Las Vegas aus der Helikopter-Perspektive bei Sonnenuntergang – ein Panorma, das nach wie vor fasziniert.

© /Las Vegas News Bureau

USA
12/28/2014

Las Vegas: Techno statt Showgirls, Shoppen statt Zocken

Lady Gaga und Tony Bennett, Justin Timberlake und DJ Calvin Harris: Zu Silvester drängen in Las Vegas die Besten der Besten auf die Bühnen am Strip. Doch die Hauptstadt des Entertainments erfindet sich gerade wieder einmal neu.

von Brigitte Schokarth

Verrückt!" So beschreiben nicht nur clevere Werbestrategen, sondern auch alle, die je da waren, Silvester in Las Vegas. Kein Wunder, sorgen doch regelmäßig die Superstars der Unterhaltungs-Szene dafür, dass 400.000 Besucher ausgelassen ins neue Jahr rutschen.

Silvester 2014 ist da keine Ausnahme: Lady Gaga und Tony Bennett starten am 31. 12. im Chelsea-Theater des Cosmopolitan Hotels ihre gemeinsame Konzert-Tour. DJ-Superstar Calvin Harris wird im riesigen Hakkasan-Nachtclub im MGM-Grand auflegen, während am 1. Jänner in der dortigen "Garden Arena" Justin Timberlake seine Tour beendet. Dazu gibt es Shows von Iggy Azalea, Macklemore & Ryan Lewis, Robin Thicke, Bruno Mars und Snoop Dogg. Und um Mitternacht wird ein quer über sieben Hoteldächern durchchoreografiertes Feuerwerk gezündet, das den Strip taghell erleuchten wird.
Fast etwas im Schatten dieser Superstars von heute steht die "Jubilee"-Show im Ballys. Sie ist ein Gruß von gestern, vom alten Las Vegas, von einer Tradition aus den 50er-Jahren. Und – nicht nur zu Silvester – die letzte Showgirls-Burlesque-Show, die es am Strip noch gibt. "Seit 1981 spielen wir zehn bis zwölf Shows pro Woche", sagt Julie – genauso stolz wie wehmütig. Sie ist eine der Solo-Tänzerinnen der "Jubilee"-Produktion, führt deshalb häufig die Backstage-Tour, die man über www.ballyslasvegas.com buchen kann.

Ehrfurcht

Mit Ehrfurcht zeigt Julie dabei die riesigen Doppelstock-Aufzüge, die Wasserbecken und Titanic-Kulissen in Position hieven. Sie schwärmt, wenn sie in der Garderobe über die Strass-Steine spricht, die nur von Swarovski aus Österreich kommen dürfen, weil die durch den hochwertigen Schliff so lebhaft funkeln wie sonst keine auf der Welt. Sie zeigt Kostüme, die so reich mit Federn und Steinen besetzt sind, dass sie bis zu 20 Kilo wiegen.

Und sie seufzt, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt. Die Show-Treppe auf der Bühne ist nämlich das Wenigste: "Viel mehr Stiegen gibt es auf den Wegen zu den Garderoben. Wir laufen 1500 Stufen pro Show, zwei Mal am Tag."

Mit den Führungen, sagt sie bei der Verabschiedung dazu, will sie das Ihrige dazu tun, dass die Showgirls, die den Strip einst geprägt haben, nicht ganz von dort verschwinden.

Aber nicht nur das Entertainment ist im Wandel, strebt von Burlesque-Shows zu DJs und Techno, von Musicals wie "Million Dollar Quartett" (über das legendäre "Sun"-Label von Elvis) zu den fantasievollen Akrobatik-Vorstellungen des Cirque Du Soleil, der am Strip zurzeit acht Shows zeigt.

Der Trend ist längst weg von den Themenhotels mit den so berühmten Fantasie-Portalen, die Städte und Märchenwelten nachbauen. Das neue City Center mit edler, klarer Architektur aus Glas und Stahl gibt dabei den Ton an – mit dem Aria-Hotel und dem Mandarin Oriental, die beide eine anspruchsvolle, zahlungskräftige Klientel ansprechen. Genau wie die aus dem Boden sprießenden Restaurants von Spitzenköchen wie Gordon Ramsey, Giada Delaurentiis, oder Pierre Gagnaires "Twist".

