Ostern in Jersualem: Erstmals mit restauriertem Jesus-Grab

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Foto: APA/AFP/GALI TIBBON Pilger in der alten Stadt von Jerusalem.

Das Osterfest wird mit Prozessionen, Messen und der Entzündung des Heiligen Feuers in der Grabeskirche begangen.

In Jerusalem geht es die meiste Zeit des Jahres um die Frage: Wer hat mehr Anrecht, hier zu sein - die Juden oder die Muslime? Nur an Ostern, da ist das ein bisschen anders. „An Ostern kann man sagen, dass Jerusalem gefühlt eine christliche Stadt wird“, sagt der deutsche Leiter der Dormitio-Abtei, Pater Nikodemus Schnabel, in Jerusalem. Die christlichen Pilger aus der ganzen Welt prägten die Altstadt mit den heiligen Stätten der drei Weltreligionen.
Die Kirchen feiern das höchste Fest des Christentums in Jerusalem, weil nach der christlichen Überlieferung Jesus Christus hier gestorben und wieder auferstanden ist. An diesem Ort wurde er zum Tode verurteilt und gekreuzigt. Hier starb er auf dem Hügel Golgatha, wurde in einem Felsengrab beerdigt und erstand auf von den Toten. Die wichtigsten Symbole

A Greek Orthodox faithful lights a candle with Hol… Foto: AP/Yorgos Karahalis DAS HEILIGE FEUER: Über dem Grab Jesu steht heute eine kleine Grabkapelle, die sich in der Grabeskirche befindet. Hier werden am Samstagmittag orthodoxe Christen das Wunder des „Heiligen Feuers“ feiern. Dabei entzündet sich dem Glauben nach selbstständig ein Licht in der Grabkapelle. Der Jerusalemer Patriarch der griechisch-orthoxoden Kirche, Theophilos III., wird daran Kerzen entflammen, die er anschließend draußen an die Gläubigen verteilt, die damit wiederum ihre Kerzen entzünden. Dadurch wird innerhalb kürzester Zeit das Innere der Grabeskirche im Kerzenschein leuchten.

DIE NEU GEWEIHTE GRABKAPELLE: Die Feier findet dabei in der und um die neu eingeweihte Grabkapelle statt. Die Kapelle wurde in den vergangenen zehn Monaten für knapp 3,5 Millionen Euro restauriert. Die Steine der Grabkapelle, die 1810 nach einem Feuer wieder aufgebaut worden war, waren schon lange feucht und porös. Bereits 1947 stützten die damals verantwortlichen Briten den Bau mit Stahlträgern ab. Experten reinigten die äußeren Steinplatten, spritzten die Risse im Fels darunter aus und befreiten den Bau von dem Stahlkorsett. Nun ist auch ein Teil des Originalfelsen in der Grabkapelle zu sehen.

Orthodox Christian worshipers take part in a proce Foto: REUTERS/AMIR COHEN VIA DOLOROSA: Am Karfreitag ziehen die verschiedenen Kirchen in Prozessionen durch die Altstadt über die Via Dolorosa zur Grabeskirche. Dabei empfinden die Pilger auch das Leiden Jesu nach, in dem sie große Kreuze tragen. Der deutsche Archäologe Dieter Vieweger sagt allerdings, dass die heutige Via Dolorosa nicht Jesu Weg zum Kreuz gewesen sein kann.
„Jesus aus Nazareth muss von Südwesten (...) nach Golgatha geführt worden sein und keinesfalls von Nordosten herkommend wie die Via Dolorosa“, sagt Vieweger, der auch Theologe ist. Jesus sei höchstwahrscheinlich im Palast des Herodes verurteilt worden. Der sei aber bereits teilweise ausgegraben worden. Der Palast befindet sich südwestlich vom Ort der heutigen Grabeskirche. Im 4. Jahrhundert hätten Christen die Erzählungen des Neuen Testamentes im bereits stark veränderten Stadtbild falsch interpretiert, sagt Vieweger.
 

Hintergrund

Heiligtum der Christen: Kapelle über Jesus-Grab neu eingeweiht

Ein Streit zwischen den Kirchen verhinderte lange Zeit die Restaurierung, nun erstrahlt das christliche Heiligtum in neuem Glanz.

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Foto: APA/AFP/THOMAS COEX

Engel schweben über dem Eingang, eine Jesus-Figur steigt in den Himmel auf, der Stein leuchtet in beige und rosa. Darüber sind Psalme und Gebete zu lesen. Die Restaurierung der Grabkapelle über dem Jesus-Grab in Jerusalem ist abgeschlossen. "Dies ist ein historischer Moment", sagt Antonia Moropoulou, Chemieingenieurin und verantwortlich für die Arbeiten.

