Kreuzhügel im mysteriösen Sinnlos-Garten.

© Halbhuber Axel

Reise
09/02/2019

Der schrägste Ort Europas liegt wahrscheinlich in Litauen

Schauplatz Orvidas Garden: Die Sammlung von Kreuzen, Figuren und Kunst-Kitsch ist eine sinnlose, aber reizvolle Sehenswürdigkeit.

von Axel Halbhuber

Litauen hat Vilnius, Litauen hat die Hafenstadt Klaipeda und damit Zugang zur Kurischen Nehrung, sonst hat Litauen wenig namhafte Sehenswürdigkeiten. Aber einige geheimnisvolle. Allen voran einer der schrägsten Orte, die man in Europa besuchen kann: Orvidas Garden bei der Kleinststadt Salantai im Norden des Landes ist eine kleinodische Mischung aus Sektenrefugium, Kunstmuseum, Mittelerde und Verschwörungstheorie.

Der Freidenker Kazys Orvidas hat dereinst begonnen, Grabsteine und Statuen, Holzschnitzereien und Kreuze, Glocken und Blechtafeln, ... auf seinem Hof zu sammeln, um sie vor der Zerstörung durch die Sowjets zu schützen. Über die Jahre wurde der Ort zum Treffpunkt extrovertierter Künstler, Sektierer, Gläubiger, Systemkritiker und anderer Buntheiten. Der gute Orvidas ließ das geschehen und pflegte die herbeigebrachten Objekte liebevoll.

Als er starb (liegt natürlich mittendrin begraben), übernahm sein Sohn. Der kümmert sich zwar weniger liebevoll darum, lässt es aber auch nicht ganz verkommen. Der Ort ist auf so eine wundervolle Art sinnbefreit, dass er hohe Kunst ist. In tausend Jahren werden ihn Archäologen freilegen und tüfteln und tüfteln, woran wir glaubten, wie wir lebten, undundund. Dabei ist er nur Ausdruck eines kreativen Passionisten. Wer weiß schon, ob nicht auch Stonehenge von so einem zusammengetragen wurde.

Für heutige Freizeitforscher lässt sich auf den Grabinschriften und (Quasi)Kunstobjekten ein bisschen etwas über die jüngere Geschichte lernen. Aber vor allem lassen sich hier zwei Stunden verbringen, die man eigentlich nicht braucht. Irgendwie soll Reisen genau so sein.

Und beim Ausgang kann man eine steinerne Friedenstaube umarmen. Muss man aber nicht.