© Manfred Ruthner

Pürgg
11/29/2019

Advent im "Kripperl der Steiermark"

So benannte Peter Rosegger, Waldbauernbub und bekannter Heimatdichter, den idyllisch auf einem Bergrücken im Ennstal gelegenen Ort.

Eine Kirche und ein paar Häuser schmiegen sich an den Hang. An der Bundesstraße Richtung Ausseerland macht ein versteckter Wegweiser auf Pürgg aufmerksam. Beim Parkplatz vor der Ortstafel ist für den Autoverkehr Schluss. Von hier geht man zu Fuß, der Kirchturm weist die Richtung.

Etwas abseits konnte der Ort bis heute seinen Charme bewahren. Gegenüber dem Grimming, am Rande eines Hochplateaus über dem Ennstal, präsentiert sich Pürgg als Schmuckkästchen. Alte, wunderschön erhaltene Bauernhäuser scharen sich um Dorfplatz und Kirche. Die meisten Häuser haben schon hunderte Jahre überdauert.

Die Geschichte des Gasthofs Krenn reicht weit zurück. Der Betrieb nahm im 14. Jh. seinen Anfang als Taverne. Vor einigen Jahren setzte die Wirtin und spätere Bürgermeisterin, Barbara Krenn, mit dem Tourismusverband eine lange gereifte Idee um: Im „Kripperl der Steiermark“ sollen im Advent alle Häuser Besuchern offen stehen.

Traditionelles Handwerk, regionale Schmankerl und Bastelarbeiten werden angeboten. Der Pürgger Advent kommt ohne Stände und Beschallung aus. Stimmungsvoll kann so das einzigartige Ambiente wirken. Der Ort ist von einem besonderen Zauber erfüllt, wenn sich an den ersten beiden Adventwochenenden alle vorweihnachtlich geschmückten Häuser den Besuchern öffnen und Pürgg im Sinne von Peter Rosegger, zu einer wahren Krippe machen.

An den Holzzäunen stecken Reisigbüschel und Mispelzweige. Der Schnee knirscht unter den Füßen, es ist kalt. Man spaziert vorbei am Gemischtwarenladen, das Schild über dem Eingang könnte aus Großmutters Zeiten stammen. Der eckige Turm der Pfarrkirche kommt näher. Das Tor am Westportal trägt zur Abwehr böser Geister Spiralen aus Schmiedeeisen. Über eine Brücke ist die Kirche mit dem Pfarrhof verbunden, damit Hochwürden auch in den strengen obersteirischen Wintern trockenen Fußes ins Gotteshaus gelangen konnte.

Der Pfarrhof war wahrscheinlich einst Teil der Burg Grauscharn, die auf dieser Anhöhe als Pfalzburg für Markgraf Ottokar III. diente und der Herrschaftsmittelpunkt für die Grafschaft Ennstal.

Maroni und Zirbenbrand

Im Advent stehen auch die schmucken barocken Gemächer des Pfarrhofs offen, als stimmungsvoller, mannigfaltiger Adventmarkt. Von fleißigen Frauen wird Wolle gesponnen, flinke Hände schaffen feine Handarbeiten. Aus einem anderen Raum strömt Wachsduft, hier werden mit viel Geduld Kerzen von Hand gezogen. Im Keller verkostet man kräftige Schnäpse und Liköre. Während der Zirbenbrand die Erwachsenen wärmt, warten im Hof die Kinder geduldig vor einem alten Maronibrater oder beobachten Alpakas im Streichelzoo.

Beim Rundgang durch den Ort wird man immer wieder zum Kosten steirischer Spezialitäten verführt. Ein Muss: Die deftigen Steirerkrapfen, gefüllt mit gestampften Erdäpfeln, Sauerkraut oder Graukäse.

In einer Scheune wird eine riesige Landschaftskrippe gezeigt, die verschiedene Szenen aus dem Leben Jesu darstellt. Ein Tischler erklärt, wie man mit alter Gerätschaft aus klobigen Holzstücken Kunstwerke schnitzen kann. Jeder Blick durch eines der offenen Haustore lässt Traditionen einer längst vergangenen Zeit lebendig werden. Am Ortsende steht das Haus des früheren Schlossers, die alten Holzbalken der Außenwände sind mit historischen Werkzeugen behängt.

Auf einer freien Anhöhe thront die kleine romanische Johanneskapelle. Während des Pürgger Advents lässt es sich der Kurator nicht nehmen, persönlich die geschichtlichen Hintergründe zu diesem Bauwerk und den Fresken aus dem 12. Jahrhundert zu erklären. Ein Beispiel für die vielen Darstellungen ist der Katzen-und-Mäuse-Krieg, eigentlich ein heidnisches Tiermärchen, im hinteren Teil der Südwand. Diese Kapelle mit ihren romanischen Wandmalereien gilt als eines der bedeutendsten Werke seiner Zeit im Ostalpenraum.

Licht und Glocken

Wenn der frühe Abend über Pürgg hereinbricht, die steilen Hänge des Grimmings und der Turm der Pfarrkirche nur mehr schemenhaft zu erkennen sind, ist die stimmungsvollste Zeit. Fackeln an den Wegen und Lichterketten an den Hausgiebeln zeichnen ein zauberhaftes Bild. In die romantische Stimmung mengt sich das Geläute von Kuhglocken. Weiß gekleidete Gestalten tauchen aus dem Dunkel auf und laufen quer durch Pürgg. Die Glöckler vom Nachbarort Stainach tragen riesige Lichterkappen auf den Schultern. Sie sollen die bösen Mächte vertreiben und die guten Geister für ein gesundes, fruchtbares Jahr positiv stimmen.

Für einen festlichen Ausklang sorgt die Bläsergruppe der Trachtenmusikkapelle. Traditionelle Weihnachtslieder werden von der kalten Winterluft ins Tal hinaus getragen. Spätestens jetzt sind alle Besucher des Pürgger Advent im „Kripperl der Steiermark“ angekommen.

Anreise Parkplätze gibt’s im  Advent an der alten Bundesstraße von Untergrimming bis Lessern, weiter mit dem  Shuttle ins autofreie Pürgg.
– Öffentlich: vom Bahnhof Leoben zum Bahnhof Stainach-Irdning und weiter mit dem Bus nach Pürgg.

Advent An den ersten beiden Adventwochenenden, 30. November/ 1. Dezember und  7./8. Dezember 2019 findet der Pürgger Advent statt, Samstag 13–18 Uhr, Sonntag 11–18 Uhr. pürgg.at

Gasthof Krenn Mit Geschichte bis ins 14. Jh, heute wird nach Großmutters Kochbuch gekocht. Liebevoll dekoriert, die verglaste Veranda mit alten Holzwänden mit Blick auf das Bergmassiv der niederen Tauern oder die Stube mit Kachelofen. gasthauskrenn-puergg.at

Übernachten Das 5*-Romantik-Hotel Schloss Pichlarn unter der Führung von Engelbert Lainer-Wartenberg, Ehemann von Hera Lind, bezaubert mit fast 1000-jähriger Geschichte. Gewölbedecke, Holzböden und wertvolles Mobiliar in den Zimmern erinnern an die traditionsreiche Vergangenheit.  Wellnessbereich mit Pool, Duftbad und Saunen vorhanden. www.schlosspichlarn.at

 

 

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