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freizeit Reise
09/28/2019

Magisches Neuseeland: Von der Hölle in den Himmel

In Neuseeland stoßen die Indo-Australische und die Pazifische Kontinentalplatte aufeinander. Die Maori nutzen die ungebändigten vulkanischen Urkräfte seit Jahrhunderten.

Das muss die Pforte zur Hölle sein, soll es George Bernhard Shaw entfahren sein, als er 1934 Tikitere, das geothermisch aktivste Gebiet Rotoruas, besuchte. Die siedend heißen Quellen und Seen, unablässig blubbernde Schlammlöcher und der beißende Geruch von Schwefelwasserstoffdampf speienden Fumarolen regten die Fantasie des bekennenden Atheisten an. Gern übernahmen die Maori geschäftstüchtig seine einprägsamen Begriffe für die geothermischen Spots, wie „Hell’s Gate“ oder „Sodom und Gomorrha“, unter denen ihr 700 Jahre altes Heiligtum schnell Weltbekanntheit erlangte. Jährlich zieht die „Pforte zur Hölle“ Tausende Touristen an, die durch den 20 Hektar großen Park wandern. Es ist der aktivste und einzige in der Rotorua/Taupo-Region, der im Besitz der Maori ist.

Seit Jahrhunderten nutzen die Maori die im heißen Wasser gebundene Energie zum Kochen und Heizen oder einfach für ein warmes Bad. Der mineralhaltige Schlamm findet traditionell als Heilmittel gegen Arthritis und Hautkrankheiten Verwendung. Maori-Krieger sollen in der Vergangenheit ihre Wunden unter dem Kakahi-Warmwasserfall gereinigt haben, nachdem sie anderen Stämmen Lebensmittel, Werkzeuge oder Frauen zur Auffrischung ihres Genpools geraubt hatten. Heute sind es Touristen, die ihre Haut mit Hilfe des Heilschlamms reinigen und ihr Wohlbefinden im Mineralbad revitalisieren. Und dies völlig entspannt, denn die letzte bedeutende Eruption innerhalb der Rotorua-Caldera ist 240 Tausend Jahre her.

Wissenswertes: M wie Maori

Tā moko: Der kunstvolle Körperschmuck der Maori spiegelt nicht nur  die persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse des Einzelnen, die Tätowierungen zeigen auch die Familiengeschichte.

Haka: Stürmisches Aufstampfen, Zunge zeigen, rhythmisches Klatschen und lauter Gesang: Der Kriegstanz der Maori dient dazu, den Stolz, die Kraft und Eintracht eines Stammes zu demonstrieren. Neben Geburtstagen  und Hochzeiten wird der Haka heute oft  bei Sportereignissen getanzt.

Hāngi: Bei dem traditionellen Festmahl werden Körbe, gefüllt mit Essen, in feuchte Tücher eingewickelt und mit vom Feuer erhitzen Steinen in der Erde versenkt. Durch Hitze und Dampf werden die Speisen im Boden langsam gegart.

Keine 30 Autominuten von Rotorua entfernt können Wanderer gleich ein ganzes Tal voller heißer Quellen erkunden. Das Vulkantal von Waimangu entstand als direkte Folge des Tarawera-Vulkanausbruchs im Jahr 1886, der die Erdoberfläche auf einer Länge von 17 Kilometern aufbrechen ließ. Geht man die rund fünf Kilometer vom Besucherzentrum bis zum See Rotomahana hinunter, passiert man mit dem „Bratpfannensee“ die größte Heißwasserquelle unseres Erdballs, wird am „Inferno Crater Lake“ vom intensiven Blau seines Wassers entzückt und entdeckt in den Flussläufen und Heißwasserquellen Pflanzen- und Bakterienkulturen in einem bezaubernden Farbenreichtum.

Anderthalb Autostunden weiter südlich weist am „Lake Taupo“ auf den ersten Blick nichts auf eine Naturkatastrophe der Superlative hin. „Vor etwa 26.500 Jahren kam es hier zur weltweit stärksten Eruption der letzten 70.000 Jahre Erdgeschichte, die ganz Neuseeland mit einem Ascheteppich bedeckte“, erklärt Kapitän Peter Battell während einer Segeltour auf dem größten See des Landes. Die Caldera füllte sich mit Wasser und bildet nun den nördlichen Teil des Sees. „Nur sechs bis zehn Kilometer unter uns befindet sich eine riesige Magmakammer“, fügt Peter hinzu, während er Pizza und Bier an seine Gäste verteilt.

