Pilgern: Zypern als Alternative zu Santiago

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Pilgern einst und jetzt: Seit der Antike ergießen sich Ströme von Pilgern zu den heiligen Stätten der Sonneninsel im östlichen Mittelmeer.

Wer nicht in die Fußstapfen ausgelatschter Wallfahrerpfade nach Santiago de Compostela treten will ...
... Wer den Massenandrang nach Lourdes, Fatima oder Rom scheut und dennoch spirituell auf die Reise gehen möchte ...
... darf sich auf diese neue, vielversprechende Alternative freuen: eine Pilgerfahrt nach Zypern.
Die große Ergriffenheit packte mich dort auf kleinstem Raum. Eine bescheidene Hütte war diese winzige Kreuzkuppelkirche, versteckt unter einem einfachen, hochragenden Scheunendach über schlichtem Gemäuer. Und doch: was für ein unglaublicher Reichtum.

Er bestand vor allem aus einer großen, tiefen Stille, die der Innenraum bewahrt, das andächtige Schweigen der Heiligenbilder. Fast zwingende Einladung zu Versenkung, Gebet, Meditation. Kostbar auch die malerischen Fresken aus dem 11., 12., 16. Jahrhundert, die vielen innigen Ikonen vor dem Altar. Das griechisch-orthodoxe Juwel Agios Nikolaos tis Stegis (Nikolaus vom Dach) allein wäre schon die Reise wert.

Dies kleine Stückchen UNESCO- Weltkulturerbe ist wunderbares und wanderbares Ziel im Tróodos-Gebirge, aber dennoch nicht das einzige Lohnende.
Im Zederntal wartet Abt Dionysios im Kloster Chrysorrogiatissa, der zugleich als einziger Mönch in dieser Gründung aus dem 12. Jahrhundert lebt. Zwar abgelegen, aber nicht einsam: reisen doch reichlich Pilger zu innerer Einkehr an, bevor auch andere geistige Inhalte - nicht nur - zur Sprache kommen. Weil dann der Geistliche in der anschließenden Taverne seine selbst gekelterten, edlen Tropfen kredenzt - für mich als Weinliebhaber eine weitere Weihestunde. Auch erzählt er von jener Legende über das Marienheiligtum seiner Kirche, welches das Gnadenbild als eine jener drei Ikonen ausweist, für die dem malenden Evangelisten Lukas die Mutter Gottes höchst persönlich Modell gesessen haben soll.

Das Porträt bleibt freilich hinter Silberblech und Vorhängen unsichtbar: orthodoxe Gläubige pflegen sich ihren Ikonen ausschließlich küssend zu nähern - so sind in vergangenen Zeiten schon allzu viele ihrer Kunstwerke ausradiert worden. Abt Dionysios aber hat sich wissenschaftlich der Ikonenmalerei verschrieben und hütet seine kostbaren Schätze wohl.
Pilger, kommst du nach Zypern, darfst du auch Paphos nicht versäumen. In dieser Hafenstadt im Südwesten liegt antikes Terrain vom Feinsten. Vor wenigen Jahren erst wurden dort bei Ausgrabungen des römischen Villenviertels prächtigste Mosaike entdeckt - und das in einem unglaublich guten Zustand.

Antike Schätze

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Auf einer ersten Missionsfahrt landeten im Jahr 47 die Apostel Markus, Barnabas und Paulus in Paphos . Am Rande eines Ausgrabungsfeldes mit antiken bis mittelalterlichen Relikten steht man plötzlich vor einem noch heute erhaltenen Marmorsäulentorso, an dem Paulus - von einem eifersüchtigen, lokalen Magier verleumdet und denunziert - gegeißelt worden sein soll.

Manche mögen freilich nur einen phallischen Säulenstumpf sehen, willkürlich mit kirchenhistorischer Bedeutung beladen. Weil nämlich andere Quellen berichten, dass der heilige Missionar statt Folter zu erleiden es sogar geschafft haben soll, vor Ort Roms Statthalter zum Christentum zu bekehren.

Wie auch immer: ein besonderer Ort, heilige Stätte ist dieser Boden dennoch.
Gepilgert wurde nach Zypern schon in der Antike. Alt-Paphos, zu dem sich heute nur wenige Touristen bequemen, war einst Ziel von Tausenden. In der Nähe des aus dem Meer ragenden Felsens Petra tou Romiou (Bild ganz oben) , bei dem Aphrodite den Wellen entstiegen sein soll, stand das ihr gewidmete Heiligtum. Der Liebesgöttin opferte man dort auch in einschlägigen Riten; heute würde man sie Orgien nennen.
Die nun zu Ruinen verkommenen stummen Zeugen dieser vergangen Zeiten und Sitten lassen der Fantasie reichlich Spielraum.

Infos

Beste Reisezeit Die Sonne scheint in Zypern zwar rund 340 Tage im Jahr, doch fällt die Hauptreisezeit in die Sommermonate. Juli und August weisen allerdings hohe Temperaturen aus, in der Ebene bis über 40 Grad. Frühling und Herbst sind moderater.

Flüge Direktflug Wien-Larnaca hin/retour mit Austrian Airlines ab ca. 500 €. Günstiger fliegt man mit Zwischenstopp - z. B. mit Lufthansa ex Wien via München ab zirka 320 €, Nachteil: Man ist rund 10 Stunden unterwegs.

Tipps Wer sich dem Linksverkehr auf der Insel nicht stellen möchte, weicht besser auf die von allen Hotels angebotenen Bus-Ausflüge aus, mit denen man die Schönheiten Zyperns erkunden kann.
- Auch wenn die griechische Küche nicht wirklich für kulinarische Höhepunkte bekannt ist: In Zypern wird der Tourist bei den traditionellen Meze-Essen verwöhnt. Den mehrstündigen Dauergenuss vieler delikater Häppchen runden gute, örtliche Weine ab.

Allgemeine Infos Bei Zypern Tourismus in der Botschaft der Republik Zypern, 1010 Wien, Parkring 20, T.: 01/ 513 18 70

(kurier) Erstellt am
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