Reise
03.09.2017

In Südostchina ist die Landschaft der Star

Guilin lockt mit pittoresken Karstkegelformationen, einer zauberhaften Fahrt auf dem Li-Fluss und einer uralten Kulturlandschaft in Longsheng.

Für europäische Ohren mag die Begrüßung der chinesischen Reiseleiterin wie ein Scherz klingen. "Willkommen in der Kleinstadt Guilin. Unsere Stadt hat nur 900.000 Einwohner!" Doch in China, dem Land der Megacitys, ist Guilin nichts anderes als klein.

Über 100 Metropolen im Staat mit 1,37 Milliarden Einwohner sollen mittlerweile über eine Million Einwohner haben, mindestens die Hälfte davon mehr als fünf Millionen. In dieser Liste rangiert Guilin natürlich unter ferner liefen – um es einmal sportlich auszudrücken.

Trotzdem kennt praktisch jeder Chinese Guilin, das im Nordosten des autonomen Gebiets Guangxi im Südosten der Volksrepublik liegt. Denn neben der Verbotenen Stadt in Peking und der Chinesischen Mauer ist Guilin eine der meistfrequentierten Touristenattraktionen des ganzen Landes.

Hotels aller Kategorien prägen auch das Bild der "Stadt des Duftblütenwalds". Diesen Beinamen bekam Guilin verpasst, weil es hier besonders viele Osmanthus-Bäume gibt. Dass die Stadt nicht so groß ist wie die Metropolen Peking, Schanghai oder Guangzhou, hat durchaus seine Vorteile.

Die Wege zwischen den Sehenswürdigkeiten wie dem Fubo-Berg, den Pagoden am Shanhu-See oder den Ming-Königsgräbern sind für chinesische Verhältnisse kurz. Die Straßen sind auch nicht so verstopft wie in den Millionenmetropolen.

Magnete

Die Stadt hat also ihren Reiz. Die Touristenmagnete sind aber andere – etwa die Bootsfahrt auf dem Li-Fluss, die zum Pflichtprogramm jener Chinesen zählt, die es sich leisten können, ihre Heimat zu bereisen. Die Flusslandschaft gilt im ganzen Land als der Inbegriff einer schönen Landschaft. Tausende Maler haben die Karstkegel in den buntesten Farben abgebildet. Auch auf dem 20-Yuan-Geldschein ist eine der Bergformationen am Li-Fluss zu sehen.

Dutzende Touristenboote machen sich Tag für Tag auf die gut vierstündige Fahrt von Guilin ins 60 Kilometer entfernte Yangshuo. Abgelegt wird am Vormittag, denn da ist das Licht am besten. Und selbst wenn das Wetter einmal nicht so mitspielt, hat die Fahrt ihren ganz besonderen Reiz. Denn gerade bei regnerischem Wetter und besonders dann, wenn die Karstberge in Nebel eingehüllt sind, versprüht die Landschaft geradezu mystische Reize.

Beschauliche Fischerdörfer laden ebenso zum Verweilen ein wie geheimnisvolle Höhlen. Aber auch die Kormoranfischer sind am Li-Fluss, der auch mit Bambusflößen befahren werden kann, ein beliebtes Fotomotiv. Bei dieser traditionellen, aber auch umstrittenen Form der Jagd tauchen gezähmte Kormorane nach Fischen. Durch Ringe am Hals kurz über dem Rumpf werden sie am Verschlucken größerer Beute gehindert, die sie ihrem Besitzer überlassen müssen.

Reisterrassen

Nicht nur der Li-Fluss ist eine Attraktion außerhalb Guilins. Ein Tagesausflug ins 100 Kilometer entfernte Longsheng gehört zum Sightseeing-Pflichtprogramm. Dort wird in einer Höhe von 600 bis 800 Metern auf Terrassen seit dem 13. Jahrhundert Reis angebaut. Die Anlagen sind spektakulär, das Spiegeln des natürlichen Lichts im Wasser, in dem die Reispflanzen wachsen, ebenso. Der gut eineinhalbstündige Fußmarsch ins Bergdorf Ping’an Zhuang verschafft dazu einen Eindruck, wie beschwerlich die Arbeit der Bauern auf den Reisterrassen ist.

Es ist die Gegend der Yao, einer der 72 von China anerkannten Nationalitäten. Rund 2,8 Millionen Yao leben in der Volksrepublik, mehr als die Hälfte in der Region um Guilin. Als Minderheit haben sie Sonderrechte. Die jahrzehntelange Ein-Kind-Politik Chinas hat für sie etwa nie gegolten.

Die Frauen der Yao sind berühmt für ihre langen Haare. Sie werden in ihrem Leben nur einmal geschnitten – mit 18. Heute zeigen sie ihren Gästen gerne ihre meterlange schwarze Haarpracht – ein beliebtes Fotomotiv.

Damit wird auch der Verkauf von allerlei selbst gefertigter Kunstgegenstände und Kleidungsstücke angekurbelt. Denn auch in Longsheng hat der Tourismus den Reisanbau als Haupteinnahmequelle längst abgelöst.

Anreise Guilin ist mit Schnellzügen u. a. von Shenzen und Guangzhou erreichbar. Die Stadt hat auch einen internationalen Flughafen, der von Hongkong aus u. a. von Cathay Pacific täglich angeflogen wird.
http://www.cathaypacific.com

Rundreise Raiffeisen Reisen bietet eine neuntägige Rundreise durch Südchina und Hongkong mit einer Besichtigung von Guilin, einem Tagesausflug nach Longsheng und der Li-Flussfahrt an. Pro Person im Doppelzimmer ab 1999 Euro. Termine: 6. –14. Jänner, 3. –11. Februar, 3.–11.März 2018.  0676/830 75–400
http://www.raiffeisen-reisen.at

Einreise Für China wird ein Visum benötigt. Dieses ist bei der Botschaft der Volksrepublik China in Wien erhältlich. Der Reisepass muss am Tag der Abgabe des Visaantrages noch mindestens sechs Monate gültig sein. http://www.chinaembassy.at/det/qz/

Währung 1 Renminbi Yuan = ca. 0,126 Euro

Beste Reisezeit Südchina kann das ganze Jahr bereist werden. Hauptreisezeit sind April, September und Oktober. Achtung: In der ersten Oktoberwoche sind Ferien und Millionen Chinesen unterwegs.

Auskunft Tourismusverband der Stadt Guilin http://www.visitguilin.org
Bootsfahrten auf dem Li-Fluss http://www.liriver.com.cn
Informationen zu Longsheng http://www.longjiriceterraces.com