Salzsee auf Feuerland. Ein Ort zum Verweilen

© /Axel N. Halbhuber

Der ewige Traum
02/19/2016

Was Sie wissen müssen, wenn Sie eine Weltreise planen

Wie geht Weltreise? Der ewige Traum lässt sich leichter umsetzen denn je.

von Axel Halbhuber

Gute Tipps sind nicht das wichtigste. Wer auf Weltreise gehen will, braucht vor allem ein Gefühl. Was sie oder er will. Und nicht will. Wie weit man geht, was zu abenteuerlich ist. Eine Weltreise muss man sich erarbeiten.

Natürlich ist hilfreich, wenn einem wer sagt: Dokumente daheim scannen, Sicherheitskopie mitnehmen und die Dateien an ein eMail-Konto senden, auf das man immer zugreifen kann. Oder Empfehlungen gibt: Impfberatung am besten beim Traveldoc (www.traveldoc.at). Aber die Reise gehört nur dir. Sie nährt sich aus Wünschen, Traumorten, fantastischen Ideen. Wie realistisch oder unrealistisch die sind, sagt einem ein Experte wie Wolfgang Wehsner (Interview siehe unten) noch früh genug. Am Anfang zählt die Sehnsucht. Die steigt, sagt Wehsner. Die Menschen heute machen, wovon ihre Eltern nur träumten: Die Umrundung all dessen, das wir kennen. Abwesend vom Alltag. Unbekannter Boden statt eingerichtetem Terrain. Fremde Länder und Menschen statt der ewig gleichen Gesichter. Den elitären Wunsch "Weltreise" erfüllen sich mehr denn je, das sieht man auch an den zahllosen Rund-um-die-Welt-Blogs. Die sind übrigens auch eine gute Möglichkeit zum Eingrooven – aktuell etwa jener von der alleinreisenden Waltraud Hable (www.theworldisenough.net).

Immer mehr Weltenumbummler

Es steigt nicht nur die Zahl der Welt-Umbummler, die Reisenden kommen mittlerweile auch aus fast allen Preis- und Altersklassen (mehr dazu unten). Fast ein Drittel sei schon über 35 Jahre, sagt Tobias Hartmann, Österreich-Chef von STA Travel (www.statravel.at). Mit dem spezialisierten Reiseanbieter fahren jährlich rund 2000 Menschen auf Weltreise oder ähnliches: "Wir zählen auch so genannte Multi Stopp-Tickets dazu. Etwa nach Australien, aber eben mit Stopps dazwischen."

Vorlauf & Dauer

Eine Weltreise beginnt mit dem Fieber. Glüht man einmal, springen einen die Ideen, wohin die Reise gehen könnte, aus Büchern, TV-Dokus und Alltags-Gesprächen an. Die Route im Kopf wird konkreter, und sollte nicht nur Bekanntes abdecken. Man geht nicht auf Weltreise, um nachzuschauen, ob Machu Picchu und das Opernhaus in Sydney wirklich aussehen wie auf der Postkarte. Sondern, um zu entdecken, sich überraschen zu lassen, vom chilenischen Teil Feuerlands, den Bergen Kirgistans, japanischem Respekt, usbekischer Geschichte, dem Rot der Sonne in Nicaragua oder dem Tango von Buenos Aires.

Spätestens wenn klar wird, dass man bei einer Weltreise vor allem viel weglassen muss, ist man bereit für die Buchung. Hartmann: "Die Vorbereitung sollte mindestens zwei Monate vor Abflug beginnen. Entscheidend ist das Wunschdatum. Rund um Weihnachten ist alles teuer, da sollte man drei, vier Monate vorher buchen. Wer im Mai fliegen will, kann das auch zu Ostern entscheiden." Ein gute Idee ist, die Route mit Freunden und Familie zu besprechen. Auf "Was, dort willst du hin!" folgt vielleicht "Da könnten wir euch doch besuchen" kommen. Besuche sind schön, weil man Momente teilen kann. Und praktisch, weil sie etwas mitbringen und -nehmen.

