Reise
28.02.2018

Mit Benni Raich auf den Pitztaler Pisten

Ski fahren auf unverspurten Hängen in der Morgensonne und die Blaue Stunde im Pistenbully genießen.Ein Erlebnis mit Benni Raich.

Still und finster ist es bei der Hochzeiger Gondelbahn kurz nach sieben Uhr in der Früh. Ein Mitarbeiter der Bergbahnen leert Mistkübeln aus und arretiert die von der Après-Ski-Gesellschaft am Vorabend hinterlassenen Tschick.

Aus der Zirben-Bäckerei in der Talstation duften die frischen Kipferln, die uns zum Cappuccino serviert werden, bevor wir mit Zweifach-Olympiasieger und Dreifach-Weltmeister Benni Raich zur "Pitzis Morgenrunde" aufbrechen. Auf dem Weg Richtung Bergstation bricht die "Blaue Stunde" an. Für die exklusive Early-Bird-Fahrt, die auch Urlauber buchen können (siehe Info), wird die Seilbahn vor dem offiziellen Beginn in Betrieb genommen.

Der Pitztaler Ex-Rennläufer erzählt von seiner Heimat, seinen Kindern Josef (2,5) und Jakob (7 Monate) und seinem Terminkalender, der auch nach seiner aktiven Sportlerkarriere prall gefüllt ist.

Frühaufstehen lohnt sich

Auf dem Gipfel begrüßen uns die wärmenden Strahlen der Morgensonne. Kein Mensch weit und breit. Benni Raich, der in drei Tagen seinen 40. Geburtstag feiern wird, zeigt uns seine Aufwärmübungen "auf der Einserpiste" und die Berge zwischen Ötztal und Kaunertal. Mit dem Pitztaler Gletscher gilt es als höchstes Skigebiet Österreichs (3440 m), in dem sich die Häuser bis in eine Höhe von mehr als 1700 Meter in die Landschaft schmiegen. Hier auf dem Dach Tirols finden Gäste hochalpine Herausforderungen genauso wie familienfreundliche Pisten. "Ich habe als Kind auf der Böschung vor der Haustür in Leins mit dem Opa das Skifahren gelernt." Damals war Benni zwei Jahre alt.

Heute fährt er mit uns auf der ihm gewidmeten, schwarzen "Benni-Raich-Strecke" zügig hinunter. Ihm hinterher, ziehen wir keuchend unsere Schwünge auf glattrasierten, völlig unverspurten Pisten. Erst sanfte Hänge, dann die Zirbenfallabfahrt mit 80 Prozent Gefälle. Blitzblauer Himmel, g’führiger Schnee. Die Early-Bird-Gäste tirilieren.

Um zehn Uhr – für uns gefühlte Mittagszeit – geht es zum Bergfrühstück, das alle Stückeln spielt, in die Bierlounge der Mittelstation. Freundlich und geduldig erfüllt Benni Selfie-Wünsche der Gäste, die ihn im Restaurant erkennen, bevor er von seinem Leben erzählt. "Für mich hat es ja nur Skifahren gegeben. Daneben die Familie und die Arbeit am Hof. Ich war sehr überlegt und konsequent." Seine Konsequenz und mentale Stärke hat sich vor 19 Jahren ausgezahlt. "Am Anfang der Saison im Herbst – das musst du dir vorstellen – hab ich im Slalom in vier Rennen insgesamt 20 Tore gefahren. Mich hat’s immer herkugelt." Und dann kam Kranjska Gora. "Ich war so nervös, dass ich nicht einmal g’scheit die Bindung mit dem Schuh getroffen hab’. Aber nach ein paar ruhigen Schwüngen hab’ ich das Gefühl wieder drin gehabt". Damit begann die unglaubliche Karriere des Pitztaler Bergbauernbuben: Innerhalb von zwei Wochen drei erste – darunter in Schladming vom 23. Platz im ersten Durchgang auf das Siegespodest im zweiten – und zwei dritte Plätze. Trotz seiner Höhenflüge ist Benni Raich auf dem Boden geblieben. Das schätzen die Gäste, die ihm im Pitztal begegnen.

