Reise | Wandern
15.05.2017

Zu Fuß durch die Ötscherland-Galaxis

Ein Hobbyastronom als ungewöhnlicher Wanderführer – von Puchenstuben hinab zum Trefflingfall.

Wie weit wäre es von hier bis zum nächsten Stern? "Da müssten wir auf dem Äquator ein Mal um die Erde gehen", erzählt Franz Klauser vor seinem miniaturisierten Modell des Sonnensystems.

Der Hobby-Astronom hat das Universum schrumpfen lassen. Die Sonne ist 1,4 Meter (statt 1,4 Millionen Kilometer) groß. Bis zum Zwergplaneten Pluto – dem Außenposten des Sonnensystems – sind es sechs Kilometer.

Wir befinden uns bei einem Eingang zum Ötscher-Naturpark: Bäche, Wasserfälle, Almen und der Grand Canyon Österreichs (Ötschergräben) bilden die Naturkulisse rund um den zweithöchsten Berg Niederösterreichs. In Puchenstuben zählt man seit der Landesausstellung 2015 beinahe so viele Schilder wie der Tourismusort Einwohner hat. Etliche Wegweiser führen zum Planetenweg.

Mini-Sonnensystem

Ausgangspunkt ist das letzte Haus im Ort. Dort betreibt der pensionierte AHS-Lehrer Klauser eine Privatsternwarte. Seit zwei Jahren fungiert er als Wanderführer, genau genommen gibt es keinen Zweiten seiner Art. Denn über Flora und Fauna erfährt man von Klauser nichts: "Da kenn ich mich zu wenig aus", erzählt der Physik- und Mathematik-Professor in Rente. Beim Weltall und der Mythologie dagegen kommt er so richtig in Fahrt.

Eine Wanderung durch Klausers Universum ist wie ein Marsch durch Raum, Zeit und Geschichte. "Eine Sonnenuhr zeigt nur vier Mal im Jahr dieselbe Zeit an wie unsere Uhren, sonst geht sie vor oder nach", eröffnet er und zeigt auf das Exemplar hinter seinem Haus.

Jetzt braucht es Zeit, bis die Wanderung losgehen kann. Die Sonne ist nicht nur ein riesiger Gasball aus Helium und Wasserstoff. Man erfährt vom Wanderführer auch, wo sich die Brennkammer auf seinem Sonnenmodell befindet. Klauser geht noch mehr ins Detail. Die auf dem Modell (Maßstab 1:1 Milliarde) lochförmig dargestellten Planeten sind winzig – die Erde ist gerade einmal 13 Millimeter groß.

Danach geht es ab in den Wald. Dort benötigt man etwas Fantasie, um sich in Franz Klausers Sonnensystem sofort zurechtzufinden. Der Wanderführer stoppt nach 58 Metern. "Hier würde sich der innerste Planet, der Merkur, befinden." Wie zum Beweis hat er auf seinem Planetenweg eine Tafel mit Fakten zum Himmelskörper aufgestellt. Nach insgesamt 150 Metern kommen wir an der Erde vorbei.

"Die Abstände sind exakt", schwört er. "Ich bin die ganze Route mit dem Messrad abgegangen." Dass wir nicht nur im Wald und im Universum des Professors unterwegs sind, zeigt sich nach der Saturn-Tafel. Es geht bergab auf eine malerische Wiese mit Blick auf den Großen und Kleinen Ötscher.

Davor gab es schon eine ordentliche Portion griechische Mythologie – Klauser erzählt über Jupiter, den Frauenheld, oder welche Rolle Herkules bei der Entstehung der Milchstraße gespielt haben soll. Langsam geht es zu den äußersten Planeten. Beim Uranus wird es wissenschaftlich. "Von der Erde aus blicken wir 21 Jahre lang auf dessen Nordpol". Wer es genau wissen will, erfährt, warum das beim Uranus so ist.

Beim Neptun angelangt, findet sich der Wanderer im Erlebnisdorf Sulzbichl wider. Hier ist der Ausgangspunkt für mehrere Wanderungen im Ötscherland: Hinauf aufs Hochbärneck, über die kleine Ötscher-Panoramastraße oder hinab in den Graben.

Dort müssen wir hin: Denn hinter der Pluto-Tafel stürzt der Trefflingbach in Kaskaden 120 Meter tief in die Erlauf. Das Naturwunder fasziniert, dennoch will niemand in Klausers Universum noch tiefer vordringen. "Bis zum nächsten Stern wären es jetzt 40.000 Kilometer", findet der Professor einen ultimativen Schlusspunkt.