Reise 05.12.2011

Ostafrika: Not wird immer schlimmer

Der Strom verzweifelter Menschen in die Flüchtlingslager reißt nicht ab. Die Lage in den Camps ist katastrophal.

Die Situation in den Hungergebieten Ostafrikas wird mit jedem Tag dramatischer. Die Flüchtlingslager sind völlig überfüllt, die Versorgung der vielen Menschen wird immer schwieriger. Zudem setzen in einigen Regionen heftige Regenfälle die Zeltstädte unter Wasser - ein Albtraum für die entkräfteten Flüchtlinge.

"Jeden Tag erreichen Tausende Menschen die Flüchtlingslager in Äthiopien und Kenia. Wir brauchen Unterkünfte, Wasser und sanitäre Einrichtungen. So müssen wir auch den Druck auf die Gastländer verringern, die selbst unter der Dürre leiden", sagte UNO-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos.

Das Flüchtlingslager in Daadab, Kenia, ist heillos überfüllt: In dem Camp, das für 90.000 Menschen Platz bietet, hausen mittlerweile etwa 440.000 Flüchtlinge. Und täglich werden es mehr.

Zelte unter Wasser

Hilfe: Frauen stellen sich in einem Flüchtlingslager um Wasser an. Die Versorgung der vielen Menschen wird immer schwieriger.
© Bild: ap

In der mehrere hundert Kilometer entfernten Region um die somalische Hauptstadt Mogadischu gehen indes schwere Regenfälle nieder. In den Flüchtlingscamps herrschen chaotische Zustände: Alles steht unter Wasser, Feuchtigkeit und Kälte setzen den entkräfteten Menschen schwer zu. Regen wird angesichts der schwersten Dürre seit Jahrzehnten dringend benötigt, doch das Elend der Flüchtlinge in den Camps wird durch die Wassermassen noch verschlimmert.

Der Strom verzweifelter Flüchtlinge aus Südsomalia nach Mogadischu reißt nicht ab. Die Zahl der hungernden Menschen, die täglich in der Hauptstadt ankommen, steigt weiter drastisch. Allein im vergangenen Monat suchten 12.000 hungernde Kinder die Ernährungszentren der UNO auf.

"Jeder Tag kann den Unterschied ausmachen zwischen Leben und Tod", sagt Valerie Amos. Die UNO-Mitglieder hätten zwar mehr als eine Milliarde US-Dollar (knapp 700 Millionen Euro) Sofortgeld versprochen, es fehle aber noch eine weitere Milliarde. Das Geld werde dringend gebraucht, so Amos. "Ausmaß und Schwere machen die Krise in Somalia zur mit Abstand größten Hungerkatastrophe der Welt. Zehntausende Menschen sind schon gestorben und Hunderttausenden droht der Hungertod."

Bürgerkrieg

Wegen der politischen Lage in dem Bürgerkriegsland bleibt es schwierig, die Hungernden in vielen Regionen zu erreichen. Die radikalislamistischen Rebellen der Al-Schabaab-Miliz verbietet zahlreichen westlichen Hilfsorganisationen, in den von ihr kontrollierten Gebieten zu arbeiten.

Die ständigen Kämpfe seien ein großes Hindernis für die Helfer, so Amos. Trotz Hilfe per Lastwagen und aus der Luft seien große Gebiete im Süden Somalias komplett abgeschnitten. "Wir fordern von allen Parteien ungehinderten Zugang. Unser alleiniges Ziel ist es, Leben zu retten."

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Hintergrund

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011