© Andreas Fischer

freizeit Reise
08/06/2012

Hitparadenstürmer auf Heimaturlaub

HMBC-Frontmann Philipp Lingg schätzt die Idylle im Bregenzerwald. Gegen Heimweh hat er original Bergkäse im Gepäck.

von Simone Stecher

Der Bus mit dem Schriftzug Holstuanarmusigbigbandclub, kurz HMBC, hält schwungvoll auf dem Parkplatz vor dem Gasthaus Adler in Schoppernau, Vorarlberg. Hinter dem Steuer sitzt der Frontmann der Hitparadenstürmer, Philipp Lingg. Gut gelaunt springt er aus dem Fahrzeug, begrüßt herzlich die Wirtsleute und lässt sich auf einen Stuhl im Garten nieder. Harte Tour-Wochen liegen hinter dem HMBC, der mit "Vo Mello bis ge Schoppornou" weit über Österreich hinaus bekannt wurde.

930 Seelen

"Wenn du die ganze Zeit unterwegs bist, lernst Daheim zu schätzen", sagt der 28-Jährige, der in der wohlbehüteten Idylle der 930-Seelen-Gemeinde am hinteren Talende des Bregenzerwaldes aufgewachsen ist. Darum ist Erholung angesagt. "Jetzt freu’ ich mich auf zwei Wochen Urlaub im Hotel Mama mit Aufträgen wie Rasenmähen und Holzhacken", feixt er im tiefsten Wälderisch.

In Schoppernau kennt der Musiker jeden Stein, doch manche Fleckerln mag er ganz besonders. Eines davon ist das Gasthaus Adler, wo er sich das erste Mal vor Publikum beweisen konnte. "Selbst hier hab’ ich drei Lieblingsplatzerln. Ich mag den Garten, die Gespräche an der Bar und den Kachelofen in der Stube mit seinem heimeligen Flair", schwärmt Lingg. "Aber vor allem sind es die Menschen. Sie machen Schoppernau aus."

Nachdenklich nippt Lingg an seinem Espresso und beobachtet die Wanderer, die gemütlich vorbeischlendern. Ein Landwirt bringt Mist aufs Feld, und vor einem für die Gegend so typischen Bauernhaus liegt ein Hund.

"Als Kinder haben wir oft bei der unheimlich anmutenden Armen-Seelen-Kapelle geforscht", erinnert er sich. "Und der große Grillplatz neben der Vorsäßhütte im Hoadlmoos war super, um Räuber und Gendarm zu spielen." Heute gibt es dort einen See, Spazierwege, eine Hängebrücke übers Tobel, eine Kneippanlage und einen Natur- und Landwirtschaftspfad.

Fußmarsch

Seit zwei Jahren gehört auch der "Vo Mello bis ge Schoppornou"-Lauf zu den Attraktionen. "Wir singen zwar vom Fußmarsch nach einer durchzechten Nacht. Die Teilnehmer müssen aber nicht betrunken sein", erklärt Lingg und grinst.

Manche legen die 12,4 Kilometer gemütlich in Dirndl und Lederhose zurück. Andere wählen, ganz nach HMBC-Vorbild, die Variante "weitaun" und geben ordentlich Gas.

Über die Hintergründe des Hits will Lingg aber nichts verraten. "Es sind 40 Prozent Realität und 60 Prozent Fiktion." Geschrieben hat er ihn "in einer schäbigen Wohnung in Wien. Aber frag mich nicht wieso. Wahrscheinlich hatte ich Heimweh."


Ein Stück Heimat

Dieses Gefühl überkommt ihn ab und zu. "Dann fehlen mir Dinge wie das Jassen (Kartenspiel, Anm.) mit meinen Eltern." Doch einen Trumpf hat er immer dabei: den exzellenten Bergkäse. "Der verkörpert ein Stück Heimat, egal, wo ich bin", verrät der Student, der Gitarre, Akkordeon, Posaune und Klavier spielt, singt, rappt und jodelt.

Seine Jodel-Künste will er aber nicht zum Besten geben. "Schließlich bin ich im Urlaub", sagt er spitzbübisch lächelnd und lehnt sich in seinem Stuhl zurück.

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