150.000 Hotelzimmer

Aber vor allem geht der Trend weg vom reinen Spielerparadies. Denn mehr als 150.000 Hotelzimmer wollen gefüllt werden – in einem Land, dem die Mittelschicht wegzubröckeln droht, das nicht mehr viel zum Verspielen hat. Eine Entwicklung, die sogar am Strip sichtbar wird, wenn vor dem super-schicken Einkaufszentrum Crystals Bettler um Kleingeld von den "Prada"-Taschen schwingenden Damen bitten.

Der neuen Vegas-Kundschaft muss man mehr bieten als das permanente Surren, Klingeln und Trillern der Automaten. Und sowohl die Stadtverwaltung als auch die Caesars- und die MGM-Gruppe, die das Gros der Resorts auf dem Strip besitzen, bemühen sich nach Kräften darum.

Etwa mit dem Boutique-Hotel The Cromwell, oder dem Delano, das – nicht als erstes Hotel am Strip – bewusst ohne Casino auskommt. Auch mit der LINQ-Promenade, auf der man frische Cupcakes aus einem Automaten ziehen kann. Im "Brooklyn Bowl"-Club treten Bands wie The Smashing Pumpkins und The Roots auf.

Riesenrad

Die LINQ-Hauptattraktion ist der High Roller, das mit 168 Meter Höhe höchste Riesenrad der Welt. Einen tollen Blick über den Strip hat man von da oben. Und einen guten Überblick über die umliegende Zwei-Millionen-Stadt, die kahlen Berge dahinter, die ganz ohne Grün ein herrliches Farbenspiel bieten. Und das Beste: Man kann sich die Kabinen – sonst für 40 Passagiere – samt Bar für Partys mieten.

Auch Kunst soll den Strip für Nicht-Spieler reizvoll machen. Crystals beherbergt Licht-Installationen von James Turrell, das Cosmopolitan neben digitalen Installationen auch das P3 Studio. Dort können – und sollen – die Hotelgäste mit den Künstlern interagieren, deren Werke weiterentwickeln. Und in den Gängen rund um das P3 Studio stehen "Art-o-maten" – alte Zigarettenautomaten, die kleine Kunstwerke ausspucken.

Nur beim Heiraten hat sich nichts geändert. Da wird nach wie vor in Kitsch und Pomp zwischen Elvis-Imitaten aus Fleisch und Blut oder Metall und Plastik im Akkord "Ja" gesagt. Neu ist dabei nur, dass das seit Oktober auch gleichgeschlechtlichen Paaren erlaubt ist.

Auf den Spuren von Harry & Co.

Downtown Las Vegas

Die Arctic Monkeys aus London, Milky Chance aus Kassel und Skrillex aus Los Angeles. Sie alle kamen im Oktober zum "Life Is Beautiful"-Festival nach Las Vegas. Weil das Festival mit Musik, Kunst und hochwertiger Kulinarik die schönen Seiten des Lebens zelebriert. Aber auch, weil es – auf Parkplätzen und unbenützten Arealen in Downtown abgehalten – eine der Initiativen ist, die der Gegend neues Leben einhauchen und Las Vegas neben dem Strip einen zweiten Hot-Spot geben soll.

Angefangen hat das Ende der 1990er-Jahre, als die Stadtverwaltung ein von Baufirmen verlassenes Gebiet südlich der Fremont Street zum "18b Arts District" erklärte. Doch erst viel später wurde mit Tony Hsieh, dem Gründer der Online-Modeshops Zappos, ein Investor gefunden. So entsteht erst jetzt ein kultiges Viertel, das – nicht schick, aber hip – bei den jungen Einheimischen höchst beliebt ist. Der Art Square beherbergt Designer und Galerien, während aus der Art Factory mit Lesungen, Konzerten und Theater-Aufführungen ein Zentrum für zeitgenössische Kunst wurde.

Skulpturen-Park

Dazu gibt es Cafés und Antiquitäten-Läden, Boutiquen, die ansässige Mode- und Schmuck-Designer fördern. Und den "First Friday" – ein Festival der ansässigen Künstler, das jeden ersten Freitag im Monat stattfindet.

