Reise
09.08.2017

Bilderbuchlandschaft Oberbayern

Wandern, radeln und entspannen zwischen Seen, Flüssen, Kirchen und Klöstern.

Das Kloster Andechs, die prächtige Wallfahrtskirche Wies, das Kloster Dießen: keine Frage, wir radeln durch den Pfaffenwinkel. Die Region südlich des Ammersees in Oberbayern zählt 165 Kirchen und Klöster. Da passiert es schon einmal, dass der Radfahrer absteigen muss, um eine Gruppe Rosenkranz betender Pilger vorbeizulassen.

Der Ammer-Amper-Radweg, der ausgehend von Fürstenfeldbruck nahe München, vorbei am Ammersee nach Süden verläuft, führt direkt durch den Pfaffenwinkel. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Die kleinen Dörfer mit den spitzen Kirchtürmen werden nicht von Shoppingcentern gestört. Auf den Wiesen weiden Kühe und Hoteliers drücken den Gästen keine Zutrittskarte, sondern echte Zimmerschlüssel in die Hand.

"Halt die Klappe"

Idylle pur. Wer hier urlaubt, findet Ruhe und Freude an kleinen Überraschungen. Etwa in der Kirche des Klosters Fürstenfeldbruck. Denn da herrschte einst die Strenge des Zisterzienserordens. Die Mönche mussten sieben Mal pro Tag zum Gebet. Sogar um zwei Uhr früh, stehend im Chorgestühl. Müde lehnten sie auf den hochgeklappten Stühlen. Und so manchem passierte dabei ein Ungeschick: der Sitz klappte mit einem Knall nach unten. "Halt die Klappe", raunten dann die Mitbrüder.

Besonderheiten erwarten den Urlauber auch am Lech-Erlebnisweg. Die Wanderroute entlang des Lech-Flusses, der sich von den Tiroler Alpen kommend seinen Weg durch Oberbayern bahnt, bietet ein wahres Wunderwerk an Naturschönheiten – und das, obwohl er auf seiner 168 Kilometer langen Strecke von mehr als 30 Wasserkraftwerken unterbrochen wird. Der Lech ist eine sogenannte Biotopbrücke zwischen den Alpen und der schwäbisch-fränkischen Alb. Dank des Flusses können viele Pflanzenarten ihre sonst getrennten Vorkommen verbinden und damit für den wichtigen genetischen Austausch sorgen. So findet der Wanderer nahe der Lech die Sumpfgladiole neben Küchenschelle und Enzian-Arten, die sonst nur getrennt vorkommen.

Und wer das Glück hat mit Naturführer Stephan Justl unterwegs zu sein, kommt aus dem Staunen kaum heraus: eine Enzianwiese auf einer Kiesbank im Lech. Wie gibt es denn das? Der Fluss schwemmt die Samen der Pflanze aus den Bergen an und auf der Kiesbank finden sie ähnlich karge Verhältnisse wie hoch oben in den Alpen. Oder: die Bestäubung des Wiesen-Salbei. Landet eine Biene auf dessen Blüte, wird ein Hebelmechanismus in Gang gesetzt, der den Blütenstaub auf die Biene hebt. Stephan demonstriert das mit einem Grashalm, der in der Blüte denselben Vorgang auslöst.

Klang der Steine

Bei so viel Eindrücken fürs Auge, fehlt noch das Naturerlebnis fürs Ohr. Das bieten Kieselsteine. Musiktherapeut Michael Ranftl beherrscht den Kieselklang meisterhaft und spielt bekannte Melodien auf dem selbst entworfenen Lithophon, eine Art Stein-Xylofon. Wanderer können es selbst probieren. Das Stein-Instrument steht an einem Rastplatz des Erlebniswegs. Nach viel Beschaulichkeit bietet die Partnachklamm in Garmisch einen spektakulären Abschluss der Reise durch den Pfaffenwinkel.

Anreise Zug Wien München. Umsteigen in S4 bis Fürstenfeldbruck. Dauer: 5 Stunden. Preis: 100,80 € (einfache Fahrt).

Sehenswert Kloster Fürstenfeldbruck, Kloster St. Rasso, Wallfahrtskirche Wies. Lech-Lithophonie

Aktivitäten Radeln am Ammer-Amper-Radweg. Wandern am Lech Erlebnisweg. Floßfahrt am Lech, Rafting an der Isar. Schifffahrt am Ammersee.

Hotels Zum Beispiel Hotel Vollmann in Weilheim im Pfaffenwinkel 70 € EZ mit Frühstück. Seehotel Grauer Bär am Kochelsee, EZ ab 59 € mit Frühstück.

Essen & Trinken Restaurant Fürstenfelder im Kloster Fürstenfeldbruck (Küche: bio, regional). Fischerhaus Steingaden (Sonntag geschlossen). Seewirt in Herrsching am Ammersee.

Auskunft Allgemein: www.oberbayern.de, www.pfaffenwinkel.de Speziell: www.lebensraumlechtal.de, www.ammer-amper-radweg.com, www.kieselklang.de