Reise | Wandern
12.05.2017

Paradeiser-Kaiser geht durch die Hölle

Biobauer Erich Stekovics ist Nationalpark-Fan. Eine seiner liebsten Runden führt nach Illmitz.

"Die Region ist großartig. Der Nationalpark ist ein Juwel", schwärmt Erich Stekovics und lässt seinen Blick über die Felder schweifen. Der Biobauer aus Frauenkirchen lebt und arbeitet mitten im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel. Der "Paradeiserkaiser", wie er aufgrund seiner rund 3200 Paradeisersorten genannt wird, ist täglich auf den Wiesen und Feldern unterwegs, und obwohl die Wege für manch einen alle gleich ausschauen, kennt er jeden einzelnen wie seine Westentasche. "Hier entlang. Wir müssen hier abbiegen", sagt er und schreitet voller Tatendrang voran. Ziel ist die Umrundung der Birnbaumlacke, die zu den schönsten Abschnitten der Region gehört und einen grandiosen Ausblick auf Fauna und Flora bietet.

Landwirt als Chance

Der Weg führt von seinem Betrieb am Ortsrand von Frauenkirchen hinaus in den Nationalpark, der unter anderem für seine Steppenrinder bekannt ist. Während des Wanderns erzählt Stekovics von den Anfängen seiner Bio-Bauer-Karriere. Die Berufung für die Landwirtschaft hat er erst spät gefunden: "Ich habe Theologie studiert und danach in der Diözese gearbeitet. Mit 35 habe ich dann den Zivildienst nachgeholt", sagt Stekovics.

Dort hat er mit Krebspatienten gearbeitet. "Viele haben mir gesagt, wenn sie gewusst hätten, dass sie Krebs bekommen, hätten sie viel mehr Zeit in der Natur verbracht. Darüber habe ich viel nachgedacht und mich schließlich entschlossen, Landwirt zu werden."

Nach rund sieben Kilometern ist die Birnbaumlacke erreicht. Erich Stekovics bleibt stehen und genießt den Anblick der Salzlacke. Bis auf vereinzelte Schreie von Vögeln herrscht Stille. Nur der Wind pfeift dem Biobauern um die Ohren. "Der ist ein ständiger Begleiter. Er ist verantwortlich für das Gedeihen der Pflanzen. Meine Pflanzen tanzen den ganzen Tag im Wind. Dadurch werden sie immer wieder leicht verletzt und müssen ihre ganze Kraft aufbringen, um diese Mini-Schäden zu reparieren. Daher kommt der gute Geschmack", sagt Stekovics.

"Höllen Ritt"

Nur wenige Kilometer weiter gibt es den sogenannten "Höllen Ritt". "Es lohnt sich, diese Runde zu gehen. Vor allem am späteren Nachmittag, um dann anschließend bei Sonnenuntergang in der Hölle einzukehren", schwärmt Stekovics und betont: "Aber keine Angst, es ist nicht so schlimm, wie es klingt. Die Hölle ist nicht nur ein Ortsteil von Illmitz, sondern auch der Name eines Heurigen. Wenn man dort abends sitzt und die untergehende Sonne den Nationalpark orange färbt, fühlt man sich wie in Afrika." Um sich das Wegstück von Frauenkirchen zu ersparen, kann man auch direkt in der Hölle in die rund neun Kilometer lange Runde einsteigen.

Neben diesen beiden Routen hat der Biobauer aus Frauenkirchen noch einen Wandertipp parat: "Man kann auch von Podersdorf aus die Birnbaumlacke besuchen und anschließend im Gasthaus zur Dankbarkeit einkehren."

Eingekehrt wird heute nirgendwo – zu viel Arbeit wartet auf den Landwirt, denn jetzt im Frühling beginnt die Hochsaison. "Dafür ist es im Winter fünf Monate ruhig. Wie auch in der Natur. In dieser Zeit können wir uns erholen und Kraft tanken."

Der Nationalpark

Der Nationalpark Neusiedler See- Seewinkel wurde im Jahr 1993 gegründet und schließt an den bereits zwei Jahr zuvor gegründeten Fertö-Hansag Nemzeti Park auf der ungarischen Seite des Neusiedler Sees an. Damit ist er der erste grenzüberschreitende Nationalpark Österreichs. Die Fläche beträgt rund 300 wovon 100 in Österreich liegen. Das Gebiet wurde im Jahr 2001 zum UNESCO-Welterbe ernannt.

Erich Stekovics

Der 51-Jährige wurde in Frauenkirchen (Bezirk Neusiedl am See) geboren. Seine Eltern hatten eine kleine Landwirtschaft. Ursprünglich wollte er Koch werden, hat auf Wunsch seiner Mutter jedoch Theologie studiert. 1999 brach er seine pastorale Arbeit ab und wurde Landwirt. Stekovics hat sich auf altes Saatgut spezialisiert. Sein Betrieb produziert rund 3200 Paradeisersorten und 600 Chili-Arten. Für Interessierte bietet er Genuss-Touren an.