Reise 05.12.2011

Urlaub am Bauernhof: "Ein Stück heile Welt"

Die Kinder füttern die Hendln, reiten, helfen bei der Stallarbeit. Die Eltern freuen sich indes über die Ruhe

Florian hat einen Molch gefangen. "Da!", ruft der Sechsjährige und dreht das Tier in seinen Händen hin und her. "Schau, ein Männchen." Und weg ist er wieder, der Florian. Der Molch auch. Seine Mutter lacht. "Die Kinder sind glücklich. Also haben auch die Mamas eine Ruhe. Und dann kann man sich auch selbst erholen." Katrin reist aus Oberursel in Deutschland in die Obersteiermark. "Du hast hier ein Stück total heile Welt", beschreibt sie den "Michlbauern", wo sie seit vier Jahren regelmäßig Urlaub macht. Seit dem 13. Jahrhundert gibt es den Michlbauer im Mürztal. Urlaub am Bauernhof ist eines der Standbeine von Brigitte und Manfred Holzer, neben Mutterkuhhaltung und Forstwirtschaft. "Wir haben 70 Prozent Stammgäste", rechnet Brigitte vor. "Wir kennen jeden einzelnen Gast, die Gäst' leben mit mit uns und wir mit ihnen."

Zweites Zuhause

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© Bild: Elisabeth Holzer

Einer dieser Stammgäste ist Esther aus St. Pölten. Zum sechsten Mal ist sie mit ihrem Sohn Michael, 10, bereits da. "Wir verbringen auch Weihnachten hier. Es ist irgendwie unser zweites Zuhause geworden." Unter den Kindern seien tolle Freundschaften entstanden. "Es ist voll nett, weil du hier die Leute triffst, die jedes Jahr wiederkommen", überlegt Esther und wippt ein bisschen in der Hollywoodschaukel neben dem Badeteich. Nicola, ebenfalls aus St. Pölten, grinst. "Ich verbring' den ganzen Urlaub hier in der Schaukel ..." Ein paar der Kinder suchen Emma. Emma, das ist ein Hendl, gepflegt von Fabian, einem der vier Kinder der Landwirte. Und Fluffy natürlich, das Kätzchen. "Im Stall war's", ruft Johanna und hat Fluffy am Arm. "Deshalb bin ich jetzt so dreckig."

Kinder lieben Tiere

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© Bild: Elisabeth Holzer

Tiere sind Kindermagneten. Das ist einer der Gründe, warum Nicola so gerne Urlaub am Bauernhof macht. Kühe, Pferde, Hunde, Hasen und zwei Lamas leben beim Michlbauer. "Der thematische Unterschied zu dem, wo wir wohnen, ist der Hammer", betont Nicola. "Schon wegen der Luft. Es ist auch wichtig, dass die Kinder regelmäßig Natur erleben." Das klappt bei den Holzers, die sich gerne bei der täglichen Arbeit von den kleinen Gästen helfen lassen. Eier sammeln, Hühner und Hasen füttern, Heu schupfen. "Da gibt's genug zu tun und manchmal sogar ein bisserl einen Streit, damit auch jeder ein Ei von den Hendeln zu mir bringen kann", schmunzelt die Bäuerin.

Auf dem Bauernhof ist immer was los

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© Bild: Elisabeth Holzer

Lilith rastet derweil auf ihrem Luftmatratzen-Wal. Ständig in den kleinen See neben dem Bauernhaus zu hüpfen macht halt müde. Und Pferde schauen und Hasen besuchen auch. Deshalb ist die Kleine ja auch so gerne am Hof. "Weil wir zu den Tieren gehen können", sagt die Sechsjährige. Florian hat mittlerweile den nächsten Molch aus dem Teich gefischt. Das Fangen der kleinen Schwanzlurche und das "leckere Essen" freuen ihn am meisten hier am Hof. "Schau her", jubelt er und drückt der Besucherin ein Tier in die Hand. "Ich hol' dir noch einen."

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011