Reise
05.12.2011

Routen für Geniesser: Bremen-Lübeck

Schnucke ohne Heide: Lüneburg war vor Jahrhunderten dank eines fünf Kilometer tiefen Salzstocks eine schwerreiche Stadt. Das ist im historischen Stadtkern bis heute zu sehen.

Der Pflichttermin war schnell erledigt. Bei der Statue der berühmten "Bremer Stadtmusikanten" müssen die Vorderbeine des Esels umfasst werden - und der dabei innig bedachte Wunsch wird einem Aberglauben zufolge in Erfüllung gehen.

Die Statue ist an der linken Seite des Rathauses zu finden, einem der schönsten Gotik-Gebäude Europas und zudem eine der Begrenzungen des großen Marktplatzes mitten in der Bremer Altstadt. Allein dort könnte ein Besucher, nach Besichtigung des Schnoorviertels mit seinen mittelalterlichen Gängen, ebenso tagelang einfach nur herumsitzen, schauen und entspannen, wie auf der Weserpromenade Schlachte, wo sich die Gastronomie ausgebreitet hat und u. a. zu stundenlangem Frühstücken verleitet.

Allein, das pulsierende Stadtleben kann nicht lange studiert werden. Bremen ist nur der Ausgangspunkt für die Fahrt Lüneburg. Die rund 130 km ließen sich bequem auf der Autobahn (A1 und dann A250) abspulen, das wäre aber ein Fehler. Denn: Rund um Lüneburg, die Stadt, die der gesamten Region den Namen gegeben hat, gibt es gar kein Heidegebiet mehr. Die Schafe, die hier Heidschnucken genannt werden, wären also in Lüneburg selbst "brotlos".

Stopps

Schnucke ohne Heide, das geht gar nicht. Wer die Lüneburger Heide in Urform sucht, muss daher etwa Soltau oder Schneverdingen anpeilen, 50 km südwestlich von Lüneburg, und von dort auf verwinkelten Straßen durch den Naturschutzpark Lüneburger Heide gondeln, zahlreiche Stopps, Spaziergänge, kleine Wanderungen und Jausen miteingeplant. In diesem Naturschutzpark (und auf mehreren Truppenübungsplätzen weiter südlich) finden sich auch jene Flächen, auf denen die Heideblüte im August und September ganze Landstriche in Lila und Grün taucht.

Die über 1000-jährige Hansestadt Lüneburg war bis nach dem Ende des Mittelalters der Ausgangspunkt der sogenannten "Alten Salzstraße" für den Transport des "Weißen Goldes" nach Lübeck. Die Altstadt ist im zweiten Weltkrieg unversehrt geblieben, und so kann der staunende Besucher ein geschlossenes mittelalterliches Stadtbild betrachten und sich nie daran sattsehen. Er kann die historische Architektur im Stil der Backsteingotik bewundern und in der pittoresken Altstadt spazieren, wo ihm auf Schritt und Tritt der frühere Reichtum dank Salzproduktion begegnet. Außerdem ist die über 70.000 Einwohner zählende Universitätsstadt angeblich die Nummer zwei (hinter Barcelona) in Europa, was die Zahl an gastronomischen Lokalen im Verhältnis zur Kopfzahl betrifft. Wenn das nicht stimmt, ist es gut erfunden, für Essen, Trinken und etwas Nachtleben ist jedenfalls gesorgt.

Langeweile

Das war nicht immer so: Heinrich Heine, dessen Eltern einige Jahre hier wohnten, soll die Stadt seine "Residenz der Langeweile" genannt haben. Das entsprechende Heinrich-Heine-Haus beherbergt heute ein Standesamt (Adresse: Am Ochsenmarkt, ausgerechnet).

Sozusagen Pflicht ist, neben vielen anderen Sehenswürdigkeiten, die Besichtigung des Klosters Lüne (zu Fuß von der Stadtmitte in 20 Minuten zu erreichen), noch mehr aber der Besuch des Deutschen Salzmuseums, wo Besucher zu bestimmten Zeiten sogar selbst Sole auskochen können. Dieses wirklich sehenswerte Industriemuseum steht genau dort, wo 1980 die Salzproduktion endgültig geschlossen wurde.

Museumsdirektor Christian Lamschus, ein streitbarer Mann, war bei der Gründung mit allerlei Widerständen konfrontiert, freut sich aber über bis zu 70.000 Besucher pro Jahr. Über die heutige "Alte Salzstraße" berichtet er, dass der Begriff eigentlich eine "Erfindung des Tourismus-Marketing in den 1950er-Jahren" sei. Auf der Reise nach Lübeck kämen mit Lauenburg und Mölln noch "zwei niedliche Städtchen", sonst sei aber "nicht viel los" - und die Salzstraße selbst sowieso in großen Teilen verschwunden.

Da hat er fraglos recht, was der gemütlichen Weiterfahrt mit einem souveränen Achtzylinder aber keinen Abbruch tut. Lauenburg, 20 km nördlich von Lüneburg, ist ein wenig verschlafen, lädt aber zu einem Spaziergang durch die Altstadt mit einer Anzahl sehr gut restaurierter, wunderschöner Fachwerkbauten ein. Das gilt auch für Mölln, wo der Tourist zudem an allerlei Ecken auf den Stadtsohn Till Eulenspiegel trifft, dem hier sogar ein kleines Museum gewidmet ist.

Baustelle

Auf der Weiterfahrt lohnt eine Pause in Ratzeburg, dessen schmucker Stadtkern - mit dem hier überall unvermeidlichen Backstein-Dom - malerisch von vier Seen umgeben ist. Nach Lübeck ist es jetzt nur noch ein Katzensprung. Die Bundesstraße 207 erweist sich als sehr stark befahren.

Lübeck in Stichworten: Holstentor, ehemalige Salzspeicher und ein wunderschönes Rathaus, vor dessen hinterer Fassade in der Fußgängerzone allerdings Ende Mai eine Großbaustelle klaffte. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten (Buddenbrookhaus usw.) warten, für Ausflüge bietet sich das Seebad Travemünde an - und für Kaloriensünden das Marzipan, für das die Stadt berühmt ist. Und der Österreicher findet sogar ein "Wiener Caféhaus" - in welchem die Bedienung freundlich ist.

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