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Reise
10/09/2019

Hall in Tirol: Technische Sensation aus dem Mittelalter rekonstruiert

Mittelalter-Fans können Wasserantrieb für Münzeprägemaschine aus dem 16. Jahrhundert am Originalstandort besichtigen.

Im Mittelalter wurden die meisten Arbeiten des Alltags händisch verrichtet, auch wenn es ums Geld ging. So schaffte ein Münzprägegeselle händisch etwa 300 Münzen pro Tag. Dann kam es zu einem Quantensprung: Die Walzen-Prägemaschine galt im Mittelalter als technische Sensation und war in der Lage, täglich rund 4.000 Münzen zu prägen.

Ermöglichte Massenprägung

Die Walzenprägemaschine, welche mit Wasserkraft angetrieben wurde, kam erstmals 1571 in Hall zum Einsatz und ermöglichte die Massenprägung von Silbermünzen. Diese Form der Prägung war äußerst effizient und verschaffte dem Münzherrn einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil. Die Münze Hall hatte somit als erste Münzstätte der Welt den Wechsel von einem Handwerksbetrieb hin zu einem Industriebetrieb vollzogen.

Bei Grabungen entdeckt

In Hall in Tirol wurden bei archäologischen Grabungen die originalen Grundbalken des damaligen Wasserradantriebs aus dem 16. Jahrhundert gefunden. "Es ist umso erfreulicher, dass der historische Wasserantrieb nun hier am Originalschauplatz rekonstruiert und nunmehr erlebbar ist“, sagte der Haller Stadtarchäologe Alexander Zanesco. "Mit dem Nachbau des Wasserantriebs erhält das Burgareal eine zusätzliche Attraktion", so Werner Nuding, Erbauer des Historischen Wasserradantriebs.

Jedes der detailgetreuen Wasserräder hat einen Durchmesser von 5,50 Meter.

"Taler" Namenspatron des "Dollar"

Im 15. Jahrhundert wurde mit dem „Guldiner“, die sogenannte „Taler-Währung“ erfunden, die nicht nur den wirtschaftlichen Austausch über Landesgrenzen ermöglichte, sondern auch Namenspatron für den Dollar war. Aber auch die erste funktionierende industrielle Münzprägung, die Walzenprägung, wurde in Hall in Tirol entwickelt. Diese Technologie verbreitete sich in ganz Europa, einem größeren Verbreitungsgebiet als die heutige Euro-Zone, und galt für einen Zeitraum von über 180 Jahren als „state of the art“.