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Reise
05/16/2019

Schwarzwald: Sanftes Wandern – mit oder ohne Schuh’

Barfußwandern, Kuckucksuhren und rustikale Hütten: Der Südwesten Deutschlands bietet Wanderwege für jeden Geschmack.

von Ute Brühl

Am Ende wird es so sein, dass mir meine Füße Vorwürfe machen: „Warum ziehst du mir diese klobigen Wanderschuhe wieder an?“ Eine gute Stunde dürfen sie völlig unbelastet durch den Schwarzwald streifen. Nicht einfach so. Begleitet wird unsere Gruppe von Markus Dutschke, der es sich vor vielen Jahren zur Gewohnheit gemacht hat, sich im Sommer die Schuhe auszuziehen.

Lichtpunkte, die schwirren

Nach anfänglicher Skepsis ist die Begeisterung groß. Ich trete ins weiche Moos, spüre die kühle Glätte der Steine und merke, dass die Erde nicht „grindig“, sondern ein feiner Untergrund für die Füße ist. Und weil ich bloßfüßig gehe, schaue ich viel bewusster, wohin ich trete – will ich doch spitze Steine und kleine Ästchen unter den Sohlen vermeiden. „Schaut in den Horizont und lasst den Blick verschwimmen“, fordert uns Dutschke nach einer halben Stunde auf. „Seht ihr jetzt Lichtpunkte hin und her schwirren?“

Einfach nur "runterkommen"

Das alles klingt sehr esoterisch. Den Spaziergang kann man so erleben, muss man aber nicht. Er tut einfach nur Körper und Seele gut. Was heute als „Waldbaden“ groß in Mode ist, war früher einfach „Urlaub im Luftkurort oder im heilklimatischen Kurort“. Der Sportmediziner Nicolaus Prinz kann diesem Retro-Urlaub viel abgewinnen: „Wer ein bis zwei Mal in der Woche für vier Stunden in den Wald geht, stärkt das Immunsystem: Der kühle Wind über der Haut wirkt ähnlich wie das Kneippen.“ Die harzige Luft, das UV-Licht und das satte Grün, unterbrochen von dem Blau der Heidelbeeren, die hier wie Unkraut aus dem Boden sprießen – all das hilft, „runterzukommen“.

Urtümlich

Die nächste Tour führt uns durch den „Menzenschwander Geißenpfad“ – die wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen . Was die Wanderung besonders reizvoll macht: Die vielen saftigen Wiesen, breite sonnige Wege, gepaart mit Geschichte. Lange bevor es Menschen gab, formten Gletscher diese Landschaft. Genutzt wurde sie später von Köhlern und Flößern. Wie, das kann man auf der Wanderung erleben.

Ortswechsel

Wir fahren einige Kilometer gen Norden – nach Schonach. Hier begrüßt uns jemand, dessen Name schwäbischer nicht sein könnte: Fritz Schätzle. Der leutselige Pensionist weiß, was seine Wiener Gäste interessieren könnte: „Wussten Sie, dass Sie hier auf ehemals vorderösterreichischem Boden gehen? Die Habsburger haben das Handwerk hier gefördert.“ Bis heute über die Grenzen hinaus bekannt ist die Uhrmacherei – die ist auch Thema unserer heutigen Tour „U(h)rwalderlebnispfad Rohrhardsberg“, wo stylische Kuckucksuhren als Nistkästen dienen.

Barfußwanderer

Markus Dutschke führt bloßfüßig durch die Wälder.

Menzenschwander Geißenpfad

Die Gletscher formten die Landschaft.

U(h)rwalderlebnispfad

Fritz Schäztzle führt duch den „U(h)rwalderlebnispfad Rohrhardsberg.

Ausblick

Rast und weiter Ausblick  am Rohrhardsberg.

Kuckucksuhren

Machen das Wandern kurzweilig: Kuckucksuhren begleiten die Tour.

Bauernhaus

Die typischen Bauernhäuser im Südschwarzwald.

Schwedenschanze

Schnitzereien zieren das Gasthaus.

Wolfspfad

Sieht aus wie echt, ist aber nur eine Attrappe: Wolf bei Höchenschwand.

Rosendorf

Idyllisches Nöggenschwiel

St. Blasien

Die größte Kuppelkirche nördlich der Alpen.

Wie in den Alpen

„Hier herrscht ein Klima wie sonst in den Alpen auf 1.600 bis 1.800 Metern“, schwärmt er, als wir die erste Steigung nehmen. „Die Winde kommen vom Meer über die Vogesen und bringen uns gereinigte Luft. Dabei misst der Berg gerade einmal 1.155 Meter – Österreicher würden das eher als Hügel bezeichnen.

Aber gerade das macht den Reiz aus. Hier lässt es sich wunderbar wandern, ohne dass es allzu anstrengend wird. Die Landschaft ist zudem sehr abwechslungsreich: Enge moosbedeckte Strecken wechseln mit Pfaden entlang von Bachläufen und engen Waldwegen. Wir passieren einen Wasserfall, bis sich plötzlich die Landschaft öffnet – welch ein Panorama!

