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Reise
12/13/2015

Die längste Zugfahrt der Welt

Mit dem Zug von Peking nach Moskau zu fahren ist wohl für viele reisefreudige Menschen ein lang ersehnter Traum. Im Zarengold kann man sich diesen Traum auf komfortable Art und Weise erfüllen.

Das Schlimmste in Russland ist, wenn die Suppe kalt und der Wodka warm ist." Das erzählt die Reiseleiterin Irina und reicht dazu verschiedene Sorten des russischen Nationalgetränks im Speisewagen. "Na starówkę!", sagt sie, und die zahlreichen Gäste im Zug tun es ihr gleich. Wir nehmen einen Schluck des Getränks, dessen Name übersetzt so viel wie "Wässerchen" bedeutet. Es wird nicht der letzte sein auf der Reise quer durch Sibirien.

Unsere Reise beginnt jedoch nicht im Zug, sondern im Flugzeug. Von Moskau aus dauert der Flug rund fünf Stunden, bis man in der Region rund um Irkutsk ankommt, der größten Stadt Ost-Sibiriens. Von dort aus soll es mit der Transsibirischen Eisenbahn in Richtung Osten gehen. Von Osten bzw. Asien zurück nach Europa zu fahren, hat laut "Transsib"-Kennern einen entscheidenden Vorteil: Durch die Zeitverschiebung gewinnt man während der langen Fahrten nahezu jede Nacht eine Stunde zurück. Doch bevor es auf die Schiene geht, startet unsere Reise in einem Hotel im kleinen Städchen Listwjanka, direkt am Ufer des Baikalsee.
Der erste Programmpunkt ist eine Bootsfahrt auf dem gigantischen See, er ist die größte Süßwasseransammlung der Erde. Ob es die atemberaubenden Eindrücke des Sees und der umliegenden Landschaft oder die frische sibirische Morgenluft sind, ist nicht ganz klar: Die Müdigkeit der langen Reise ist jedenfalls wie weggeblasen.

Zu Gast bei Einheimischen

Nach der Bootsfahrt geht es zu einer russischen Familie in ihre Datsche. Dabei handelt es sich um ein Gartenhaus, das zumeist in den Sommermonaten bewohnt wird. Die Zutaten fürs Essen kommen zum Teil direkt aus dem Garten. Typisch russisch der Speiseplan: Brot, Kohlsuppe, Kartoffeln und Fleisch. Dazu Wodka, danach Schwarztee mit sibirischem Honig. Nach dem Mittagessen geht es noch auf einen nahe gelegenen Berg, um die Aussicht über den Baikalsee zu genießen. Danach noch ins Dorfmuseum in Listwjanka, um den Tag schließlich beim Abendessen im Hotel ausklingen zu lassen.

Erst am Tag darauf treffen wir auf unseren Zug. Der Zarengold ist kein Linienzug, sondern ein Sonderzug mit Menschen, die eines gemeinsam haben: Den Traum, einmal die "Transsib" zu fahren, die längste durchgehende Eisenbahnstrecke der Welt. Rund 180 Gäste aus knapp 20 Nationen sind es diesmal, 17 verschiedene Sprachen werden an Bord gesprochen. Unterhält man sich mit den Mitreisenden, hört man immer wieder das Gleiche: Es ist ein Lebenstraum, den sich viele mit dieser Sonderzugfahrt erfüllen. Der Zug ist zum Zeitpunkt unseres Zusteigens bereits von Peking aus über die Mongolei bis nach Listwjanka gereist.

Zugausstattung

Ein Schlafwagenabteil für vier Personen ist die günstigste, aber auch engste Variante. Etwas komfortabler ist es im Zweierabteil. Luxuriös wird es in den Kategorien "Bolschoi". Hier haben die Reisenden teilweise sogar ein eigenes Bad und eine eigene Toilette im Waggon. Mit den Wagen der höheren Kategorien fuhren schon hohe Offiziere zu Zeiten der Sowjetunion durch das Land. Obwohl sie modernisiert wurden, ist ein gutes Stück russischer Charme erhalten geblieben.
Gleiches gilt für die Speisewagen und die Küche. Die Versorgung aller Zuggäste mit Essen stellt das Personal vor eine Herausforderung: Weil die Kapazitäten nicht ausreichen, um für alle Passagiere auf einmal zu kochen, gibt es einen Zeitplan, wann welche Gruppe essen geht. Das funktionierte immer erstaunlich gut und es stand immer warme Suppe (und oft auch kalter Wodka danach) im Speisewagen bereit. Auch mit Sonderwünschen, wie etwa vegetarischer Kost, hat das Zugpersonal keine Schwierigkeiten.
Erster Halt des Zuges ist die Stadt Irkutsk. Mit knapp 600.000 Einwohnern ist es die größte Stadt Ost-Sibiriens. Sie präsentiert sich sehr facetten- und kontrastreich. Hier sieht man einige prachtvoll aufwendig restaurierte historische Holzhäuser. Neben diesen schönen Bauten befinden sich viele heruntergekommene Häuser. Wir besuchen die Markthalle, in der reges Treiben herrscht. Gemüse, Fleisch, imposante Torten und sibirischer Honig werden angeboten. Danach spazieren wir durch die Fußgängerzone des Ortes und gönnen uns bei einem der zahlreichen Stände einen Becher Kwas. Das vergorene Getränk wird aufgrund seines Geruchs auch Brottrunk genannt und ist eisgekühlt eine beliebte Sommererfrischung in Russland. Für den mitteleuropäischen Gaumen ist es allerdings etwas gewöhnungsbedürftig.

