Reise 05.12.2011

So ein Schweiß

© Bild: KURIER/Wilhelm Schraml

Getestet: Atmungsaktiv? Bergsport-Textilien halten nicht immer, was die Hersteller versprechen. Das Resümee einer langen Wanderwoche

Wir haben die Höhenmeter und Stunden, die wir unterwegs waren, nicht gezählt. Wir haben einiges erlebt in dieser Wander-Woche. Wir hatten dabei auch Gelegenheit, die Sportartikel-Industrie beim Wort zu nehmen. Diese entwickelt immer gefinkeltere Textilien für den Bergsport. Und verspricht dabei Tragekomfort auf angeblich immer höherem Niveau.
Im Einsatz waren Hosen, T-Shirts und Outdoor-Jacken der beiden österreichischen Anbieter Löffler (Ried im Innkreis) und Northland (Graz) sowie der deutschen Firma Schöffel (neue Österreich-Filiale in Innsbruck). Wir haben sie - im Schweiße unseres Angesichts - getestet.

Die Kunst der Faser

Bunte Vögel am Ziel: Karierte Hemden und dicke Wadlwärmer sind out. Die Sportartikelindustrie bringt viel Hightech und Farbe in die Berge
© Bild: KURIER/Wilhelm Schraml

Am Ziel angekommen, lässt sich sagen, dass sich zwischen der Sommerfrische des 20. und des 21. Jahrhunderts textiltechnisch gleich mehrere Welten auftun. Doch nicht immer ist die Kunst- besser als die Naturfaser. Mögen die Materialien, Herstellungsprozesse und Werbebotschaften der modernen Tex-Produzenten noch so ausgeklügelt sein, spätestens auf dem Berg schlägt für sie die Stunde der Wahrheit.

Von wegen atmungsaktiv und zugleich wasserundurchlässig! Ein erfahrener Bergführer sagt so: "Entweder der Stoff ist durchlässig, dann wirst du halt nass, wenn es regnet. Oder der Stoff lässt das Wasser nicht durch. Dann wirst du zwangsläufig schwitzen." Der Obmann des Sportartikelhandels in der Wirtschaftskammer, Ernst Aichinger will da gar nichts beschönigen: "100 Prozent atmungsaktiv und 100 Prozent wasserdicht, das geht nicht, Es ist immer ein Kompromiss zwischen beiden Extremen." Der Handel mit Outdoor-Kleidung rechnet heuer mit einem Umsatzplus zwischen vier und fünf Prozent.

Manche Bergsteiger lehnen 100 Prozent Polyester ganz ab und kehren zurück zu Altbewährtem. "Unterwäsche aus Schafwolle geht weg wie warme Semmeln", sagt Gregor Schwenk, Chef des "Bergfuchs" in Wien VII. Der Trend zu Merino beschränkt sich aber längst nicht mehr auf die Untergatte des Wandersmannes.

Die Technik des Beutelns

"Naturfaser ist hautverträglich und kratzt nicht", erklärt Schwenk. Besonders angenehm: "Der Plastik-Schweißgeruch ist kein Thema mehr, es riecht höchstens ein bisserl nach Schaf." Die Stärke der Naturfaser: Schweiß und Wasser lassen sich aus dem Gewebe schütteln, weil die langen Fasern der Schafwolle mit einer Fettschicht isoliert sind. Ein Trekker mit Himalajaerfahrung sagt: "Wenn man in der Sonne schwitzt, und dann in den Schatten kommt, fühlt sich das Gewebe nicht kalt an, sondern bleibt warm."

Minuspunkte gibt's bei der Haltbarkeit: Wolle zerreißt leichter als Kunstfaser. Und von wegen Natur pur. Schwenk: "Geflickt wird heutzutage nichts mehr." Klar so weit?
Fassen wir zusammen: Ob ultraleichter Windschutz oder wollige Wärme, die neue Leichtigkeit des Gehens ist ein echter Gewinn für die, die noch immer und immer wieder gerne die Welt zu Fuß erkunden.

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Erstellt am 05.12.2011