Eine weitere Autostunde gen Süden offenbart sich die vulkanische Geschichte Neuseelands in ihrer ganzen Dramatik. Im Herzen der Nordinsel gelegen, ragen die aktivsten Vulkane des Landes in den Himmel. Schon von weitem dominiert der perfekt kegelförmige Mount Ngauruhoe die riesige, mit erkalteter Lava und Asche bedeckte Landschaft. Im Spätsommer und Herbst tauchen hochgewachsene Toetoe- und Pampasgräser sowie rosa- bis purpurfarbenes Heidekraut die ansonsten karge Gegend in einen beeindruckenden Farbkontrast. Der Tongariro-Nationalpark ist der älteste Neuseelands und gehört aufgrund der dort liegenden heiligen Maori-Stätten sowohl zum Weltkultur- wie auch zum Weltnaturerbe der UNESCO.

Feuerspucker von oben

Am Rande des Nationalparks ermöglicht Bhrent Guy mit seinem Piloten-Kollegen Anthony Gurr Besuchern Rundflüge mit Panoramablicken auf die Vulkanlandschaft. Er hat die Feuerspucker bereits mehrfach in Aktion beobachten können. „1995“, erinnert er sich, „war ich mit einem Filmteam von CNN unterwegs, als der Mount Ruapehu ausbrach. 1996 dauerte eine erneute Eruptionsperiode des Vulkans acht Wochen. Bis zu 12 Kilometer hoch erhob sich damals die Aschewolke über dem Berg.“ Es ist ein himmlisches Abenteuer, mit den beiden Piloten bis zu 3.000 Meter aufzusteigen und die drei aktiven Vulkane Tongariro (1.968 Meter), Ngauruhoe (2.291 Meter) und Ruapehu (2.797 Meter) in unmittelbarer Nähe zueinander zu betrachten. 

Eine fantastische Berglandschaft tut sich neben und unter dem kleinen Flugzeug auf. Vulkankegel, pfannenfömige Caldera-Regionen und von Gletschern der letzten Eiszeit geschliffene Täler wechseln sich mit gelbgrünen und blauen Bergseen ab. In der Sonne glänzende Schneefelder setzen die rotbraunen Vulkanwände in Szene. Auf schmalen Pfaden sind in winziger Dimension Wanderer inmitten der gewaltigen Bergwelt zu erkennen. Sie sind auf der „Tongariro Crossing“ unterwegs – mit 20 Kilometern Länge und 2.000 Höhenmetern auf und ab ist sie die „Königsroute“ im Nationalpark.

Diejenigen, die den anspruchsvollen Höhenweg absolviert haben, sind am Folgetag gut beraten, eine Ruhepause einzulegen. Als echte Abwechslung drängt sich da der Abel Tasman Nationalpark nahezu auf. An der nordwestlichen Spitze der Südinsel gelegen, lässt es sich auf dem Coast Track zwar auch gut wandern, doch dank verschiedener Tourenanbieter gibt es für die einzelnen Streckenabschnitte abwechslungsreiche Alternativen per Kajak, Segelkatamaran, Fähre oder Wassertaxi. Traumhafte Lagunen, seichte Badestrände und faszinierende Granitbögen vermitteln ein Gefühl, als sei man von der Hölle im Himmel gelandet.

Anreise
Z. B. mit Austrian von Wien über Bangkok nach Auckland. Weiter mit dem Mietwagen. Ab 1. 10. 2019 ist eine Online- Einreisegenehmigung erforderlich: nzeta.immigration.govt.nz

Beste Reisezeit
Im März/April und Okt./ Nov. liegen die Tagestemperaturen meist bei 20–30 Grad C

Angebot
 Rundreise „Höhepunkte Neuseelands“  (6.–26.3.2020) mit einem Besuch der Turangawaewae Regatta ab 5.850€/P. im DZ bei Kneissl Touristik, 07245/20700. kneissltouristik.at

Aktivitäten
– Hell’s Gate Geothermal Reserve: Erwachsene 35 NZ$ (1 NZ$ = ca. 0,57 €)
– Waimangu Volcanic Valley: Erwachsene 42 NZ$, Boots- fahrt auf Lake Rotomahana
45 NZ$, waimangu.co.nz
– Sunset Sailing  Lake Taupo: 54 NZ$, sailbarbary.com
–Ein 35-minütiger Rundflug um das Tongariro Vulkan- plateau bei „Mountain Air
255 NZ$, mountainair.co.nz
–Geführte Tour auf dem Tongariro Alpine Crossing:  ab 255 NZ$, adriftnz.rezdy.com

Auskunft
newzealand.com/de/

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