Der Recycling-Mitmach-Laden "Reclaimed" am Casino Center Boulevard sammelt ausgediente Materialien, Farben und Pinsel aus Insolvenzen und stellt gegen wenig Geld Räume und Know-how zur Verfügung, damit daraus jedermann Kunst schaffen kann. Und während der Skulpturen-Park auf der 1st Street wächst, fehlen für das geplante Museum der Modernen Kunst noch die Mittel.

Tony Hsieh hat aber nicht nur in den Arts District investiert. Er hat auch den Container Park finanziert, stellt dort südlich der Fremont Street günstig zu mietende Läden für Mode, Kunsthandwerk und Naturkosmetik zur Verfügung.

Unweit davon, in der Stewart Avenue, ist das "Mob Museum". Als "Museum des Organisierten Verbrechens" konzipiert, zeichnet die Sammlung interaktiv – und genauso spannend wie informativ – auch die mit der Mafia eng verbundene Geschichte von Las Vegas nach. Einen unbeschwerteren Blick auf das alte Vegas gibt das Neon Museum am nördlichen Las Vegas Boulevard. Deren Gründer haben es sich zur Aufgabe gemacht, die riesigen alten Neon-Reklamen der Casinos – heute durch monströse LED-Displays ersetzt – zu sammeln, zu restaurieren und auszustellen.

Nur etwas für Waghalsige ist die neueste Attraktion in der Fremont Street. Mit der Slotzilla Zipline kann man dort nämlich an Seilen hängend direkt unter dem berühmten Video-Himmel einen Hauch von Fluggefühl erleben.

Anreise, Attraktionen, Auskunft

Anreise Mit British Airways über London, mit Austrian Airlines über Chicago. www.britishairways.com www.austrian.com

Beste Reisezeit Von März bis Mai und von September bis Ende Oktober. Las Vegas ist von einer steinigen Wüstenlandschaft umgeben, daher herrscht warmes, trockenes Klima. Im Hochsommer liegt die Durchschnitts-Temperatur bei 40, im Winter bei 15 bis 20.

Neue Attraktionen Der Las Vegas High Roller in der LINQ-Promenade. www.caesars.com/linq/high-roller
Slotzilla Zipline in Fremont Street – vegasexperience.com/slotzilla-zip-line
The Mob Museum des Organisierten Verbrechensthemobmuseum.org

Sightseeing The Strip, die Casino-Hotel-Meile, auf der Themen-Resorts Venedig, Paris und New York nachempfinden. Die berühmten „Fountains of Bellagio“ (www.bellagio.com/attractions/fountains-of-bellagio) und die Vulkan-Show vor dem Mirage Hotel.

Shopping Die Shops im neuen Crystals-Einkaufszentrum mit Stores von Fendi über Gucci bis Versace. http://www.theshopsatcrystals.com
–The Forum Shop im Caesars Palace Hotel (www.caesars.com/caesars-palace/things-to-do/forum-shops)

Hoteltipp The Cromwell – das erste Boutique-Hotel am Strip. www.caesars.com/cromwell
–Delano – ein elegantes Hotel am ruhigen Südende des Strips, das bewusst ohne Casino auskommt. http://www.delanolasvegas.com/

Einkehrtipp Giada im Cromwell-Hotel: Das erste Restaurant der Emmy-Award-Gewinnerin – italienische Edelküche, www.caesars.com/cromwell/giada

Ausflüge Bustouren und Flüge zum Grand Canyon (im Helikopter auch mit Landung im Canyon) sind am beliebtesten. Dazu werden Trips zum Hoover Dam, ins Death Valley, zum Valley Of Fire und dem Red Rock Canyon angeboten.

Angebote FTI: Flug ab/bis Wien od. München mit British Airways nach Las Vegas, 4 x Nächtigung im Stratosphere Hotel & Casino, Transfers, ab 829 €/P/DZ (gültig für Termin 22.–26.04.2015); Helikopter Rundflug 85/P; Flug zum Grand Canyon 108 €/P. www.fti.at

Auskünfte www.lasvegas.com und www.lvcva.com

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