher mögen. Ich habe jetzt gelesen, Frau Jelinek hat sich sehr beklagt, wie schwer es ist, ein öffentlicher Mensch in Österreich zu sein und dass sie jetzt deswegen in die innere Emigration geht. Ich muss sagen, ich fühle mich sehr wohl als öffentlicher Mensch, vor allem in Österreich. Wobei ich Frau Jelinek nicht hindern möchte, eine gewisse Zeit in sich zu gehen. Wenn sie wieder rauskommt, gefällt’s ihr bestimmt überall besser.

Ich kann tatsächlich bestätigen, dass die Österreicher einen speziellen Umgang haben mit Menschen, die sie kennen. Viel entspannter, als das bei uns in Deutschland ist. Ich bin ja oft in Österreich. Früher habe ich hier Filme gemacht. Jetzt mache ich hier Kuren!…

Ich bin da so einsam in Hofgastein marschiert und es regnete. Und da war so ein Bauernhof. Da saß ein alter Mann und ich dachte, der kennt mich bestimmt nicht. Aber ich ging trotzdem hin. Sagt er: " I kenn di scho vo Korea". Dann habe ich gesagt: "Ne, in Asien war ich nie, aber kann ich trotzdem reinkommen?" Sagt er: "I hob erm eh do". Und dann hat er einen KURIER gebracht und ein Foto von mir gezeigt. Also wenn ich auch manchmal nicht alles verstehe… (APPLAUS).

Und mit den Preisen – so ganz begreife ich es noch nicht. Wahrscheinlich hast du, Rainhard, den Preis gewonnen, dann dachten sie, das machen wir so: ’95 ist Fendrich; die ersten drei Monate ’96 ist Gottschalk und dann machen wir Ende ’96 einen anderen. Also ich hoffe, dass ich das, was sie mir für die ersten vier Monate des Jahres zugetraut haben, in den letzten Monaten des Jahres rechtfertige und bedanke mich sehr herzlich. Servus!

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