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Reise
10/01/2019

Zwölf Stunden in Riga: Was Sie nicht verpassen dürfen

Mit einer lettischen Stadtführerin durch mittelalterliche Gassen, vorbei an Jugendstil-Ensembles und sowjetischem Modernismus.

von Stefan Hofer

Riga. Das ist die alte baltische Hansestadt. Kopfsteinpflaster und mittelalterliches Flair. Kirchtürme überall. Das ist Jugendstil. Das sind Betonbauten und die Reste der Sowjetzeit. Moderne Architektur und hippe Cafés.

Riga, das ist die vielfältige Metropole an der Ostsee. Die größte Stadt des Baltikums hat sich in den vergangenen Jahren einen modernen Anstrich verpasst und die architektonischen Meilensteine vergangener Epochen herausgeputzt.

Wer die lettische Hauptstadt das erste Mal besucht und nicht viel Zeit hat, dem sei ein anderer Blickwinkel ans Herz gelegt. Etwa aus der Sicht einer Einheimischen. In unserem Fall ist das Nora, eine sehr gut Deutsch sprechende Stadtführerin. Brille, blondes Haar, das Studium noch in der Sowjetzeit abgeschlossen. Sie wurde an der hiesigen Fakultät als "treue Untertanin des Regimes erzogen", wie sie sagt. Nora macht eine kurze Pause. "Ich hoffe, dass nicht viel davon geblieben ist." Fundiertes Geschichtswissen, gepaart mit lettischen Humor.

Unser Rundgang führt vorbei an der Lettischen Nationaloper, am Freiheitsdenkmal, durch gepflasterte Gässchen zum Gebäudeensemble "Drei Brüder", weiter zum Rigaer Dom bis zum Schwarzhäupterhaus. Eine geballte Ladung Geschichte.

Brüder ja, aber keine Drillinge

Nora stellt gleich zu Beginn eines klar: "Wir Balten möchten nicht als Drillinge gesehen werden. Wir sind drei europäische Völker mit unterschiedlicher Kultur und Sprache." Doch wenn es ernst wird, halten wir drei zusammen, erinnert Nora nachdenklich an den "Baltischen Weg".

Damals, im August 1989 - also vor gut 30 Jahren - bildeten Litauer, Letten und Esten quer durch die drei Länder eine Menschenkette und demonstrierten für Freiheit und Unabhängigkeit. Mit Erfolg. Ein friedliche Umsturz in Osteuropa folgte, die sowjetischen Soldaten zogen ohne Schießbefehl ab. Das Freiheitsdenkmal erinnert an die Zeit des Umbruchs Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre.

Sinnbild Schwarzhäupterhaus

Ein Paradebeispiel für die Blüte der immer wieder umkämpften Stadt ist das sogenannte Schwarzhäupterhaus am Rathausplatz. "Ja man kadreiz sagrut bus, mani atkal celiet jus!" – "Sollt’ ich einmal fallen nieder, so erbauet mich doch wieder!'" Dieser Leitspruch über dem Eingang des Schwarzhäupterhauses bewahrheitete sich.

Im Zweiten Weltkrieg legten deutsche Truppen bei der Einnahme Rigas den Bau am Rathausplatz in Schutt und Asche, in den 1990ern wurde er, zur 800-Jahr-Feier der Stadt, originalgetreu rekonstruiert. Blickfang an der prunkvollen, roten Ziegelfassade ist die blaue, astronomische Uhr: Der "Ewige Kalender" wurde 1626 hergestellt, heute ist ein Nachbau zu sehen. Die Schwarzhäupter waren übrigens unverheiratete ausländische Kaufleute, die in der baltischen Hansestadt lebten.

Auffällig ist der Betonklotz nebenan im Stil des sowjetischen Modernismus, er beherbergt das viel besuchte Okkupationsmuseum. Die Sowjetzeit ist lange vorbei. "Wir sind zurückgekehrt nach Europa, keine Neuankömmlinge", betont Stadtführerin Nora im Gespräch. Rund 27 Prozent der Bevölkerung Lettlands sind übrigens Russen.

Abwanderung ins Umland (Wohnungspreise!) und nach Westeuropa (Jobs) sowie niedrige Geburtenraten ließen die größte Stadt des Baltikums schrumpfen. Seit 2014 zahlen die Letten mit dem Euro; die Preise stiegen. Dafür haben Touristen die Jugendstil-Stadt für sich entdeckt. Darauf ist Nora stolz. Der Rigaer Jugenstil erlebte eine kurze und heftige Blüte. Wir schlendern durch die Straßen Alberta und Elizabetes, nördlich der Altstadt gelegen, in denen noch besonders schöne Beispiele erhalten sind.

Die Fassaden sind verschwenderisch und üppig dekoriert. Den Jugendstil in Riga "erkennt man auch an den fünfzig Touristen, die ihre Tablets in die Höhe strecken" und auf eine Fassade richten, sagt Nora.

Nicht nur die Tablets, auch den Kopf sollte man beizeiten in die Höhe strecken. Riga erkundet man besonders gut von oben, in der Stadt wimmelt es vor lauter Kirchtürmen und Aussichtsplattformen. Drei Empfehlungen: die St. Petrikirche, der Fernsehturm (Aussichtsplattform auf 97 Meter Höhe) und die Skyline Bar im Radisson Blue Hotel.

Auch ein weiterer Blickwinkel lohnt sich. Der von unten, vom Wasser aus. Bei einer einstündigen Bootsfahrt (etwa um 15 Euro) auf der breiten Daugava - die nach Riga in die Ostsee mündet - und dem schmalen Kanal, der um die Altstadt fließt, bieten sich ungewöhnliche Einblicke.

Vom Boot aus gut ersichtlich ist die blaugraue Fassade der vor wenigen Jahren neu gebauten lettischen Nationalbibliothek. Eine architektonische "landmark" in Form einer Welle am anderen Ufer der Daugava.

Fischiges am Zentralmarkt

Wer Hunger auf die Stadt an der Daugava bekommen hat, dem sei der Zentralmarkt empfohlen. 1930 eröffnet, ist er nur einen Katzensprung von der Altstadt entfernt. In den fünf überdachten Hallen - unterteilt in Fisch, Brot etc. - lässt es es sich sehr gut schlendern und schlemmen.

PS: Wen man als Tourist schon alles und jeden fotografiert, sollte man auch kaufen. Womöglich gerät man sonst an eine Marktstandlerin, die einen schiefen Blick serviert. Gratis.

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