Fahrt genießen

Während es mit dem Zug weiter durch die Taiga geht, werden in den Abteilen über das Audio-System Vorträge über die Geschichte Russlands und des Gebietes, das man gerade durchquert, geliefert. Viele der Passagiere lauschen, während andere einfach durch das Fenster die sibirische Landschaft beobachten, lesen oder hören Musik. Die Stimmung im Zug ist entspannt, die Reisenden unterhalten sich auf den Gängen. Am Nachmittag findet die Wodka-Verkostung statt. Reiseleiterin Irina trägt dazu traditionelle russische Kleidung, erzählt Witze und allerlei lustige Fakten über das Getränk. "Ausatmen, trinken, einatmen," ist die richtige Art, das russische Nationalgetränk zu sich zu nehmen.
Der nächste Zugstopp ist Nowosibirsk "die Sowjetischste aller Städte". Es ist ein extrem heißer Tag, die Temperaturen sind bereits auf über 30 Grad geklettert, als wir den angenehm klimatisierten Sonderzug verlassen. Auf dem Bahnsteig wartet eine russische Tänzergruppe, gleichzeitig werden traditionell Brot und Salz serviert. Die Innenstadt von Nowosibirsk präsentiert sich bei der Rundfahrt als modern und sauber. Es sind vorwiegend junge Menschen, die sich durch die Innenstadt bewegen und in den zahlreichen Restaurants und Cafés sitzen. Am nächsten Tag erreicht unser Sonderzug Jekaterinburg. Die "Kathedrale auf dem Blut" in der Hauptstadt des Ural steht an jener Stelle, wo 1918 die letzte Zarenfamilie ermordet wurde.

Abschied nehmen

Westlich der Stadt befindet sich die geografische Grenze zwischen Europa und Asien. Grund genug für die Gruppe, mit einem Glas Sekt anzustoßen.

Unsere kürzere Reise endet in Jekatarinburg, während die restliche Gruppe die Fahrt bis Moskau fortsetzt. Die Eindrücke, die bleiben, sind vielfältig. Es sind vor allem die atemberaubenden Landschaften, die facettenreichen Städte und die vielen unterschiedlichen Menschen, die wir auf dieser Zugfahrt kennenlernen durften.

Info

ZarengoldBesonders mit Gepäck kann es im Viererabteil sehr eng werden, die besseren Klassen bieten jedoch meist ausreichend Platz, um komfortabel zu reisen. Reisende mit leichtem Schlaf sollten für die Nachtstunden Ohrenstöpsel einpacken. Im Sonderzug treffen Menschen aus verschiedensten Nationen aufeinander. Entsprechend interessant sind die Begegnungen im Zug und im Speisewagen. Die Essens- und Getränkeauswahl an Bord weiß zu beeindrucken.
HighlightsZu den Höhepunkten auf der Reise zählen neben den besuchten Metropolen die imposanten Landschaften. Auch das wahlweise angebotene Bad im Baikalsee und das Grillen bleiben einem lange in Erinnerung. Die Chance, gegen eine geringe Gebühr einen Teil der Strecke vorne auf der Lok mitzufahren, sollte man sich nicht entgehen lassen.

PauschalreiseZarengold“ – 16-tägige Sonderzugreise von Peking nach Moskau

Termine: 2016 18. 6.–3. 7., 16. 7.–31. 7., 20. 8.–4. 9., 17. 9.–2. 10.
Termine für umgekehrte Route von Moskau nach Peking (Preis auf Anfrage) 11. 6.–26. 6., 9. 7.–24. 7., 13. 8.–28. 8., 10. 9.–25. 9.

Preis ab 3990 € pro Person im 4-Bett-Abteil, gehobener Standard Superior 6230 € p. P., Bolschoi Platinum 13.000 € p. P., Saisonaufschlag: 180 € für die Termine 16. 7., 20. 8., 17. 9.

Zuflüge ab/bis Wien ab 220 € p.P

Ausflugspakete Russland: Schifffahrt auf dem Baikalsee und Freilichtmuseum in Irkutsk inkl. Mahlzeiten, Kreml-Innenbesichtigung sowie Lichterrundfahrt in Moskau mit Metro-Besichtigung: 235 € p. P.
Mongolei: Ausflug in die Mongolische Schweiz inkl. kleiner Reiterschau und Mittagessen sowie Programm in Ulan Ude: 95 € p.P.

Info & Buchung: Raiffeisen Reisebüro, 01/313 75-82, eMail: buze@raiffeisen-reisen.at