„Schauen wir, ob die Schwedenschanze offen hat“, fordert er die müden Wanderer auf. Und siehe da – wir haben Glück. Das Gasthaus wirkt wie aus einer anderen Zeit: Grüne Kacheln und filigrane Schnitzarbeiten verbreiten Gemütlichkeit. Für jeden Wanderer gibt es ein Bier aus der nahen Brauerei. Dazu gibt es ein Vesper, wie hier die Jause heißt. Guten Appetit!

Wo der Wolf wohnt

Die nächste Station unserer Wandertour ist Höchenschwand an der Schweizer Grenze. Der Ort wurde bewusst als Treffpunkt gewählt: Hier startet der Wolfspfad. „Entlang der Strecke könnte sich das Tier sein Revier zurück erobern“, erläutert Sebastian Stiegeler, der uns begleitet. Die Touristiker haben sich hier besonders viel einfallen lassen, damit es auch den Kindern nicht langweilig wird: So hört man plötzlich einen Wolf heulen, und sobald man sich umschaut, glaubt man, zwei Tiere zu erblicken. Doch keine Angst – es sind nur Attrappen. An einer weiteren Station kann man versuchen, sich ein Wettrennen mit verschiedenen Tieren zu liefern – von der Maus bis zum Geparden. Ergebnis: Einem Wolf wären sie sicher nicht entkommen.

Unsere Tour führt uns weiter durch einen Bannwald, in dem Förster nichts zu suchen haben, hinab in die kühle Ebene und wieder hinauf in den idyllischen Ort Nöggenschwiel. Gerade einmal 500 Einwohner hat das Dorf, das das perfekte Ziel ist für diejenigen, die im Urlaub vor allem eines wollen: ausspannen. Da es keinen Durchzugsverkehr gibt, stören Autos nur selten die Ruhe. Die Gärten und öffentlichen Plätze versprühen einen feinen Duft: „Willkommen im Rosendorf Nöggenschwiel“, sagt Heidi Hilpert vom Verkehrsverein nicht ohne Stolz: „Seit wir vor 50 Jahren bei einem Dorfverschönerungswettbewerb teilgenommen haben, haben wir uns auf die Blumen spezialisiert.“ Jedes Jahr kommen neue Sorten hinzu.

Altes Bauernhaus

Perfekt ins Dorfbild passt auch die Gret-Stube, ein altes Bauernhaus, das von seinen Besitzern liebevoll restauriert wurde. Dazu haben sie eigens alte Türen, Kästen, Eimer und Tische aus der Gegend zusammengetragen und zu einem geschmackvollen Ensemble vereinigt. Die angebotenen Kuchen und Speisen schmecken wie von der Großmutter gemacht.

Info

Anreise von Wien dauert die Fahrt mit  dem Auto nach Schonach  acht Stunden  über München und Stuttgart,  ab Rottweil  Bundesstraße (acht Stunden).   Mit der Bahn nach Freiburg (Dauer neun Stunden). Austrian fliegt den Flughafen Basel direkt an.
 
Beste Reisezeit: Zum Wandern bieten sich die Monate von Mai bis Oktober an.

Essen, Trinken, Übernachten: Hotel Schiff am Schluchsee:  Verfeinerte regionale und internationale Küche. Am besten schmeckt das Essen auf der Terrasse (www.hotel-schluchsee.de) DZ ab  120  €
– Die Zimmer im  Hotel Hirschen am Schluchsee (DZ ab ca. 100 €) sind eine gelungene Mischung aus Moderne und Tradition. Abholservice vom Bahnhof. Feine regionale Küche (www.hirschen-fischbach.de)
– Gret-Stube in Nöggenschwiel (gret-stube.de): Kaffeejause wie bei der Oma. Zimmer sind groß und funktional eingerichtet (DZ ab 80 €), hat auch Ferienwohnungen zur Verfügung.

Tipps Der Schluchsee ist bekannt für Wasser- sportarten wie Stand-up-Paddling, Kanu oder Kajak.
– Wer eine geführte Barfußtour mit Markus Dutschke machen will, wendet sich über barfussing.de an ihn.
– Mit diesem Link lassen sich individuell Wanderrouten zusammenstellen.
– Gertrud Kaltenbach kennt sich mit Kräutern aus und führt Gäste über Wiesen und verkocht  diese mit ihren  Kursteilnehmern  (www.kraeuterwieble.de)

St. Blasien: Wahrzeichen des Ortes ist der Dom mit der größten Kuppelkirche nördlich der Alpen.

Rosendorf Die 50. Nöggelschwieler Rosentage finden vom 12. bis 15. Juli 2019 statt. (www.rosendorf.de)  
 
Auskunft www.tourismus-bw.de (gesamte Region)
www.dasferienland.de  (Ferienregion um Schonach)
www.schwarzwald-tourismus.info (Region rund um Höchenschwand)
www.hochschwarzwald.de
Deutsche Zentrale für Tourismus: germany.travel