"Dies ist ein einzigartiges Monument für die Christenheit." Nach christlicher Überlieferung soll an dieser Stelle Jesus Christus begraben worden und wieder auferstanden sein. Kirchliche Würdenträger haben die Kapelle am Mittwoch neu eingeweiht. Darunter war auch der höchste Vertreter der katholischen Kirche im Heiligen Land, der lateinische Patriarch Pierbattista Pizzaballa. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras nahm ebenfalls an der Feier teil.

Restaurierung um 3,5 Millionen Euro

Zehn Monate lang haben mehr als 50 Experten - Restauratoren, Archäologen und Ingenieure - an dem kleinen Bau in der Grabeskirche gearbeitet. Knapp 3,5 Millionen Euro hat die Restaurierung gekostet. Das Geld kam unter anderem vom gemeinnützigen World Monuments Fund aus New York und von privaten Spendern.  Im Oktober hatten die Wissenschafter zudem das erste Mal seit 200 Jahren die Marmorplatte über dem Jesus-Grab angehoben. Darunter fanden sie eine weitere Platte mit einem Kreuz mit zwei horizontalen Linien im Stil der Kreuzfahrer. Das Team entnahm Proben, die nach Athen geschickt wurden. Moropoulou betont allerdings, dass es nie darum gegangen sei, die Bibel zu beweisen. "Wir haben keinerlei DNA-Forschung betrieben", sagt die Professorin von der Technischen Universität in Athen. Doch jetzt wüssten sie sicher: "Das Grab, das wir offengelegt haben, ist das, welches in der Ära von Kaiser Konstantin entdeckt worden ist." Konstantins Mutter Helena ließ die Kirche erstmals im Jahr 325 erbauen.

Visitors wait to enter the newly restored Edicule Foto: REUTERS/POOL Damals sei ein Grab gefunden worden mit einer Kammer und einem Rolltor davor, erklärt der deutsche Archäologe und Theologe Dieter Vieweger. "So wie es (in der Bibel) beschrieben ist", sagt er. Aber es sei nicht bewiesen, dass dies das Grab Jesu sei. "Es ist gar nicht beweisbar." Immerhin sei das Grab später völlig zerstört und im 12. Jahrhundert wieder aufgebaut worden. "Was Sie von dem Grab finden, ist nur eine Rekonstruktion der Kreuzfahrer."  Doch für den Franziskanermönch Eugenio Alliata braucht es keine Beweise. "Glaube hängt nicht davon ab, Dinge wirklich zu sehen", sagt Alliata, während er vor der Kapelle steht. "Glaube ist etwas, das vom Wort Gottes kommt" - und wie man sein Leben führe.

Rissige Steine und uneinige Kirchen

Die Steine der Grabkapelle, die 1810 nach einem Feuer wieder aufgebaut worden war, waren schon lange feucht und porös. Bereits 1947 stützten die damals verantwortlichen Briten den Bau mit Stahlträgern ab. Pilger zündeten jedoch Kerzen auf den Trägern an, die Hitze der Flammen beschädigte die Kapelle weiter. Die Steine bekamen Risse. Der Bau verzog sich.  Doch die Kirchen konnten sich nicht auf eine Renovierung einigen. Die verschachtelte Grabeskirche ist streng aufgeteilt unter den Glaubensgemeinschaften. Die griechisch-orthodoxe, die armenisch-orthodoxe und die römisch-katholische Kirche haben das Recht, Messen in der Grabkapelle abzuhalten - die Kopten, die Syrer und die Äthiopier nicht. Allerdings schloss im Februar 2015 die israelische Polizei die Grabkapelle für vier Stunden und verwies auf Sicherheitsprobleme. Experten aus Athen mahnten anschließend: Es muss sofort etwas passieren.

Nun ist die Grabkapelle sogar erdbebensicher. Unter anderem tauschten die Arbeiter einen Teil einer Mauer aus. Sie spritzten speziellen Mörtel in Risse im Fels. Sie reinigten die Steinplatten und fixierten sie mit Metallstiften an den Fels. Außerdem können Besucher nun in der Kapelle neben der Grabplatte auch einen Teil des Originalfelses hinter Fensterglas sehen. Doch Antonia Moropoulou fürchtet immer noch um das Heiligtum. Alte Abwasserleitungen unter dem Bau sorgen für einen feuchten Untergrund. Noch einmal zehn Monate Bauzeit und sechs Millionen Euro wären nötig, sagt Moropoulou. Doch darauf müssten sich wieder die Kirchen einigen.

(DPA; kurier / GK) Erstellt am
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