Romy
22.03.2017

"Den Heimatbegriff zurückholen"

Konstanze Breitebners "Treibjagd im Dorf" mit Weisz, von Thun und Schmölzer (20.15, ORF2).

"Das war nicht deine Schuld – ich war der Depp", sagt der sonst so sture Großvater Anton ( August Schmölzer) noch zu Enkel Franzi (Enzo Gaier) und stirbt. Und "erlöst so den wohl einzigen Menschen, den er je wirklich gemocht hat", sagt Schmölzer.

Beim Schießtraining, zu dem Anton Franzi mitgenommen hat, verfehlt dieser das Ziel, eine Weinflasche, und trifft den geliebten Opa. Franzi verschweigt den Unfall. Nach Antons Tod gehen deshalb alle Dorfbewohner davon aus, dass dessen Sohn Franz (Max von Thun), der wie viele andere auch ein schwieriges Verhältnis zum Verstorbenen hatte, die tödlichen Schüsse abgegeben hat. Das gesunde Volksempfinden kocht hoch, es beginnt die "Treibjagd im Dorf" (20.15, ORF 2). Eine Situation, die auch zur Bewährungsprobe für Irene (Franziska Weisz), die Frau von Franz und Bürgermeisterin, wird.

Schmölzer: " Anton ist ein Mensch, der ständig unter Druck steht, gewalttätig, bei dem ganz viel angerichtet wurde und der furchtbar viel bei anderen angerichtet hat." Über den Tod hinaus.

Reale, archaische Menschentypen wie Anton haben Schmölzer einst auf eine Idee gebracht, die Konstanze Breitebner zum 2014 mit der ROMY ausgezeichneten Drehbuch für "Die Fremde und das Dorf" verarbeitet hat. Für den ebenfalls quotenstarken zweiten Teil "Ein Geheimnis im Dorf" ist Franziska Weisz heuer für die ROMY nominiert.

Rufmord

Im dritten, von Film27 produzierten Streifen ist "das Thema für mich Rufmord, Verleumdung", sagt Weisz. "Damit werden heute Wahlen geschlagen. Es werden Behauptungen über einzelne Menschen oder Gruppen in die Welt gesetzt, ohne Grundlage, ohne Beweis. Eine solche Person wieder von den Vorwürfen reinzuwaschen, ist faktisch unmöglich", meint Weisz, die als Irene irgendwann auch nicht mehr weiß, was sie denken soll.

Denn sie erwischt Franz beim Lügen. Max von Thun: "Franz ist ein gebrochener Mensch, der immer wieder kleine Strohhalme findet, an denen er sich festhält. Eigentlich wünsch’ ich ihm immer, dass er endlich mal glücklich wird, aber irgendwie schafft er es nicht."

"Treibjagd im Dorf" ist ein "Neuer Heimatfilm". "Ich habe diese Bezeichnung kreiert, denn ich möchte mir den Heimat-Begriff wieder zurückholen, der missbraucht wird und besudelt ist durch den Sündenfall der Nazizeit", erklärt Drehbuchautorin Breitebner. "Heimat ist nun mal da, wo wir unsere Wurzeln haben und wo die Menschen sind, die wir lieben. Das möchte ich herausarbeiten." Dazu hat Breitebner bald die Möglichkeit. Denn ein vierter Teil ist in Planung.