Irland: Pub-Tour mit dem Hausboot

Foto: Claudius-Rajchl

Wer mit einem Hausboot auf dem Fluss Shannon im Herzen der grünen Insel dahin tuckert, erlebt das Land von seiner ganz verschlafenen Seite - und sitzt nie auf dem Trockenen.

Carrick-on-Shannon ist ein verschlafenes Nest. Putzige Häuser, Supermarkt, Hotel, Pubs. Wäre da nicht die Hausboot-Basis von Le Boat , würde sich hierher kein Tourist verirren. So aber ist das Dorf ein schrullig-charmanter Treffpunkt für Hobbykapitäne.
Unser Boot "Magnifique" hat vier Doppelkabinen, drei Duschräume mit WC, Küche, Gasherd mit Backrohr, Mikrowelle und Sat-TV. Gar nicht so kleiner Luxus für den Badewannen-Kapitän, der nun erstmals richtig "in See sticht".

Bootsvermieter Padrig zeigt uns, wo der Gashahn ist, wie wir den Motor starten und wie die Bugstrahlruder funktionieren, die man beim Wenden und in Kurven braucht.

Schwarz & bitter

Nach der Einschulung geht's gleich ins Pub. Wohin auch sonst? Viel mehr als Bierlokale und Landschaft kann der Bootsfahrer am Shannon nicht erwarten. Und mit dem ersten Schluck vom schwarzen bitteren Guinness bin ich in Irland richtig angekommen.
So richtig los geht's aber erst am nächsten Morgen: Käpt'n Christian, als Motorjournalist prädestiniert für Ablegemanöver, gibt Kommando. Ich darf als Matrose das Seil losbinden. Und muss rasch aufs Boot springen, sonst "parkt" Christian ohne mich aus.
Ein bravouröser Rückwärtsgang, eine Wende mit dem Bugstrahlruder - und schon tuckern wir gemächlich den Shannon entlang.

Wichtig: Wir müssen uns an die roten Markierungen halten. Wer abseits der "Fahrbahn" fährt, riskiert, in zu seichtem Gewässer hängen zu bleiben, und 100 € Abschleppkosten.
Wir, nein Christian, hat die erste Brücke geschafft. Aber die Kollegen auf dem zweiten Boot bleiben am Pfeiler hängen.
Das fängt ja gut an!
Nach zehn Minuten vor und zurück schaffen sie es doch aus der Falle, und schon gleiten wir im Mini-Konvoi den mäandernden Shannon entlang. Ein Ausflugsboot überholt uns in vergleichsweise irrem Tempo. Wir dürfen nur 12 km/h fahren. Mehr geht nicht: Motor gedrosselt.
Am Ufer packen Angler ihre Ruten aus, weiden Kühe auf saftig grünen Hügeln. Schilf, einzelne Häuser - Irland wie im Bilderbuch.

Stress mit 12 km/h

Im Jamestown Canal wird's verdammt eng. Zwei Hausboote kommen uns entgegen, vor uns eine enge Brücke. Stress mit 12 km/h. Aber ... geschafft.
Nach einer halben Stunde dann die erste Schleuse. Christian drosselt das Tempo - der Schleusenwärter weist uns ein, wir befestigen das Boot mit Seilen an entsprechenden Vorrichtungen. Es regnet. Wir zahlen 1,50 € Gebühr. Das Wasser in der Schleuse wird ausgelassen, wir sinken langsam. Seile losmachen, Manöver vorbei, Regen vorbei.
Bei der Schleuse Roosky Lock ist die Beschaulichkeit dahin: die Kollegen vom anderen Boot sind in einer Boje hängen geblieben. Die Strömung hat sie dorthin getrieben. Die Nerven liegen blank, Schleusenwärter Tom beruhigt: "Vorigen Sonntag ist das auch passiert. Kein Unglück. Am besten, ihr zieht eure Freunde da raus." Eine Stunde hat's gedauert, bis Käpt'n Christian auch das geschafft hat.
In Tannonbarry, ein Dorf mit Efeu überwucherter Kapelle, alten Steinhäusern und natürlich Pubs, lassen wir uns das Guinness besonders gut schmecken.

Am nächsten Tag ist die Fahrt so unspektakulär, dass ich mich ans Steuer wage: Es geht über den Lough Ree - den schilfumsäumten See, der so groß ist, dass er einem bei Tempo 12 vorkommt wie das halbe Mittelmeer. Endlich nähern wir uns der Hudson Bay, an der Marina ist aber nur ein Anlegeplatz frei. Ich verliere die Nerven und übergebe an Christian. Anlegen überlegen geschafft.

Verwunschen

In Hudson Bay steht ein Hotel mit Sauna. Wer sich hier aufwärmen will, muss einen zweiseitigen Gesundheits-Fragebogen ausfüllen.
Wir fahren nach Athlone - und schnuppern hier erstmals seit Tagen richtige Stadtluft! Und wir besuchen natürlich das urige "Sean's", das angeblich älteste Pub Irlands, von dem eine Mauer aus dem zehnten Jahrhundert stammt. Während wir unser Bier bestellen, spielen zwei Männer Fiddel und Dudelsack.

Am nächsten Tag tuckern wir dem Höhepunkt entgegen: der verwunschenen steinernen Klosterruine von Clonmacnoise. Die Anlage wurde im 10. Jahrhundert gebaut, ungefähr zur selben Zeit wie das älteste Pub.
Womit unser Hausboottrip doch noch mehr zu bieten hatte als Beisl-Kultur.

INFO

Anreise Wien-Dublin-Wien mit Aer Lingus 6x pro Woche ab 103 €, www.aerlingus.com
Transfer-Bus vom Flughafen zur Hausboot-Basis Carrick-on-Shannon 32,50 € pro Person und Strecke, direkt buchbar beim Veranstalter Le Boat.

Hausboot Der Hausboot-Spezialist Le Boat vermietet führerscheinfreie Boote unterschiedlicher Größe und Komfortklassen, gekennzeichnet durch einen bis vier Anker. Platz ist je nach Typ für zwei bis zwölf Personen. Alle Boote bieten einen geräumigen Salon, separate Schlafkabinen, Duschen mit fließend Warm- und Kaltwasser sowie komplett ausgestattete Kombüsen. Vom Besteck und Geschirr bis zu Bettwäsche und Handtüchern steht alles an Bord bereit. Gegen Aufpreis wird auch eine Lebensmittel-Grundausstattung ins Boot geliefert.
www.leboat.at

Saison März bis Ende Oktober, beste Reisezeit Ende Mai bis Anfang September. Mit kurzen Regenschauern muss man immer rechnen.

Preisniveau Einfache Mahlzeit ab etwa 7 €, 1 Pint (0,56 l) Guinness Bier 3,50 €.
Irland gehört zur Euro-Zone.

Pub-Tipps
- Carrick-on-Shannon: In der Bridge Street, die einzige große
Straße des Ortes, gibt es mehrere Pubs. Z. b. The Oarsman, www.theoarsman.com
- Tarmonbarry: Keenan's, mehrfach ausgezeichnetes Pub, direkt an der Bootsanlegestelle. Feine Burger. www.keenans.ie
- Athlone: Sean's Bar, gleich hinter der Burg, steht im Guinness Buch der Rekorde als ältestes Pub Irlands (angeblich mit Mauerresten aus dem Jahr 900). Urige Stimmung, am Wochenende ist hier der Bär los.
www.seansbar.ie

Allgemeine Auskunft
Irland Info, T.: 01/ 501 596 000

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(kurier) Erstellt am
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