Reise
11.06.2017

Seitenwechsel am Gardasee: So reizvoll ist das Westufer

Die meisten Besucher zieht es an das Ostufer, doch auch der lombardische Westen hat einiges zu bieten.

Francos Deutsch ist nicht immer ganz verständlich, aber das macht nichts: Um seine Begeisterung für die berühmten Zitronen von Limone zu vermitteln, braucht der über 70-Jährige nicht viele Worte. Die energischen Gesten und das Strahlen in seinen Augen, als er durch den 300 Jahre alten Zitronengarten Limonaia del Castèl oberhalb seines Heimartortes führt, sagen ohnehin alles. Was macht sie so besonders, die Zitrusfrüchte vom Gardasee? Es sind die nördlichsten von Europa, erklärt Franco, begünstigt durch das einzigartige, milde Klima rund um den See.

Auch Goethe gefiel es hier: "Wir fuhren bei Limone vorbei, dessen Berggärten, terrassenweise angelegt und mit Zitronenbäumen bepflanzt, ein reiches und reinliches Ansehen geben", notierte er 1786 in sein Reisetagebuch. Die Zitrusfrucht begleitet einen im verwinkelten 1000-Einwohner-Dorf überallhin. Nur der Ortsname hat mit saurem Obst nichts zu tun: Er leitet sich vom lateinischen Wort limes ab, weil hier bis 1919 die Grenze zwischen Italien und Österreich-Ungarn verlief.

Limone mag der Hauptanziehungspunkt für Touristen am Westufer des Gardasees sein, nicht aber der einzige: Im eleganten Grand Hotel von Gardone nächtigten schon Winston Churchill und der englische König George V. Dabei war es ein Weinviertler, der die Hautevolée Ende des 18. Jahrhunderts an den See brachte: Nach einem längeren Kuraufenthalt war der Ingenieur Luigi Wimmer vom wohltuenden Klima in Gardone so begeistert, dass er direkt an der Promenade das luxuriöse Grand Hotel erbauen ließ.

Unweit des gediegenen Vier-Sterne-Hotels lockt das Werk eines weiteren Österreichers die Touristen nach Gardone: Der botanische Garten von André Heller ist immer noch gut besucht, obwohl sich der Künstler mittlerweile hauptsächlich seinem Gartenprojekt in Marrakesch widmet. Die schillerndste Persönlichkeit am westlichen Gardasee ist ohnehin ein anderer, zumindest deutet sein imposantes Vermächtnis darauf hin: Der wegen seiner Freundschaft zu Mussolini in Verruf geratene Schriftsteller und Frauenfreund Gabriele D’Annunzio (1863–1938) bewohnte ein neun Hektar großes Anwesen inklusive Freilufttheater, Hundefriedhof, Mausoleum und im Park aufgestelltem Kriegsschiff. Wer das "Vittoriale degli Italiani" besucht, kann sich vorstellen, wie exzentrisch D’Annunzio gewesen sein muss.

Idyllischer geht es auf der Isola del Garda zu, die sich perfekt für einen Tagesausflug eignet: Die größte und einzig private Insel im See gehört Gräfin Cavazza und ihren sieben Kindern, von denen drei auf der Insel leben. 2001 hat die Adelsfamilie ihr Eiland für Gäste geöffnet – von Mai bis Oktober können Touristen den unberührten Park, den prächtigen englischen Garten und Teile der Villa besichtigen. Mit ein bisschen Glück beobachtet man dabei sogar eine echte Gräfin, wie sie ihre Rosen schneidet.

Info

Anreise Am bequemsten reist man mit dem Nightjet der ÖBB: Ab Wien oder Salzburg täglich und direkt nach Desenzano. Weitere Halte: Verona, Peschiera. Am günstigsten ist der Sitzwagen, komfortabler der Schlafwagen für max. 3 Personen – inkl. Frühstück. Sparschiene-Tickets ab 39 €/Richtung. Information und Buchung: www.nightjet.com sowie an jedem ÖBB-Ticketschalter.

Essen & Trinken Ristorante Gemma: Hervorragende Küche in bester Lage von Limone. www.ristorantegemma.it

– Ristorante Rosa: An der eleganten Promenade von Saló gelegen. www.ristoranterosasalo.it

– Das beste Eis gibt es in Sirmione.

Hoteltipp 4* Grand Hotel Gardone: Geschichtsträchtiges Haus an der Seepromenade mit exquisiter, lokaler Küche. DZ inkl. Frühstück ab 185 €, Aufpreis HP 35 €.

Auskunft Italienische Zentrale für Tourismus ENIT: www.enit.at, ☎ 01/ 505 16 39, vienna@enit.it

– Consorzio Garda Lombardia: www.gardalombardia.it