Edita Malovčić ist zurzeit sehr gefragt.

© KURIER/Rainer Eckharter

Interview
02/25/2016

Edita Malovčić: "Spiele mich gerne in einen Rausch"

Die Schauspielerin über ihre Chancen auf eine KURIER ROMY, ihre Karriere, Musik und ihr Temperament.

von Marco Weise

Die Nachricht, dass Edita Malovčić im Hamburger „Tatort“ eine tragende Rolle spielen wird, ging im Oktober 2012 durch alle Medien. Seither hat die Karriere der 38-Jährigen ordentlich Fahrt aufgenommen. Die in Wien geborene Schauspielerin mit bosnisch-serbischen Wurzeln gab in Barbara Alberts preisgekröntem Film „Nordrand“ (1999) ihr Debüt. 16 Jahre später umfasst ihr Portfolio Filmprojekte wie „Zweiohrkücken“, „Blutgletscher“, „Im weißen Rössl“, „Altes Geld“ und der Hamburger „Tatort“, in dem sie als Staatsanwältin Hanna Lennerz den „Tschiller“ zügelt. Sie habe auch gerade für vier weitere „Tatorte“ unterschrieben, sagt Edita Malovčić im Interview.

KURIER: Nach 2002, als sie in der Kategorie "Shooting Star nominiert waren, sind sie zum zweiten Mal für eine KURIER ROMY nominiert. Wie groß ist die Freude?
Edita Malovčić: Anerkennung und Aufmerksamkeit ist für jeden wichtig. Deshalb freue ich mich natürlich über ROMY-Nominierung. Ich werde höchstwahrscheinlich wieder nicht gewinnen, aber vielleicht kann ich die Balkan-Community ja noch motivieren, für mich zu voten (lacht). Für mich persönlich gibt es einen klaren Favoriten in der Kategorie "Beliebteste Schauspielerin Serie/Reihe": Sunnyi Melles.

Sie spielen oft eine starke Frau mit großem Mundwerk und Selbstvertrauen. Kommen Ihnen solche Rollen entgegen?
Es gibt eine Tendenz, dass man mich für solche Charakter-Rollen bucht. Das freut mich auch, weil für mich solche Rollen vielschichtiger und dadurch einfacher zu spielen sind als 0815-Persönlichkeiten. Vielleicht kann ich mich einfach sehr gut in schwierige Persönlichkeiten reinfühlen. Ich kann gut nachvollziehen, wie sich diese persönlicher Wahnsinn, diese innere Zerrissenheit, die Dämonen in einem anfühlen. Diesen persönlichen Wahnsinn hat jeder in sich, es kommt halt drauf an, wie viel man davon unterdrückt bzw. rauslässt. Mein Beruf hat mich im Laufe der Zeit aufmerksamer und sensibler gemacht, was diese Seiten betrifft.

Bricht ihr Temperament dann öfters unkontrolliert aus?
Wenn es ausbricht, dann meistens nicht unkontrolliert, sondern sehr bewusst! Vielleicht wäre hin und wieder ein bisschen mehr Diplomatie statt Temperament angebracht. Aber ich stehe zu dieser Energie, diese Extreme. Mein Temperament benutze ich am Set vor allem dazu, um meine Arbeit so gut wie möglich zu machen. Wenn ich nach den Dreharbeiten noch zu viel Energie in mir habe, gehe ich laufen.

Haben Sie heute schon geflucht?
Ja (lacht). Beim Autofahren. Ich war auf dem Weg hierher, also zur ROMY-Pressekonferenz, bereits spät dran und bin dann noch in einen Stau gekommen. Da habe ich dann zwar kurz mal die Geduld verloren, aber mit 38 Jahren bin ich gemäßigter unterwegs als früher.

Ist die Schauspielerei eine Art Ventil zum Dampfablassen?
Jeder Mensch weiß, wie sich Wut anfühlt, man am liebsten jemanden eine Reinhauen möchte, aber es dann nicht macht, weil man sich unter Kontrolle hat. Als Schauspielerin habe ich in meinen Rollen die Möglichkeit, diesen Extremen nachzugehen. Für mich ist die Schauspielerei, aber auch das Musikmachen, eine Art Psycho-Therapie. Damit kann ich das Innere nach außen kehren und dadurch auch oft mit etwas Abstand analysieren.

Sie mussten in ihrer nun 16 Jahren andauernden Karriere oftmals sehr geduldig sein. Wie schwer war das für Sie?
Für diese Geduld, die ich aufbringen musste, war ich zum Teil selbst verantwortlich. Denn ich wollte mich nicht für Projekte hergeben, hinter denen ich nicht zu 100 Prozent stehen konnte. Ich habe einen künstlerischen Anspruch und möchte mir auch selber trau bleiben. Da kann ich dann keine Rolle in einem Film übernehmen, wo Frauenbilder erzählt werden, die für mich nicht vertretbar sind. Das man unter dieser Entbehrung nicht nur finanziell leidet, ist eine Tatsache. Künstler zu sein ist ohnehin nicht einfach, man hat Versagensängste, keine Sicherheit, viele verschieden Ebenen auf denen man sich tag täglich beweisen muss. Wann mache ich was zu welchem Zeitpunkt?

