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Spanien
06/23/2015

Über Stock, Stein und Strand um Menorca

Auf der Baleareninsel Menorca gibt’s nicht nur herrliche Strände sondern auch einen markierten Weitwanderweg um die Insel. Die wichtigsten Utensilien auf dem 200 Kilometer langen Camí de Cavalls sind Bikini und Badehose, denn der Weg verläuft zum Teil direkt am Meer.

Eigentlich sollte es ja ein Badeurlaub werden. Aber dann kam, dem wechselhaften Wetter sei Dank, alles ganz anders. Wolken statt Sonne, Rucksack statt Strandliege, Wanderschuhe statt Badehose.

Schauplatz des Geschehens: Die Baleareninsel Menorca, die kleine Schwester von Mallorca. Dort gibt’s seit dem 17. Jh. den Camí de Cavalls – einen Reitweg, der um die ganze Insel führt. Ursprünglich zu militärischen Zwecken angelegt, verwahrloste der Weg Anfang des 20. Jh., als viele Grundbesitzer nach dem Wegfall der feindlichen Bedrohungen einzelne Abschnitte einfach absperrten. Ende des 20. Jh. wurde der freie Durchgang für die historische Strecke wieder eingefordert, und 2009 war es dann wieder so weit: Der Inselrat eröffnete den historischen Reitweg als Weitwanderweg GR 223.

Tadellos gepflegt

Das Ergebnis dieses ökologischen und finanziellen Kraftakts kann sich sehen lassen: Nunmehr lässt sich die Insel, die 1993 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt wurde, auf einem durchgehenden, bestens markierten und tadellos in Schuss gehaltenen Wanderweg umrunden. Das Tolle daran: Die Wegführung orientiert sich über weite Strecken an der Küstenlinie – der Meeresblick ist also fast ständig inklusive. Ein weiteres Goodie: Da Menorca eine flache Insel ist (höchste Erhebung 358 Meter), halten sich anstrengende Steigungen in Grenzen. Eine Promenadenwanderung ist der Weg trotzdem nicht. Dafür sorgen schon die zahlreichen Buchten, die der Camí de Cavalls kreuzt und die vor allem im Süden an der Mündung von Barrancos, also tief eingeschnittenen Flusstälern, liegen.
Im Süden befinden sich zweifellos die schönsten Abschnitte des Weges. Es geht von einer Traumbucht zur nächsten (besonders reizvoll: die große, an einer Flussmündung gelegene Cala Trebalúger), dazwischen wandert man durch menschenleere Kiefern- und Steineichenwälder – schöner lässt sich’s im Mittelmeerraum (vielleicht mit Ausnahme Korsikas) nicht wandern! Zwischendurch gibt’s aber auch so manch optische Überraschung: Hinter den für Menorca so typischen Trockensteinmauern, die abschnittsweise den Weg begleiten, wird die mediterran anmutende Szenerie immer wieder von Getreidefeldern und Rinderweiden unterbrochen. Die schwarz-weiß gefleckten Friesischen Kühe wurden im 18. Jh. aus den Niederlanden eingeführt, aus ihrer Milch wird der berühmte menorquinische Käse Queso de Mahón produziert.

Ein Stückchen Käse (oder sonst was Essbares) sollten Sie beim Wandern auf jeden Fall dabei haben, da viele Etappen des Rundwegs durch weitgehend unbesiedeltes Gebiet führen. Besonders wichtig: genügend Getränke mitnehmen, auf Menorca gibt es keine Trinkwasserquellen! Sie werden zwar alle drei bis vier Stunden in einen Ort kommen, doch speziell in den Küstenregionen sind außerhalb der Saison (Oktober bis April) die meisten Läden geschlossen.

Abschnittsweise

Es empfiehlt sich, die insgesamt ca. 200 km lange Tour nicht auf einmal, sondern abschnittsweise zu absolvieren. In dem praktischen, auch auf Deutsch verfügbaren Wanderführer "Menorca. Der Camí de Cavalls" wird der Weg auf 20 Halbtagsetappen aufgeteilt, deren Anfangs- und Endpunkte in bewohnten Siedlungen liegen, die per Bus oder Taxi erreichbar sind. Für alle, die nur "Schnupper-Wandern", gleichzeitig aber die Vielfalt der menorquinischen Landschaften kennenlernen wollen, hier die schönsten Abschnitte des Weitwanderwegs:

Im abwechslungsreichen Osten von Es Grau durch den Naturpark Albufera ans Cap de Favàritx (4 Stunden); im menschenleeren Norden von Algaiarens nach Cala Morell (2 Stunden); im kargen Westen von Punta Nati nach Ciutadella (4 Stunden); im bilderbuchartigen Süden von Cala Galdana nach San Tomas (4 Stunden; Tipp: Auf diesem Abschnitt sollten Sie ausnahmsweise vom Camí de Cavalls auf den Sendero Littoral, der unmittelbar an der Küste verläuft, ausweichen).

Der Reitweg darf übrigens ausdrücklich auch mit dem Fahrrad befahren werden. Da auf einzelnen Teilstücke auch felsige Passagen, Holztreppen und Sandstrecken zu bewältigen sind, ist aber die Benützung eines Mountainbikes dringend anzuraten. Der Empfehlung, wegen der stellenweise sehr schmalen Pfade auf Satteltaschen zu verzichten, können Sie ruhig Folge leisten. Das wichtigste Utensil, das Sie dabei haben sollte, ist angesichts des Wegverlaufs ohnehin die Badehose. Aber selbst die kann ja manchmal – siehe Anfang – überflüssig sein.

Anreise bis Auskünfte

AnreiseVon 20. Juni bis 12. September Direktflug mit Austrian nach Mahón/Menorca (jeweils samstags, ab 298 € hin und retour). Ganzjährig tägliche Umsteigeverbindungen über Palma de Mallorca (Niki/Iberia) und Barcelona (Vueling) ab 360 €.

Beste Zeit zum Wandern April bis Juni, September bis Anfang November. Im Winter sind die meisten Unterkünfte geschlossen.

Mietautos Kleinwagen kosten außerhalb der Hauptsaison für eine Woche ab/bis Airport Mahón ab 120 €. www.billiger-mietwagen.de

Unterkunft Hotel Rural Morvedra Nou, 10 km südwestlich von Ciutadella (DZ/NF ab 52 € pro Person); guter Start für Wanderungen, www.morvedranou.es
– Ganzjährig geöffnet sind nur Stadthotels. Tipp in Ciutadella: Hotel Tres Sants; DZ/NF ab 55 €/P; www.grupelcarme.com

Weitere Tipps Busfahrpläne www.tmsa.es (auch auf Deutsch; wichtig für die Tourplanung!)
– Wanderführer: „Der Camí des Cavalls in Menorca.“ Triangle-Postals Verlag, 2012, 240 Seiten, mit genauen Wegbeschreibungen und umfangreichem Kartenmaterial, 16 € (erhältlich u.a. am Flughafen von Mahón ).
Menorca Reiseführer: Robert Zsolnay, Menorca (Michael Müller-Verlag, 2. Auflage 2015), 276 Seiten, 17,40 €. Der Autor gibt auch viele Wandertipps.

Auskünfte Spanisches Fremdenverkehrsamt, 1010 Wien, Walfischgasse 8/14, 01/512 95 80, www.spain.info Menorca: www.menorca.es

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