Kanalinseln: Britisch & kurios

Shell Beach auf der Insel Herm
Foto: Wolfram Kautzky

Jersey, Guernsey, Herm, Alderney und Sark sind zwar nur 15 Kilometer von Frankreich entfernt, aber französisch ist hier nur die Esskultur. Auch kein Nachteil.

Ein wenig schräg ist das Leben auf den Kanalinseln schon. Haben Sie jemals von einer Insel gehört, auf der allen Ernstes die Benützung eines Radios in der Öffentlichkeit untersagt ist?
Dass man auf der Inselgruppe im südlichen Ärmelkanal, die nur etwa 15 km vom französischen Festland entfernt ist, links fährt, kann man als routinierter England-Besucher noch durchgehen lassen - angesichts der Einspurigkeit der meisten Straßen ist das ohnehin kaum relevant.

Erstaunlicher ist da schon der Umstand, dass auf vielen Straßen Fußgänger, Radfahrer und Reiter Vorrang vor Autos haben. Und dass die meisten geografischen Bezeichnungen französisch sind, aber englisch ausgesprochen werden, ist für unsere Ohren auch recht gewöhnungsbedürftig.
Trotz der geografischen Nähe zu Frankreich sind die Inseln Jersey, Guernsey, Herm, Alderney und Sark durch und durch britisch geprägt. Gesprochen wird Englisch, gezahlt mit Pfund, die Außen-, Verteidigungs- und Währungspolitik wird in London gemacht, die Queen als Staatsoberhaupt anerkannt - und zwar (schon wieder so ein Kuriosum!) nicht als englische Königin, sondern als Herzogin der Normandie ...

Hummer statt Fast Food

In zwei Punkten unterscheiden sich die Channel Islands allerdings deutlich von England: im Essen und im Klima. Statt dem berühmt-berüchtigten Fish-&-Chips-Food dominiert in vielen Restaurants verfeinerte Küche mit französischem Einschlag. Besondere Spezialitäten der Kanalinseln sind natürlich Fisch und Meeresfrüchte.
Neben Hummer, Jakobsmuscheln und Krebsen bestimmen Crevetten die Speisekarten - und zwar in solcher Fülle, dass einem die Shrimps mitunter auch im Bierglas zum Auslöffeln serviert werden.

Apropos Löffeln: Keinesfalls entgehen lassen sollte man sich clotted cream . Das aus der Milch der berühmten Jersey-Kühe gewonnene cremige Obers wird zum afternoon tea auf scones (Rosinenweckerln) gekleckert und schmeckt nicht britisch - also super!
Klimatisch unterscheiden sich die Kanalinseln vom "Mutterland" aufs Angenehmste. Im Vergleich zu England ist die Anzahl der Sonnenstunden deutlich höher, selbst wenn's im Hochsommer nicht ohne den einen oder anderen Regenguss abgeht. Verantwortlich für die milde Witterung ist der Golfstrom.

Blütenmeer

Dementsprechend üppig ist die Vegetation. Ab April zeigt sich auf den Wiesen, entlang der Straßen und in den Gärten ein wahres Blütenmeer. Eine der größten Attraktionen auf Jersey und Guernsey ist die "Battle of Flowers" im August - ein Korso aus blumengeschmückten Fahrzeugen, vergleichbar mit dem steirische n Narzissenfest. Die Inseln sind das nördlichste Gebiet Europas, in dem Pflanzen des Mittelmeerraums gedeihen, neben Ginster und Lavendel verleihen auch Palmen den Stränden mediterranes Flair.

Einen Badeurlaub auf den Kanalinseln sollten dennoch nur Hartgesottene in Betracht ziehen. Die Wassertemperaturen erreichen selbst im Hochsommer kaum einmal 20 Grad. Außerdem ist das Phänomen des gewaltigen Tidenhubs zu beachten: Da der Unterschied zwischen Ebbe und Flut bis zu 14 Meter beträgt, verschwindet so manch hübscher Sandstrand innerhalb weniger Stunden völlig im Wasser, während der idyllische Fischerhafen vom Vormittag abends plötzlich zum bizarren Felsenmeer mutiert.
Alle Inseln sind ein Dorado für Natur- und Outdoor-Freaks, am besten per Rad oder zu Fuß auf den verkehrsberuhigten Green Lanes bzw. Ruettes Tranquilles zu erkunden.

Wanderrouten

Diese drei Touren sollten Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen: von Guernseys schmucker Hauptstadt St. Peter Port über die idyllische Fermain Bay (schicke Strandbar!) zur Südostspitze der Insel (vier Stunden).

Auf dem Corbière Walk, einer ehemaligen Eisenbahntrasse, von St. Aubin zur Südwestspitze von Jersey (zwei Stunden, auch mit Rad befahrbar). Und, als besonderes Highlight, zu Fuß um die autofreie Insel Herm mit karibisch anmutender Shell Beach (drei Stunden).
Ach ja: Herm ist übrigens die Insel mit dem Radioverbot. Abgehen werden Ihnen die Zivilisationsgeräusche aber garantiert nicht.

Infos

Anreise Wien-Jersey mit Air Berlin via Düsseldorf (oneway ab 250 €) oder via London mit British Airways (Hin- und Rückflug ab ca. 400 €). Zwischen den Inseln gibt es mehrere tägliche Verbindungen mit den kultigen Minipropellerflugzeugen der lokalen Airline Aurigny.

Inselhüpfen Für "Inselneulinge" ist die Kombination der Hauptinseln Jersey und Guernsey (je 4-5 Tage) zu empfehlen. Das kleinere Guernsey besitzt die nettere Hauptstadt (St. Peter Port), Jersey die schöneren Strände (z. B. in St. Brelade's Bay im Süden). V on Guernsey aus sollte ein Tagesausflug auf die sandig-felsige Mini-Insel Herm , die kleinste der bewohnten Kanalinseln, eingeplant werden.

Währung 1 Britisches Pfund=1,14 €. Jersey und Guernsey geben eigene Pfundnoten heraus, die nur auf den Inseln gültig sind.

Beste Reisezeit April bis Oktober

Hoteltipps
- Guernsey: Fleur du Jardin (Kings Mills, Castel), DZ mit Frühstück ab 100 Pfund,
www.fleurdujardin.com
- Bella Luce: St. Martin's, DZ mit Frühstück ab 130 Pfund,
www.bellalucehotel.com
- Jersey: Hotel Somerville St. Aubin, DZ/F ab 160 Pfund, www.dolanhotels.com

Auskünfte VisitBritain in Berlin, T.: 0049/30 / 315 71 90

(kurier / Wolfram Kautzky) Erstellt am
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