Seit drei Jahren zeigt ihre Karrierekurve steil nach oben. Ist Erfolg planbar?
Man kann das eben in keiner Weise planen, man muss einfach teilweise zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein und das wird von einer gehörigen Portion Glück unterstützt. Es gibt Jahre, da dreht man fünf Filme hintereinander. Und dann gibt es wieder Zeiten, in dem sich bei Castings gar nichts ergibt. Dabei hat das oft nichts mit einem persönlich zu tun. Es ist oftmals eine Typfrage – wenn die Verantwortlichen für einen Film eine Blondine suchen, hat man es als Dunkelhaarige eben schwer.

Sie haben es ohne große schauspielerische Ausbildung weit gebracht. Lassen Sie sich für gewisse Rollen beraten?
Wenn man ansteht, denkt man sich, wie würde man reagieren, wenn man Schauspielunterricht genossen hätte. Aber mit dem nötigen Talent und Gespür für die Situation löst man auch so schwierige Situationen. Wenn ich zu einer Rolle gar keinen Zugang habe, dann lehne ich sie auch ab. Aber ich habe auch gelernt, dass es kein Richtig oder Falsch in diesem Beruf gibt. Es gibt nur 5000 Möglichkeiten, eine Rolle zu spielen. Für welche man sich dann entscheidet, ist dann eine sehr persönliche und spontane Angelegenheit, die von der Regie und dem Ensemble beeinflusst wird.

Wie legen Sie ihre Rollen grundsätzlich an?
Ich spiele mich gerne in einen Rausch rein, versetze mich zu 100 Prozent in eine Rolle. Ich lasse mich gerne von Energien leiten und bin eine sehr emotionale Persönlichkeit, eine, die man anzünden kann. Mir ist es auch lieber, wenn ich bei den Dreharbeiten nicht zuhause bin wo abends mein Sohn auf mich wartet. Denn da kann ich mit meiner Rolle auch schlafen gehen.

Wie entfernen Sie sich dann wieder von dieser Rolle?
Da entwickelt man aber Rituale. Man wäscht sich erstmals, dann die Wäsche, trägt nicht die Farben, die man während der Dreharbeiten getragen hat, kocht, meditiert und versucht wieder seine Mitte zu finden. Musik spielt da natürlich auch eine große Rolle. Damit kann ich gewissen Stimmungen entgegenwirken, aber auch verstärken.

Apropos Musik. Sie haben hast unter dem Künstlernamen Madita bereits Alben veröffentlicht. Wann kommt was Neues?
Ich schreibe gerade an einem neuen Album – zum ersten Mal auf Deutsch. Hip-Hop-Beats gepaart mit poppigen Melodien und Mantra artige Gesänge. Ich weiß noch nicht unter welchen Namen ich dieses Album herausbringen werde. Das Projekt steckt eben noch in Kinderschuhen, deshalb kann ich nicht mehr darüber sagen.

Nach dem sie in Barbara Alberts preisgekröntem Streifen "Nordrand" eine junge Serbin spielten, wurden sie auf bestimmte Rollen reduziert. Wie nervig war das?
Am Anfang hat mich das schon sehr genervt, dass ich aufgrund meiner Wurzeln auf diverse Rollen reduziert wurde. Das war dann auch die Zeit, der Entbehrungen, in der von der Ostblocknutte bis hin zur serbischen Putzfrau alles dabei war. Diese Angebote habe ichmeistens alle abgelehnt, da ich mich von diesen Klischee-Rollen distanzieren wollte. Ich glaube, das ist mir auch gelungen.

Laut Wikipedia sind Sie eine „österreichische Schauspielerin jugoslawischer Abstammung“. Gefällt Ihnen diese Bezeichnung?
Naja. Ich fühle mich als Wienerin, als Österreicherin, als Serbin, als Bosnierin, also allgemein gesagt als Europäerin. Ich bin Multikulti, reich an unterschiedlichen Kulturen und darauf bin ich auch stolz – auf meine Familie, meine Wurzeln. Viele haben mir vor Jahren geraten, mich als Künstlerin doch einfach Edith Maló zu nennen, ganz ohne -vcic. Aber ich habe mich ganz bewusst dagegen entschieden.

Schauen Sie sich die Filme, in denen sie mitwirken, eigentlich im Fernsehen an?
Natürlich. Ich weiß, es gibt Kollegen, die sich selber nicht im Fernsehen ansehen können. Aber ich schaue mir jeden meiner Filme an. Denn das ist für mich eine gute Möglichkeit, meine schauspielerische Leistung zu überprüfen, feststellen, was gut oder schlecht funktioniert hat. Nur so kann ich mich verbessern und weiter entwickeln.

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