Geht es auch ohne Flugzeug?

Auch wenn es einige immer wieder versuchen wollen: Die Welt ohne Flüge zu umreisen, ist kaum sinnvoll möglich. Round-the-world-Tickets (RTW) sind Angebote der Fluglinien-Allianzen, mit mehreren Stopps um die Welt zu fliegen. Preis, Destinationen und Ticketgestaltung sind unterschiedlich. Alternativ dazu kann man One-Way-Flüge buchen. Flexibler ist man mit Einzeltickets, sicherer mit RTW. Als Reiserichtung ist Westen verdaulicher, aber das muss mit Destinationen und Jahreszeiten zusammenpassen.

Landetappen, die man flexibel zurücklegt, sind ein Gewinn – mit Zug, Bus, Boot, Sammeltaxi, zu Fuß, auf dem Pferd, was halt gerade daherkommt. Reisen wie die Menschen, die man kennenlernen will. Ab und zu sollte man längere Stopps einplanen. Reisen ist anstrengend, man braucht mal Urlaub davon. Bei solchen stationären Aufenthalte spart man meist auch.

Plan & Geld

Eine Weltreise kostet, aber auch nicht mehr als ein Auto. Entscheidend ist, wie weit man seine Fixkosten zu Hause minimieren kann. RTW-Tickets sind nach wie vor günstig. Hartmann von STA Travel: "Wir bieten das ab 1500 Euro für unter 30-Jährige, mit fünf klassischen Stopps um die Welt. Für Erwachsene geht es ab 2000 Euro."

Die Lebenskosten entscheiden sich natürlich über die bereisten Länder, 50 Euro pro Tag ist ein guter Richtwert. Das inkludiert einen gewissen Luxus sauberer Klos und warmen Essens. Es gibt immer wieder Kostenschätzungen (z. B. von Lonely Planet) für einjährige Weltreisen ab 10.000 Dollar. Das ist sicher möglich, wenn man seine Würde daheim lässt. So paradox es klingt: Geld verliert auf einer solchen Reise an Bedeutung, wenn man sieht, um wie wenig Geld man satt werden kann und wie viel mehr es zählt, dass der Fischer, der für dich einen Fisch auf den Grill wirft, mit dir plaudert.

Freiheit versus Planung

Was zum wichtigsten Balanceakt einer Weltreise führt, Freiheit versus Planung. Manch notwendiger Organisation entkommt man nicht mehr: In Indien Zugtickets auf gut Glück zu kaufen, kann zum Amoklauf führen. Den Inka Trail in Peru darf man nur mehr mit Buchung betreten. Camper sind in Australiens Hochsaison nicht mehr verfügbar. Und so weiter. Laut Hartmann geht der Trend zu mehr Planung: "Jede Weltreise hat mindestens einen Baustein , die Hälfte ein bisschen mehr. Nur ein kleiner Teil bucht nur die ersten zwei Nächte." Es begeben sich sogar viele auf "Erlebnisreisen" – geführte Reisen für 15 junge Leute in einer internationalen Gruppe. Die meisten organisieren sich Unterkünfte aber selbst, es existiert nahezu überall ein brauchbares Hostel-System, längst auch für jene, die dem 8-Bett-Lager entwachsen sind.

Einen großen Teil der Kosten macht das Programm aus. Buch lesen am Strand kostet nichts, Walbeobachtung, Tauchen und Motorradtouren schon. Ein Vorschlag: Machen, worauf man Lust hat. Wenn das Budget nicht reicht, früher nach Hause kommen. Ein Jahr in Askese auf der Welt herumlungern, ist auch keine Leistung.

In vielen Ländern bietet sich auch die Möglichkeit, ein bisschen zu arbeiten (www.travelworks.at). Egal, ob man auf einer Schaffarm aushilft oder als Lehrer in Asien jobbt – man kommt auch dabei den Menschen näher. Und das war schlussendlich noch für fast jeden Weltreisenden das wirkliche Erlebnis.

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