Vielfalt im Schnee

Während der Tiroler vom Hochzeiger nach Hause zu Ehefrau Marlies und den Kindern eilt, bleibt uns Hobbyskifahrern die Qual der Wahl: Schneeschuhwandern, Snowbike-Fahren, Rodeln oder Skitourengehen? Wir entscheiden uns für Letzteres. Bevor die Profis Herbert und Sepp frische Spuren auf den Zollberg ziehen, damit wir uns im Tiefschnee nicht so plagen müssen, wird uns die Leih-Ausrüstung genau erklärt. Dazu gehören die richtigen Brettln und die Montage der Felle. Neu auf dem Markt sind Tourenskier, mit denen man nach wie vor hervorragend aufsteigen kann, die aber jetzt schon fast so viel Spaß beim Tiefschneefahren machen wie die breiten Powder-Latten der Freerider.

Im Rucksack eines Skitourengehers sollte auch immer eine Sicherheitsausrüstung sein: Helm, Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (LVS), Lawinenschaufel und -sonde, Safety-Set, Erste-Hilfe-Bag, Biwaksack und im besten Fall ein Lawinen-Airbag, der schon vielen Geländefreaks das Leben gerettet hat.

Gut ausgestattet und voll motiviert steigen wir gemütlich auf. Meterhoher Schnee, blitzblauer Himmel. Und auf dem Gipfel ein Schnapserl aus dem Skistock vom Sepp. Der versierte Guide weiß, wie man Anfänger motiviert und Fortgeschrittene süchtig auf das Skigebiet mitten in den Zirbenwäldern rund um den Hochzeiger macht.

Spaß im Pistenbully

Ein ganz anderes Erlebnis zur "Blauen Stunde" der Dämmerung sind die Fahrten mit den gigantischen Raupen, die Nacht für Nacht die Pisten wieder in Form bringen. Sie wiegen zwölf Tonnen, sind viereinhalb Meter breit, haben 500 PS, schwärmen um 16.30 Uhr, wenn die Lifte gesperrt sind, aus und kehren um Mitternacht zurück.

Urlauber können im Pistenbully direkt neben einem der sechs Fahrer einchecken (siehe Info) und live dabei sein. Thomas zeigt uns die Herausforderungen der Pistenpräparierung. Seit 15 Jahren chauffiert er dieses Monstergefährt. Selbst bei Schneetreiben erkennt er jeden der 40 Pistenkilometer.

Angenehm müde und doch aufgekratzt von so viel Abwechslung auf und abseits der Piste, freuen wir uns auf eine deftige Kaspressknödelsuppe. Und auf den nächsten Tag: Da werden wir uns am Abend an der Talstation eine Rodel ausborgen und auf der beleuchteten Naturrodelbahn 550 Höhenmeter von der Mittelstation ins Tal sausen.

Info

Anreise Direkt von Wien nach Imst mit den ÖBB. Von dort mit dem Taxi zum jeweiligen Quartier. www.oebb.at

Skipass Hochzeiger 1-Tages-Karte 44 € Erw., Jugendl. 27 €. Mit dem „Bambini-Freipass“ fahren Kinder unter 10 J. in Begleitung eines Elternteils gratis. Wahlskipass 6 Tage, davon 5 Skitage, inkl. Rodelabend 188 € f. Erwachsene.

Pitzis Morgenrunde Um 7.30 Uhr geht es auf unverspurte Pisten. Anschließend Bergfrühstück im Zeigerrestaurant. Immer mittwochs, 49 € p. Person.

Pistenbully-Fahrt ab 16.15 Uhr neben dem Fahrer eines 12 Tonnen schweren Pistenbullys über die Pisten rattern. Ein Erlebnis! Montags, mittwochs, freitags 45 Minuten um 51 € f. Erwachsene, 31 € f. Kinder.

Rodeln Jeden Donnerstag Rodelabend auf der Tanzalm. Gondelbahn am Hochzeiger von 19.30 bis 21 Uhr in Betrieb (2 Bergfahrten 15 € Erw., Jugendl. 9 €). 6 km beleuchtete Bahn.

EventsPitztal Wild Face“, das härteste Freeride-Rennen der Welt, am 9. und 10. März 2018
– „Hochzeiger rockt “ Tribute Musikfestival, 23. bis 25. März 2018, www.pitztal.com
– „Firn, Wein & Genuss“-Tage, 20. und 21. April, die besten Winzer Österreichs im Pitztal.

Hotel Panorama Alpin 4*, in Jerzens, www.panorama-alpin.at

Auskunft Tourismusverband Pitztal, Tel. 05414 86999-15, www.pitztal.com